Grüne Branche

Gartenbauzentrale: „Imperium der Küchenkräuter“

, erstellt von

Papenburg ist die Kräuterhauptstadt Deutschlands. Die Gartenbauzentrale (GBZ), ein Verbund aus 44 Gärtnereien im Umkreis von zehn Kilometern, produziert hier jedes Jahr mehr als 90 Millionen Töpfe mit Basilikum, Petersilie und Schnittlauch sowie rund 60 anderen Kräuterarten. Ein NDR-Fernsehteam schaute hinter die Kulissen.

Basilikum ist das mit Abstand beliebteste Küchenkraut und belegt 70 Prozent der Gewächshausfläche in Papenburg. Foto: Daniela Sickinger

Papenburger Gärtner bringt Kräutertopf-Idee mit

Aus Skandinavien hat ein Papenburger Gärtner vor rund 30 Jahren die Idee des Kräutertopfs mitgebracht, erfahren die Zuschauer von GBZ-Vertriebsleiter Andreas Brinker im Film. Basilikum, vor 25 Jahren fast unbekannt und heute mit Abstand das beliebteste Küchenkraut, steht auf 70 Prozent der Gewächshausfläche Papenburgs.

Einer der Kräuter-Gärtner in Papenburg ist Alexander Schulz, der im Film Wissenswertes zur „anspruchsvollen“ Basilikum-Kultur erklärt und einen Blick in seinen drei Hektar großen Betrieb freigibt, in dem pro Jahr bis zu drei Millionen Basilikum wachsen.

Rund 5.000 Töpfe pro Stunde

„Viele Arbeitsschritte sind heute automatisiert“, erklärt Schulz. „Das Saatgut wird maschinell – 30 bis 35 Körner pro Topf – abgefüllt, damit später eine gleichmäßige Qualität wächst. Rund 5.000 Töpfe kann die Maschine pro Stunde maximal füllen. Aber auch das Topfen läuft automatisch“. Nach zwei bis drei Wochen kann bereits das erste Mal gerückt werden. Innerhalb von sechs Wochen sind die Basilikumtöpfe verkaufsfertig.

Konkrete Bestellungen und das passende Verpackungsmaterial erhält Schulz über die Gartenbauzentrale. Bereits in der Gärtnerei Schulz werden die Töpfe in Kartons verpackt, bevor sie im GBZ-Logistikzentrum auf die einzelnen Frachten verteilt werden. Die Zeit ist knapp. Innerhalb von 24 Stunden sollen die Basilikumtöpfe im Regal stehen – in ganz Deutschland und dem europäischen Ausland.

Logistische Leistungen vor der Kamera

Wissenswertes über die Aktivitäten im Logistikzentrum erfahren die Zuschauer, während die Kamera die logistischen Leistungen der Gabelstaplerfahrer einfängt. 300 Abnehmer geben telefonisch ihre Wünsche bei der Gartenbauzentrale auf. Die gehandelte Ware wird über mehr als 60 Verladerampen abgewickelt.

Zu den 180 Mitarbeitern der GBZ gehören auch die Qualitätskontrolleure. In einem simulierten „Einzelhandel-Geschäftsraum“ werden Töpfe aus jeder verkauften Partie auf Qualität und Haltbarkeit eine Woche lang täglich kontrolliert.

Neben Basilikum baut Schulz auch noch Schnittlauch an. Eine aufwendige Kultur, wie der Zuschauer erfährt, denn Schnittlauch braucht über ein Jahr, bis er tatsächlich im Topf verkauft werden kann. Vorher muss er unter anderem wochenlange Minusgrade ertragen und eine Dusche in der Schnittlauchwaschanlage, die mit viel Druck Sand und Erde abwäscht. Aufgetaut und gewaschen ist der Schnittlauch dann rasch fertig und in vier bis fünf Tagen verkaufsfähig.

Kräuter im Fotostudio

Kuriose Kräuter nennen die Fernsehmacher Cola-Kraut, Ananassalbei, Lakritz-Tagetes und Co. im Betrieb von Gerlinde Vogel. Im Gespräch mit GBZ-Verkaufsmanager Theobert von Krüchten spricht sie über die Vielfalt in ihrem Kräuter-Sortiment und über Vermarktungsmöglichkeiten. Ein Besuch im GBZ-Fotostudio zeigt, wie Kräuter von ihrer besten Seite auf das Foto gebannt werden. Die Bilder mit frischen Kräutertöpfen stellt die Gartenbauzentrale für Prospekte und Angebotsflyer den Kunden im Handel zur Verfügung.

20 Papenburger Betriebe kultivieren Fruchtgemüse wie Gurken und Tomaten. 35 Millionen Gurken wachsen alleine in Papenburg im Jahr. Stellvertretend besuchte das NDR-Team die Brüder Thomas und Ralf Albers. Thomas Albers erzählt über seine Gurkenkultur. Zwar von Hand geerntet, werden die grünen Früchte seit kurzem per Computersteuerung verpackt. 100.000 bis 120.000 Stück können so pro Tag vermarket werden.

Einsatz von Nützlingen im Bio-Betrieb

Ralf Albers zeigt seine Tomatenkultur und spricht über Sortenunterschiede, Kulturführung und Pflückleistung. Auch das Thema Schädlingsbekämpfung kommt zur Sprache. Gemüsebau-Beraterin Anja Hildebrands lässt den Zuschauer an einem Gespräch über den Einsatz von Nützlingen mit Hedwig Brelage in ihrem Bio-Betrieb teilhaben.

Das Geschäft mit den Kräutern steht niemals still, so das Resümee der Filmemacher am Ende des Besuches in der Gartenbauzentrale.

Mehr zum „Imperium der Küchenkräuter“ sowie ein Interview mit GBZ-Vertriebsleiter Andreas Brinker lesen Sie in der TASPO 16/2018, die am 20. April erschienen ist.