Grüne Branche

Gartenbau wie auf dem Mond

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Pro Woche erntet Paul Zabel im Schnitt 740 Gramm Tomaten, 1,8 Kilogramm Gurken und 400 Gramm Kohlrabi. Nichts Besonderes? Doch, denn das Gewächshaus EDEN-ISS steht in der Antarktis, wo in Polarnächten Temperaturen bis minus 45 Grad Celsius vorherrschen und für den Gartenbau auf dem Mond geprobt wird.

Wertvolle Impulse für die Pflanzenzucht in Extremsituationen

Von dem Projekt verspricht sich das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) wertvolle Erkenntnisse für die zukünftige Pflanzenzucht auf Mond- und Mars sowie für die zukünftige Nahrungsmittelproduktion in klimatisch anspruchsvollen Regionen der Erde. Seit vier Monaten betreut Zabel das Gewächshaus im Alleingang.

Der Gärtner arbeitet unter Bedingungen, wie sie auch auf dem Mond oder in einer Raumstation künftig anzutreffen sein könnten. 13 Quadratmeter Anbaufläche stehen Zabel zur Verfügung. Mittlerweile hat er 35 Kilogramm Gurken, 39 Kilogramm Salat, 17 Kilogramm Tomaten, sieben Kilogramm Kohlrabi und vier Kilogramm Radieschen ernten können. „Besonders gut gedeihen Gurken“, erklärt Projektleiter Dr. Daniel Schubert. „Paprika und besonders die Erdbeeren sind anspruchsvoller in der Pflege.“

Arktischer Winter fordernd für Gewächshaustechnik

Der arktische Winter, der vor der Tür des Bungalows wütet, der auf Stelzen steht, fordert der Gewächshaustechnik das Maximale ab. Vergangene Woche kämpfte Zabel mit dem Ausfall eines Regelventils, das das Kühlsystem mitsteuert oder auch mit nicht funktionierenden LED-Lampen. „Klenigkeiten“, die unter solchen extremen Bedingungen schnell zum Stressfaktor werden.

„Oft musste ich nachts oder am Wochenende reagieren, was die Behebung teilweise erheblich erschwert hat. Immerhin steht das Gewächshaus 400 Meter entfernt von der Neumeyer Station III“, erklärt er und sieht dabei die Anstrengungen als Dienst für die Wissenschaft: „Ein zukünftiges Gewächshaus auf einem anderen Planeten soll auch durchgehend in Betrieb sein. Daher sind die technischen Ausfälle und deren Reparatur wertvolle wissenschaftliche Erkenntnisse für uns“, so Zabel.

„Die Arbeit im und am Gewächshaus ist sehr intensiv“

Insgesamt zehn Menschen profitieren von Zabels wöchentlicher Ernte, sie alle überwintern auf der arktischen Neumayer-Station III, die vom Alfred Wegener Institut betrieben wird. „Die Arbeit im und am Gewächshaus ist sehr intensiv“, sagt Zabel. „Etwa die Hälfte meiner Zeit bin ich mit der Aussaat, Pflanzenpflege und der Ernte beschäftigt, die andere Hälfte der Zeit kümmere ich mich um die technischen Systeme des Gewächshauses sowie um die Ausführung der rund 40 Experimente und Validierungsprozeduren.“

Wie schwierig die Wetterlage für die Forscher sein kann, schildert Projektleiter Schubert: „Mitte Juni hatten wir einen tagelangen Sturm. In dieser Zeit mussten wir drei Tage lang das Gewächshaus aus Bremen steuern und überwachen.“ Die Kontrolle übernimmt das Bremer DLR-Institut für Raumfahrtsysteme. Hier laufen die Daten aller im arktischen Gewächshaus kultivierten Pflanzen auf.

Im Unterschied zu bisherigen Modellversuchen verfügt das EDEN-ISS über einen geschlossenen Kreislauf und funktioniert, bis auf die Stromversorgung, völlig autark. Das heißt, das jeder Tropfen Wasser, der nicht in den Früchten und Pflanzen selbst steckt, aufbereitet und wiederverwendet wird, so wie es bei einem Gartenbauprojekt in der Wüste oder auf einer Mondstation nötig wäre. Künstliches LED-Licht steuert das Pflanzenwachstum, eine Nährmittellösung lässt die Gewächse richtig gedeihen.

Frisches Gemüse zum Mittwinter-Festmahl

Mittwinter feierte die Stationscrew mit einem gemeinsamen Festmahl.  „Aber nicht nur dort, sondern auch im Alltag sind frisches Gemüse, Salat und Kräuter aus dem Gewächshaus eine echte Bereicherung, die wir nicht mehr missen möchten. Deshalb helfen auch alle Crewmitglieder gerne mit. Unsere Stationsköchin und Paul Zabel stimmen sich zudem eng zur optimalen Zubereitung des erntefrischen Gemüses ab“, berichtet Stationsleiter Bernhard Gopp.

Mittwinter stellte also einen besonderen Tag für die Crew, aber auch für Zabel selbst dar. Denn er hat einen persönlichen Meilenstein erreicht: „Dieser Tag markiert den Mittelpunkt der Polarnacht und auch die Halbzeit meines Aufenthalts in der Antarktis.“