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Gartenbau: Substrate auch in Zukunft aus Torf?

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Torf oder nicht Torf? Das ist für viele Gartenbau-Betriebe eine wichtige Frage. Der Gartenbauverband Düsseldorf lud deshalb zu einem Seminar, bei dem Handel, Lieferanten, Verband und Berater mit Produzenten über torffrei und torfnachhaltig diskutierten.

Torf spielt nach wie vor eine wichtige Rolle in der Substrat-Produktion. Foto: Pixabay

toom stellt Substrate bis 2025 auf torffrei um

toom (Rewe Group) wird bis 2025 alle Substrate, die im Verkauf angeboten werden, auf „torffrei“ umstellen, erklärte Tobias Theuerkauf, Projektmanager Nachhaltigkeit bei toom zu dem vor vier Jahren definierten Ziel. Dies gelte auch für die Rewe- und Penny-Märkte. Auch bei Topfpflanzen muss deshalb eine höhere Torfreduzierung erreicht werden.

Dass das gesamte Topfpflanzen-Sortiment bis 2025 zu 100 Prozent torffrei sein wird, glaubt Theuerkauf jedoch nicht. Aus seiner Sicht müssten dringend mehr Erfahrungen in der Produktion mit torfreien/-reduzierten Substraten gesammelt werden. Produzenten, die weniger als 50 Prozent Torf bei Topfpflanzen einsetzen, können das Label Pro Planet von toom erhalten, mit denen die Baumarkt-Kette beispielsweise schon alle Anthurien ausgezeichnet hat, da diese ausschließlich torffrei verkauft werden.

„Dem Handel ist bewusst, dass eine Umstellung von heute auf morgen nicht funktioniert“, erklärte Dr. Arne B. Hückstädt vom Industrieverband Garten (IVG, Düsseldorf) und sieht in Zukunft eine Umstellung in „kleinen Schritten“.

Prognose: Erwerbsgartenbau wird torfreduzierte Anbaumethoden nutzen

Festlegen konnte sich auch Dr. Svea Pacyna-Schürheck, Landgard-Bereichsleiterin für Qualitätsmanagement und Nachhaltigkeit, nicht – zu vielfältig seien die Anforderungen. Erste Kulturen wie zum Beispiel Poinsettien, Anthurien, Callunen, Kirschlorbeer konnten bereits erfolgreich torffrei kultiviert werden. Bei anderen wie etwa Aloe, Papyrus, Koniferen, Beerenobst oder Fairtrade-Topfpflanzen ist eine Torfreduktion möglich. Ihre Prognose: „Im Haus- und Kleingarten werden Substrate torffrei werden. Der Erwerbsgartenbau wird, abhängig von der jeweiligen Pflanze und Kultur, torfreduzierte Anbaumethoden nutzen, konsequent weiterentwickeln und ausbauen.“

Rindenhumus, Kompost, Holzfaser Kokosfaser und -mark, aber auch Reisspelzen, Hanfschäben, Rohrkolben, Miscanthus und ähnliches gehören zu den Substrat-Ausgangsstoffen, die als Torfersatz eingesetzt werden. Michael Emmel von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen stellte anhand von Versuchen Erfahrungen vor und erklärte: „50 Prozent Ersatzstoffe im Substrat sollten beim Produzenten möglich sein.“

Versuche der Substrat-Lieferanten: Wie weit kann Torf ersetzt werden?

Wie weit Torf ersetzt werden kann, zeigt sich auch in Versuchen, die Substrat-Lieferanten selbst durchführen. „Unsere Aufgabe ist es, Substitute zu finden, um den Torfanteil deutlich zu senken“, zeigte Ulrike Fockenberg von Gramoflor auf. Holzfasern stammen bei Gramoflor etwa aus eigener Produktion und Kokos aus eigener Aufbereitung.

Winfried Temming von Floragard hält die weitere Torfreduktion für möglich, abhängig von den Kulturansprüchen. Das Kulturrisiko halte sich in Maßen. Allerdings: „Torf wird der wichtigste Stoff in der Substrat-Produktion bleiben.“ Tobias Jäger von Stender sieht nicht den „einen Stoff, der Torf gänzlich ersetzen“ könnte. Beim Einsatz von Ersatzstoffen könne der Aufwand für den Betrieb steigen, etwa bei der Düngung und Bewässerung.