Grüne Branche

Gartenbau: „Mut haben, die Preise zu erhöhen“

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Datenschutzgrundverordnung, Pflanzenpass, Torfreduktion, neue Düngevorgaben, CO2-Problematik – das alles kostet jeden Gartenbau-Betrieb Geld. Deshalb sei es dringend erforderlich, dies auch auf die Produkte umzulegen und die Preise zu erhöhen, findet der Wirtschaftsverband Gartenbau Norddeutschland (WVG Nord).

Mitgliederversammlung des WVG Nord mit (v. l.) Staatssekretär Rainer Beckedorf, der Deutschen Blumenfee Annika Stroes, Bernhard Beßler und Andreas Kröger. Foto: Katrin Klawitter

Preise müssen den ständig steigenden Kosten entsprechen

Der Handel habe für Preiserhöhungen durchaus Verständnis geäußert, erklärte Andreas Kröger, Präsident des Wirtschaftsverbands Gartenbau Norddeutschland, im Rahmen der diesjährigen Mitgliederversammlung des WVG Nord in der Lehr- und Versuchsanstalt für Gartenbau in Hannover-Ahlem. In einigen Regionen seien Preiserhöhungen schon durchsetzbar. „Es liegt an jedem Gärtner – er muss Mut beweisen“, so Kröger, der selbst Produzent ist.

Im gleichen Zuge appellierte er an die Betriebe, hier solidarisch mit anderen Gärtnern zu sein. „Wir kommen nur gemeinsam weiter – und müssen unsere Produkte gemeinsam besser auf dem Markt platzieren“, so sein Aufruf. „Der Gartenbau leistet mit seinen Produkten so vieles für die Menschen, für gesunde Umwelt und Ernährung. Dabei müssen aber die Preise auch den ständig steigenden Kosten entsprechen, anderenfalls kann eine regionale Produktion am Standort Deutschland nicht überleben.“

Pflanzenpass: Wird der Handel ihn an jeder Pflanze fordern?

Der Pflanzenpass, so wurde in Ahlem noch einmal deutlich, bereitet den Betrieben im Moment viel Kopfzerbrechen, vor allem dessen noch unklare Umsetzung in die Praxis. Es sei zu erwarten, dass der Handel, um sicher zu gehen, den Pflanzenpass auf jeder Pflanze fordere. „Das wäre dann, wie mit Kanonen auf Spatzen zu schießen“, so WVG Nord Präsident Kröger. Und eben teuer.

Prof. Dr. Bernhard Beßler, Leiter des Geschäftsbereichs Gartenbau in der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, referierte zum Thema „Landwirtschaft in der Defensive“ und brach eine Lanze besonders für die kleinen, wendigen Betriebe des Gartenbaus, die es durch ihren Auftritt, ihre Geschäftsidee schaffen, ihre Produkte beim Verbraucher mit positiven Emotionen zu besetzen. „Schwimmen Sie dafür ein bisschen mit dem Strom“, so seine Empfehlung – ein Aufruf, der für Beßler im Übrigen auch als Maßnahme gilt, um sich für Fachkräfte wieder attraktiver zu machen (mehr von ihm dazu in unserem neuen TASPO dossier „Fachkräftemangel“ in der Ausgabe 47/2019).

Verbände: raus aus der reaktiven Rolle

Spannend auch, was Beßler in diesem Zusammenhang zur neuen Rolle der Verbände sagte: Sie müssten raus aus ihrer reaktiven Rolle: Die ständigen neuen Forderungen nach Unterstützung nach jeder Katastrophe, wie sie beispielsweise vom Bauernverband kämen, wollten die Menschen nicht mehr hören. Verbände müssten stattdessen Seismografen sein, Themen frühzeitig erkennen, proaktiv angehen und kommunizieren.

Mehr zur Mitgliederversammlung des WVG Nord lesen Sie in der TASPO 45/2019, die in unserem Online-Shop abrufbar ist.

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