Grüne Branche

Gartenbautag in Berlin: neue Trends für die Branche nutzbar machen

„Der deutsche Gartenbau – aktiv, kreativ, innovativ“ lautete das Motto des Gartenbautages in Berlin, und ihm wurde die Veranstaltung mit einer deutlichen Schwerpunktsetzung zum Thema Innovation gerecht. Ganz klar setzte auch Jürgen Mertz damit einen sechsten Punkt auf die Prioritätenliste seiner Präsidentschaft. 

Denn Innovationen in Wissenschaft und Forschung weiter zu fördern und Forschungsergebnisse auf möglichst kurzen Wegen für die gärtnerische Praxis verfügbar zu machen, gehöre zu den Hauptanliegen der Branche.

Dass der Gartenbau von Seiten der Politik durchaus positiv gesehen wird, unterstrich Dr. Gerd Müller, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV), in seinem Statement zur Veranstaltung. Die Innovationskraft der Branche zu stärken, sei deshalb auch ein Anliegen, das vom BMELV seit 2006 mit einem Innovationsförderprogramm unterstützt werde. Mit einem insgesamt zur Verfügung stehenden Fördervolumen von 14 Millionen Euro wurden Müller zufolge bereits viele Produkte, Produktschienen und Innovationen angestoßen, auch in der Forschung.

Die Verleihung des diesjährigen Deutschen Innovationspreises Gartenbau an die Kooperation PlusPlants würdigt wiederum eines der zukunftsweisenden Konzepte der Branche, diesmal in der Kategorie Kooperation/Betriebsorganisation. Aus Sicht des BMELV hervorzuheben sei der besondere Vermarktungsansatz, den die sieben Topfpflanzenbetriebe entwickelt haben.

„In einem durch große Mengen und niedrige Preise gekennzeichneten Markt versuchen die beteiligten Unternehmen aktiv Eigenschaften zu betonen, die in den vergangenen Jahren in der Gesellschaft an Bedeutung gewonnen haben und künftig noch wichtiger werden. Mit der Strategie des Zusammenschlusses, Erzeugnisse unter einer gemeinsamen Dachmarke zu vermarkten, eröffnen sich insbesondere dem Fachhandel Möglichkeiten, sich durch Ressourcen schonend produzierte und sozialverträgliche Produkte in einem Massenmarkt zu differenzieren“, so Müller.

Das durchgängig geplante Konzept von PlusPlants beginnt mit der Zertifizierung durch unabhängige Unternehmen und reicht bis zur gemeinsamen professionellen Entwicklung eines Vermarktungskonzeptes. Als erster Gärtnerzusammenschluss haben die im norddeutschen Raum angesiedelten Zierpflanzenbetriebe eine Studie zur CO2-Einsparung in Auftrag gegeben, auf deren Basis sich die Verminderung des Emissionsausstoßes nachweisen lässt (siehe TASPO 34/12, Seite 3).

Sich den Herausforderungen der Zukunft zu stellen und kreative Lösungen zu entwickeln, darin liege der Kern des gartenbaulichen Innovationspotenzials, sagte Müller in seinen weiteren Ausführungen. Es gelte, neue Entwicklungen frühzeitig zu erkennen und für die Branche nutzbar zu machen. Sich konstruktiv in den rasant entwickelnden Ernährungsmarkt einzubringen, könne Chancen bergen. Die Entwicklung von Obstsorten, die auch für Allergiker geeignet sind, greife hier beispielsweise nur ein winziges Detail aus einer Vielzahl von Möglichkeiten heraus.

Für den produzierenden Gartenbau stellen sich die Herausforderungen der Zukunft aus Sicht des Staatssekretärs vor allem in den Bereichen Kooperation und Betriebswirtschaft. Wie findet man sich mit seinem Betrieb heute im Preiskampf der großen Märkte zurecht? Das sei die Frage, die sich vor allem die Generation der Jungen und Betriebsnachfolger stellen müsste, um weiterhin im globalen Wettbewerb standhalten zu können. Neue Formen der Zusammenarbeit in Produktion und Vermarktung seien dabei das Gebot der Zeit.

Im weiteren ging Müller auch auf das wachsende Nachhaltigkeitsbewusstsein der Verbraucher ein. Woher ein Produkt komme, spiele dabei eine immer größere Rolle. Aus Sicht seines Hauses sagte er dazu: „Wir wollen die regionale Herkunftsbezeichnung ganz stark im Markt verankern. Ich glaube, das sollten wir nicht nur im Bereich der Lebensmittel umsetzen, sondern auch im Pflanzenbau, bei Zierpflanzen, Bäumen, Sträuchern.“ Es gehe darum, den Verbrauchern auch unter dem Aspekt der Ökologie mehr Nachvollziehbarkeit und Nähe zum Produkt zu vermitteln. Anbaustandards, ökologische und soziale Standards, Ressourcenschutz, der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln, die Präparierung von Pflanzen seien Kriterien, von denen diese neue Entwicklung begleitet werde.

Was wird vom Verbraucher akzeptiert, was wird nicht akzeptiert, und wie kann ein deutscher Standard aussehen, der eine deutliche Profilierung im globalen Wettbewerb erlaubt? Dies seien die Fragen, in deren Zusammenhang ein Stück weit über neue Wege diskutiert werden müsse.

Letztlich stellte Müller in seinen Ausführungen das enorme Potenzial von Hobbygärtnern in den Fokus seiner Betrachtungen. Fünf Millionen Menschen in Deutschland seien Mitglieder in einem Gartenverein. Doch sei die Zahl der Pflanzenliebhaber noch sehr viel größer, da sich im Zuge von Trends, wie Outdoor-Living oder Urban Gardening heute nahezu jeder Haushalt mit dem Thema befasse.

Eine andere Frage sei natürlich, mit welchem Wissen, mit welchen Methoden Pflanzen und Produkte im Privatbereich angebaut werden. Die fachgerechte Wissensvermittlung, nicht nur beim Pflanzeneinkauf, gerate dabei zu einem ganz zentralen Thema, dem sich auch die Gartenbaubranche stellen müsse. Ein Ansatz dazu wäre, bereits bei den Jüngsten in der Gesellschaft zu beginnen. „Wir sollten die großartige Idee des Gartens und seiner Produkte in den Herzen der Menschen verankern und weitergeben. Wo kann man das besser als bei Kindern, die man mit Natur und Garten zusammen bringt?“, so Müller.

Sein Vorschlag dazu: „Ein Schulgarten für jede Schule in Deutschland. Das ist nicht eine Forderung, die illusorisch ist, sondern die wir uns sofort aufmachen sollten, umzusetzen. Ich unterstütze Sie in der Frage der hauptamtlichen Struktur der Berater, gegenüber den Landesministerien und den Kreisbehörden.“ (ks)