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Gartenbau: Niederländer drängen nach Deutschland

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Jahrelang investierten die finanzstarken Niederländer in den USA oder in Großbritannien. Mittlerweile drängen niederländische Firmen zunehmend nach Deutschland, auch solche im Gartenbau. Besonders Gemüsebauer sind daran interessiert, Anbauflächen zu erwerben.

Unter anderem niederländische Tomatenerzeuger haben sich in den vergangenen Jahren in Deutschland angesiedelt. Foto: Pixabay

Sie wollen Gemüse unter anderem in Deutschland vor Ort und damit „regional“ anbauen und so von höheren Preisen profitieren. Die niederländischen Gartenbau-Unternehmen haben zudem das nötige Kapital, um ehemalige Großbetriebe zu übernehmen oder neu aus dem Boden stampfen zu können. Mit Erfolg.

Niederländische Gemüseerzeuger mit guten Kontakten zu inländischen Supermarktketten

Und auch Absatz und Vermarktung sind häufig schon dadurch gesichert, dass die Niederländer aus bisherigen Geschäftsbeziehungen gute Kontakte zu inländischen Supermarktketten mitbringen. Diese fehlen kleineren deutschen Anbietern häufig.

Beispiele für niederländische Firmengründungen gibt es mittlerweile genug. Gerade in Grenzregionen, wie am Niederrhein, in Niedersachsen oder Nordrhein-Westfalen, haben sich die ausländischen Produzenten niedergelassen.

In den vergangenen Jahren zog es zudem vermehrt Gemüsebauer aus den Niederlanden nach Sachsen-Anhalt, wie den Niederländer Jorg van der Wilt. Er hat gemeinsam mit zwei weiteren Investoren rund elf Millionen Euro in ein Projekt in Osterweddingen investiert, wo er Gurken und Tomaten anbauen will.

Von der Wilt auf Paprika und Tomaten spezialisiert

Von der Wilt bringt mehr als 20 Jahre Erfahrung aus seinem Heimatland mit, in dem er sich vor allem auf Paprika und Tomaten spezialisiert hat. „Local for local“, sagt van der Wilt. Ein weiterer Pluspunkt für den Standort: Eine rund 600 Meter lange Leitung führt vom benachbarten Glaswerk F-Glas, das für den Betrieb auch die Spezial-Scheiben entwickelt und hergestellt hat, direkt in die Gewächshäuser.

„Das ist eine Win-win-Situation“, sagt Jorg van der Wilt. Bei der Produktion der Glasscheiben entstehen Temperaturen von bis zu 1.500 Grad. Die Abwärme muss nicht mehr mit hohem Aufwand runtergekühlt werden, sondern die ungenutzte Energie wird für die Gewächshäuser verwendet.

Derzeit werden gut 15 Prozent der Investitionssumme vom Staat getragen. Doch bald ist es mit großzügigen Subventionen und damit wohl auch mit dem überdimensionalen Gewächshausbau vorbei, denn nach der aktuellen Förderperiode wird die Europäische Union die Sätze für Sachsen-Anhalt kürzen.

Niederländischer Familienbetrieb baut Tomaten in der Eifel an

Weiteres Beispiel: der Betrieb „Gemüseland“ der niederländischen Familie Jacobs aus Belfeld. Diese bewirtschaftet in den Niederlanden bereits in dritter Generation einen Hof von 30 Hektar, davon 17,5 Hektar unter Glas. Das Unternehmen baut in einem vier Hektar großen Gewächshaus in Mehren in der Eifel mittlerweile Tomaten an – verkehrsgünstig in der Nähe der A1 und der A48 gelegen. Gemüsebauer Donnè Jacobs hat in Mehren fast 6,3 Millionen Euro investiert.

Die Firma befindet sich in unmittelbarer Nähe zum Biomassekraftwerk der Firma Bioenergie Vulkaneifel. Gewonnene Überschusswärme kann in das Gewächshaus eingespeist werden. Produktionsreste dienen wiederum als Biomasse für das Kraftwerk. Abnehmer sind regionale Lebensmitteleinzelhändler (Lebensmitteleinzelhandel, Edeka) im Umkreis von 150 Kilometern.

Mehr zu diesem Thema lesen Sie in der aktuellen TASPO 26/2017, die am 30. Juni erschienen ist.