Grüne Branche

Gefährliche Eichenprozessionsspinner mit Hubschrauber bekämpft

Ekzeme bis Atemnot sind einige der allergischen Reaktionen, die die Härchen an den Raupen des zur Massenvermehrung neigenden Eichenprozessionsspinners (Thaumetopea processionea) auslösen können. Diese Giftharpunen können leicht abbrechen, sich über die Luft verbreiten und wirken nicht nur über die eigentliche Raupe, die von Mai bis Juli auftritt. Sie können auch von Häutungsresten ausgehen, nachdem sich die Raupe längst verpuppt hat. Die Vermeidung solcher Gesundheitsgefahren waren der Grund, warum in diesem Jahr um Pfingsten vor allem im Südwesten aber auch weiter nördlich in Frankfurt am Main oder auch in Brandenburg Bekämpfungsmaßnahmen ergriffen wurden. Bevorzugt kam diesmal der Helikopter zum Einsatz. Und fast ausschließlich wurde das Bacillus thuringensis-Präparat Dimel DS versprüht. Ziel war, die Raupen bis zum zweiten Larvenstadium (insgesamt fünf Häutungen) zu erwischen. Denn erst danach bilden sich die Härchen aus. Das Zeitfenster ab Entwicklungsbeginn der Raupen mit dem Laubaustrieb der Eichen bis zum ersten behaarten Stadium ist also knapp. Bei einer Bekämpfung vom Boden sind besondere Schutzanzüge erforderlich, die nach Informationen des Julius Kühn-Institutes (JKI) im vergangenen Jahr wegen großer Nachfrage ausverkauft waren. Die Raupen schädigen auch die Eichen, von deren Laub sie sich ernähren. Doch dies hätte als alleiniger Grund nicht ausgereicht, Hubschrauberflüge zu rechtfertigen, heißt es beispielsweise vom Grünflächenamt in Frankfurt am Main. Gedrängt habe das Gesundheitsamt der Stadt, diese "Hygienemaßnahme" gegen die Raupen, die sich um Frankfurt stark vermehrt hätten, vorzunehmen. Im Südwesten hat sich der Schädling ebenfalls deutlich ausgebreitet und in seinen Reproduktionsraten zugelegt, erläutert Dr. Horst Delb von der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA, Freiburg), wo die Populationsentwicklung des -Eichenprozessionsspinners genau beobachtet wird. Er kommt nun auch verstärkt außerhalb von Weinbaugebieten vor. Rund 1.200 Hektar Eichenbestände vor allem in Wäldern und angrenzenden Bereichen wurden bis Pfingsten von der Forstverwaltung in den gefährdeten Regionen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz behandelt und währenddessen abgesperrt, schätzt er. Zusätzliche Maßnahmen durch Kommunen und Baumpfleger seien dabei nicht eingerechnet. Rund 150mal sei bis Pfingsten der Hubschrauber aufgestiegen. Die behandelte Fläche sei knapp doppelt so groß wie vor zwei Jahren, als zum letzen Mal gesprüht wurde. Erfolgt seien diese Bekämpfungsmaßnahmen der Forstverwaltung ausschließlich per Helikopter und nur mit dem im Forstbereich zugelassenen Bacillus thuringensis-Präparat Dimel DS, so Delb. Dieses Präparat wirkt weitgehend selektiv, ist für Menschen unbedenklich und auch für die Ökologie wenig schädlich, informiert die FVA ausführlich in einer "Waldschutz-Info" zum Thema (www.fva-bw.de/publikationen/wsinfo/ wsinfo20081_bt.pdf), die häufig gestellte Fragen beantwortet und die "Diskussion über diesen Insektizideinsatz versachlichen" soll.

In Frankfurt am Main kreiste am 8. und 9. Mai der Hubschrauber über dem rund 500 Hektar großen Stadtwald, um das Mittel zu versprühen. In der Stadt war zudem laut Grünflächenamt ein Fahrzeug mit Sprühlanze unterwegs, um besonders Eichen an Orten, an denen sich Menschen bevorzugt aufhalten, und besonders an Schulen und Kindergärten zu behandeln. Für Brandenburg berichtete die Märkische Allgemeine über entsprechende Lufteinsätze in den Gemarkungen Gränben, Görzke, Lühnsdorf und Rädigke in der brandenburgischen Region Belzig. Geflogen wurde dort über 132 Hektar.