Grüne Branche

Gartenbau: Richtige Arbeitsunterweisung kann enorme Kosten sparen

Nach den neuesten betriebswirtschaftlichen Kennzahlen machen die Arbeitskosten fast 25 Prozent der Kosten im Gartenbau aus, Energiekosten dagegen nur rund fünf Prozent. Das rechnete Jürgen Hockwien, Zierpflanzenbau-Berater bei der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen im Rahmen der Ahlemer Betriebsleitertage Produktion im Januar vor. Höchste Zeit also, darüber nachzudenken, wie sich durch optimal eingerichtete Arbeitsplätze und genaue Arbeitsunterweisungen bares Geld sparen lässt. 

Leider sei im Gartenbau traditionell wenig Bereitschaft vorhanden, an dieses Thema zu gehen, wie Hockwien aus langjähriger Erfahrung weiß. Mit teuren Folgen: Eine Umfrage unter mehreren hundert Gärtnern ergab, dass das Gros der körperlichen Beschwerden im Bereich Rücken und Knie, in mangelhafter Beindurchblutung und Kreislaufproblemen liegt, viele davon laut Hockwien eine Folge falscher Arbeitshaltung und Arbeitsplatzgestaltung. „Die Ursache dafür ist meist eine schlechte Arbeitsunterweisung.“

Folge: Die Mitarbeiter erreichen einen Leistungsgrad von maximal 60 Prozent, zudem kosten allein die durchschnittlichen 11,8 Krankheitstage eines Gärtners pro Jahr den Betrieb rund 1.200 Euro pro Arbeitnehmer jährlich. „Die Arbeitswirtschaft beginnt zuallererst im Kopf“, weiß der Berater. Es sind nur ein paar arbeitswirtschaftliche Grundregeln, die es permanent zu beachten und zu kontrollieren gilt – damit ist schon viel gewonnen. Hockwien machte das an einer Fülle von Fotos aus der gärtnerischen Arbeitspraxis deutlich.

Zu den Grundregeln gehören beispielsweise folgende:

  • Übergabegriffe vermeiden (sie kosten rund 15 Prozent Arbeitszeit), keine diagonalen Greifwege zulassen;
  • permanente Körper- und Kopfdrehungen vermeiden, also unbedingt vorne arbeiten;
  • Greifwege minimieren (zehn Zentimeter Reduktion spart 30 Prozent Arbeitszeit);
  • maximale Arbeitsplatzbreite liegt bei 80 Zentimetern;
  • permanente Seitwärtsschritte vermeiden;
  • lange Wege und lange Transportwege vermeiden;
  • statische Haltearbeit vermeiden, sprich: immer mit beiden Händen simultan arbeiten.

Optimal arbeiten können Mitarbeiter, wenn sie eine möglichst gerade Körperhaltung einnehmen (stehend oder sitzend) und in optimaler Arbeitshöhe arbeiten. Diese ist erreicht, wenn sich die Arbeit fünf bis zehn Zentimeter unter dem angewinkelten Ellenbogen befindet. Mit System zu arbeiten, kann laut Hockwien die Leistung um bis zu 30 Prozent steigern. Das gelang beispielsweise in einem Stecklingsbetrieb, nachdem dort eine feste Steckrichtung vorgegeben wurde, die Palette, nachdem sie halb gefüllt war, konsequent umgedreht wurde und die Stecklinge vor dem Stecken vereinzelt und vor der Platte ausgelegt wurden.

Viel Arbeitszeit kann es auch sparen, wenn schräge Arbeitspositionen angestrebt werden, beispielsweise die Platten, aus denen die Jungpflanzen zum Topfen herausgenommen werden, leicht schräg zum Mitarbeiter hingestellt sind. „Schräge Ebenen vermeiden ein Überdrehen des Nackens“, so Hockwien. Wichtig sei beispielsweise auch eine klare, gegliederte Arbeitsplatzgestaltung, Großgeräte, die übersichtlich an der Wand hängen – denn „Suchen kostet Geld“, warnt der Berater. Und energiefressende Kältebrücken, beispielsweise am Boden oder durch nasse Tische, sind durch geeignete Fußmatten und Schürzen zu vermeiden.

Es gelte auch, nicht zu viele Mitarbeiter nebeneinander arbeiten zu lassen. „Rudelbildung vermeiden“, nennt Hockwien das – denn die Mitarbeiter behinderten sich schon rein räumlich, außerdem orientiere sich die Arbeitsleistung in der Gruppe in der Regel am Schwächsten. Große Stücke setzt Hockwien in diesem Zusammenhang auf das Controlling der Mitarbeiter. „Auch an dieses Thema wollen die meisten nicht ran“, weiß er. Bisher setzten das vor allem Jungpflanzenfirmen ein. „Sie können Leistungssteigerungen von zehn bis zwölf Prozent erreichen“, so die Erfahrungswerte – beispielsweise durch Kontrollmaßnahmen wie Mitarbeiternummern an den jeweils bearbeiteten Paletten, durch Barcodes oder Chips zum Einscannen für die Mitarbeiter, durch Tabellenwerte mit Zeit- oder Mengenvorgaben, Öffentlichmachen der Leistung der Mitarbeiter und Mengenprämien. Wichtig: Alles müsse transparent sein – Arbeiten, Zuständigkeiten, Betriebsanweisungen, Organigramme, Visionen, aber auch Erwartungen. „Jeder Mitarbeiter kann so für sich selbst entscheiden, ob er in das System passt oder nicht.“

Solche Dinge, beispielsweise auch Notfallpläne, werden laut Hockwien in Zeiten von GlobalGAP sowieso Pflicht werden, blickt er in die Zukunft. Kontrolle gehöre dabei allerdings ebenso dazu wie die Wertschätzung der Mitarbeiter. „Mitarbeiter sind unser höchstes Gut – aber schauen Sie allein einmal in die Sozialräume.“ Viele, das bewiesen etliche Fotos des Beraters, zeugten keinesfalls von einer Wertschätzung, die Aufenthaltsmöglichkeiten für die Mitarbeiter reichten von Bierbänken im Gewächshaus bis zum Sammelsurium ausgedienter Möbel in der Ecke einer Halle. (kla)