Grüne Branche

Gefährliche Abgase: Gartengeräte im TÜV-Test

Handelsübliche Motorkettensägen und Freischneider soßen zum Teil gesundheitsgefährdende Abgase aus. Das ist das Ergebnis einer Untersuchung, die der TÜV Nord im Auftrag der Deutschen Umwelthilfe (DUH) durchgeführt hat. Getestet wurden insgesamt elf in Baumärkten, Fachgeschäften sowie im Online-Handel gekaufte Gartengeräte. 

Im Test: Motorkettensägen und Freischneider, die unter anderem in Baumärkten vertrieben werden. Foto: DUH

Geräte im Test überschritten Emissionsgrenzwerte zum Teil erheblich

Sechs der mobilen, handgeführten Geräte im Test wiesen dabei zum Teil erhebliche Überschreitungen der Emissionsgrenzwerte für Kohlenmonoxid, Kohlenwasserstoffe und Stickoxide auf.

„Dass Motorsensen und -sägen, die nicht den gesetzlichen Bestimmungen entsprechen und durch ihre viel zu hohen Schadstoffemissionen die Gesundheit der Nutzer schädigen, weiter verkauft werden, ist ein Skandal“, sagt DUH-Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch.

DUH fordert, beanstandete Geräte vom Markt zu nehmen

Als Konsequenz fordert die Umwelt- und Verbraucherschutzorganisation, dass die betroffenen Hersteller und Händler die beanstandeten Geräte vom Markt nehmen und künftig auf die Einhaltung der Schadstoffgrenzwerte achten. Bereits im vergangenen Jahr hatte die DUH einen Abgastest für Gartengeräte in Auftrag gegeben und damit in der Baumarktbranche für Wirbel gesorgt.

Auf den Prüfstand gestellt wurden in diesem Jahr insgesamt sieben Motorsensen und Freischneider der Marken Timbertech (Jago), Ikra, Einhell, Stihl, Al-Ko, Husqvarna und Dolmar und vier Motorkettensägen der Marken Lux-Tools und CMI (beide Euromate), Güde und Fuxtec.

Geräte überschreiten Emissionsgrenzwerte um bis zu 400 Prozent

Dabei stellte der TÜV Nord bei dem Gerät der Marke Timbertech (Jago AG) eine Überschreitung des europaweit geltenden Grenzwerts für Kohlenwasserstoff und Stickoxid um 400 Prozent fest. Die Geräte von Euromate wiesen Überschreitungen des Grenzwerts um 120 Prozent (Lux-Tools) und um 70 Prozent (CMI) auf.

Hohe Überschreitungen wurden außerdem bei dem Freischneider der Marke Ikra (Überschreitung um 50 Prozent) und bei der Motorkettensäge von Güde (Überschreitung um 85 Prozent) gemessen.

Die Geräte der Marken Stihl, Al-Ko, Husqvarna, Dolmar und Fuxtec hielten die Emissionsgrenzwerte ein, drei der gemessenen Gartengeräte unterschritten die Grenzwerte erfreulicherweise sogar um mehr als 25 Prozent.

Einige Geräte bereits 2013 im Test durchgefallen

Ikra, Güde, Einhell und Euromate waren mit anderen Maschinen bereits 2013 bei einem Test durchgefallen, informiert die DUH. Daraufhin hatte die Baumarktkette toom vor mehreren Monaten entsprechende Produkte bundesweit aus dem Angebot genommen.

Obi habe trotz diverser Warnhinweise der DUH eine der Motorsägen mit gesundheitsschädlichen Abgasemissionen als Aktionsprodukt beworben und erst auf Druck der DUH und einzelner Landesbehörden zwei der von der Obi-Tochter Euromate hergestellten Motorsägen aus dem Verkehr gezogen. Die Versandhandelskette Amazon hingegen führt die Maschinen weiterhin im Sortiment, so die DUH.

„Verbraucher können nicht erkennen, ob ein Produkt die gesetzlichen Vorgaben erfüllt. Vielmehr vertrauen sie darauf, dass in Deutschland vertriebene Produkte dies tun. Unternehmen, die gegen die Emissionsvorschriften verstoßen, täuschen Verbraucher. In ihrem Interesse setzen wir die Vorschriften notfalls auf dem Rechtsweg durch“, macht Agnes Sauter, Leiterin Verbraucherschutz der DUH deutlich.

DUH: Marktüberwachung deutlich verbessern

Wie Sauter betont, müsse die Marktüberwachung deutlich verbessert werden. Es dürfe nicht im Ermessen der Händler liegen, ob die Geräte trotz Grenzwertüberschreitungen an Heimwerker und Hobbygärtner verkauft werden. Die DUH fordert deshalb verbindliche Vorgaben für die Marktüberwachung und die Anpassung der Grenzwerte an den Stand der Technik und den notwendigen Gesundheitsschutz. (ts)