Gebietseigene Gehölze: erste Produzenten neu zertifiziert

Veröffentlichungsdatum: , Lorenz Wieland

Bestand gebietseigener Mehlbeeren. Die Aufnahme entstand vor der Möglichkeit der DAkkS-konformen Zertifizierung. Foto: EAB

Nachdem vor knapp einem Jahr zwei Zertifizierer ihre DAkkS-Akkreditierung nach dem Fachmodul gebietseigene Gehölze erhalten haben, gibt es nun die ersten Baumschulen, die von ihnen neu zertifiziert wurden.

Prüfkriterien für gebietseigene Gehölze vor zwei Jahren verschärft

Vor zwei Jahren hat das Bundesumweltministerium (BMU) die Prüfkriterien für gebietseigene Gehölze verschärft und das „Fachmodul gebietseigene Gehölze“ mit der Forderung entwickelt, dass sich danach die Zertifizierer von Produzenten gebietseigener Gehölze bei der Deutschen Akkreditierungsstelle (DAkkS) akkreditieren lassen. Eine entsprechende DAkkS-Akkreditierung erreichten dann vor rund einem Jahr die Zertifizierungsunternehmen SGS-International Certification Services und Zertifizierung Bau. Wie die TASPO von der DAkkS erfuhr, sind dort weiterhin nur die zwei genannten Stellen nach dem „Fachmodul gebietseigene Gehölze“ akkreditiert. Die dritte Stelle, die erst noch dabei war, DIN Certco aus Berlin, teilt mit, dass sie das „Akkreditierungsverfahren aufgegeben haben“.

Der Zertifizierer SGS hat, so berichtet dieser, im Laufe des Jahres bereits die ersten zehn Betriebe erfolgreich zertifizieren können. Aktuell befinden sich mehr als doppelt so viele weitere Betriebe im Zertifizierungsprozess. Darunter sind aktuell noch keine Erzeugergemeinschaften. Bisher konnten alle durch SGS auditierten Betriebe auch eine Zertifizierung erreichen, heißt es weiter. Bei Interesse unterstütze man die Betriebe gern, ihre erfolgreiche Zertifizierung auch für die Kommunikation zu nutzen.

ZgG: Nachfrage an gebietseigenen Gehölzen momentan nicht zu decken

Die Zertifizierungsgemeinschaft gebietseigener Gehölze (ZgG) ist ein Zusammenschluss von knapp 90 Baumschulen, deren Geschäftsstelle seit der DAkkS-Akkreditierung der Zertifizierungsstellen SGS und Zertifizierung Bau nur noch beratend tätig ist. Wie sie mitteilt, war es eine ZgG-Baumschule, die im Beisein der DAkkS das bundesweit erste Audit nach den Vorgaben des BMU-Fachmoduls erfolgreich absolvierte. Mittlerweile hätten weitere ZgG-Teilnehmer bei den Audits mitgemacht und gezeigt, dass sie alle Prüfkriterien erfüllen. Mit Vorlage des aktuellen Zertifikats könnten sie bundesweit an allen Ausschreibungen gebietseigener Gehölze teilnehmen. Unterschiedliche Anforderungen in den Bundesländern würden nun nachweislich erfüllt. Auch bisherige niederländische ZgG-Teilnehmer haben laut Geschäftsstelle die Auditierung beantragt. Nach erster Einschätzung ist laut ZgG davon auszugehen, dass momentan die Nachfrage an gebietseigenen Gehölzen nicht gedeckt werden kann, was voraussichtlich zu deutlich höheren Angebotspreisen führen werde.

18 Mitglieder der EAB für Zertifizierung angemeldet

Laut Christoph Zirnbauer von der Erzeugergemeinschaft für Autochthone Baumschulerzeugnisse in Süddeutschland (EAB) haben sich 18 Mitglieder für die Zertifizierung bei der Zert-BAU angemeldet und ihre Audits hätten begonnen. Nachdem das System EAB bereits in der Vergangenheit alle Mindeststandards des Leitfadens für die Erzeugung gebietseigener Gehölze erfüllt und darüber hinaus eine, so Zirnbauer, „einzigartige Produktzertifizierung“ praktiziert habe, seien die ersten Audits erwartungsgemäß positiv ausgefallen. Die Audits in der EAB sollen zum großen Teil noch dieses Jahr abgeschlossen werden. Zudem habe sich auch die EAB-Geschäftsstelle als systemrelevanter Baustein einer lückenlosen Zertifizierung zu einer zusätzlichen Prüfung angemeldet. Gerade habe das Audit stattgefunden und habe ebenfalls eine positive Empfehlung zur Zertifikatserteilung ergeben. Systemrelevant sei die Erzeugerorganisation, da sie federführend die Organisation der gesamten Saatguternte, deren Aufbereitung und -verteilung, die Anzucht der Jungpflanzen sowie deren Verteilung an die Mitglieder übernimmt.

ESB strebt DAkkS-konforme Zertifizierung an

Die Erzeugergemeinschaft für gebietseigene Baumschulerzeugnisse in Nord-Westdeutschland (ESB) strebt laut ihrem Vorsitzenden Bernd Schrader eine DAkkS-konforme Zertifizierung durch Zertifizierung Bau nach dem „Fachmodul gebietseigene Gehölze“ an. Die ESB wird voraussichtlich ab Januar zertifiziert sein. Sie lässt sich dabei als Ganzes zertifizieren. Denn neben der Zertifizierung als Einzelbetrieb ist auch eine Zertifizierung als Erzeugerorganisation in der Systematik der DAkkS möglich. Dies bietet den Vorteil, dass von der Beerntung bis zum Verkauf der verschulten Pflanzen alle Prozesse aus einer Hand den geforderten Vorgaben entsprechen. Die Zertifizierung ist aus seiner Sicht die beste Möglichkeit, der abnehmenden Hand endlich einheitliche Standards und hohe Herkunftssicherheit zu bieten.