Grüne Branche

Gedenken auf Schottisch

Ein Hund der mehr als ein Jahrzehnt am Grab seines Herrchens wachte und weitere erstaunliche Geschichten erfuhr Liebgard Jennerich beim Besuch zweier Friedhöfe in der schottischen Hauptstadt.

Eine Holztafel am Eingang zum Old Calton Cemetery erinnert an die verstorbenen Prominenten des Friedhofs. Foto: Jennerich

Edinburgh, die zweitgrößte Stadt Schottlands, ist immer eine Reise wert. Selbstverständlich gehört das Schloss Edinburgh Castle, das trutzig über der Stadt thront, und die lebhafte Royal Mile in der historischen Altstadt zu den Sehenswürdigkeiten, auch der Calton Hill mit dem Trafalgar Monument, der alte Stadtgraben und die St. Giles-Kathedrale im Zentrum.

Die Geschichte und auch die Kulisse der Stadt bieten sich geradezu an für Gruselgeschichten. Und so ist der Gespenstertourismus dort inzwischen gut organisiert, es gibt geführte Touren durch die aus dem Mittelalter stammenden und inzwischen wiederentdeckten unterirdischen Labyrinthe. Zu den gruseligsten soll das „Edinburgh Vaults“ gehören, ein Gewirr von Kellern und Gewölben, in denen es mächtig spuken soll. Die plastischen Erzählungen über die vielen Toten und Untoten zu später Abendstunde jagen einem einen Schauer nach dem anderen über den Rücken. Und immer schön darauf achten, dass man nicht der Letzte in der Gruppe ist…

Old Calton Cemetery

Natürlich sind auch die Friedhöfe in die Geistertouren mit einbezogen. Die Schotten verstehen es, Atmosphäre zu erzeugen, nichts für schwache Nerven also. Schwangere sollten ausdrücklich von einer Teilnahme Abstand nehmen. Wer es sowieso nicht so gruselig mag oder keine Zeit für Nachtausflüge hat, kann die geschichtsträchtigen Friedhöfe Edinburghs auch bei Tag besuchen, beispielsweise den Old Calton Burial Ground, auch Old Calton Cemetery genannt. Er liegt am Fuße des Calton Hill, nordöstlich des Stadtzentrums am Waterloo Place. Der Bau dieses Platzes teilt den bereits 1718 eröffneten Friedhof seit 1819 in zwei Teile. Im Zuge der Bauarbeiten wurden viele Gräber sorgfältig umgebettet. Lesen Sie mehr dazu in der Juni-Ausgabe der Friedhofskultur ab Seite 38.