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Geflüchtete im GaLaBau: „Schnell positive Erfahrungen gemacht“

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Es gibt sie schon länger: Willkommenslotsen, die Betriebe bei der Suche und Integration von Geflüchteten unterstützen. Dass das ein durchaus sinnvoller Weg ist, zeigen Beispiele wie das des Göppinger Betriebs Jeutter Garten- und Landschaftsbau, der die beiden Geflüchteten Hamed Azimi und Aman Moradi aus Afghanistan als Azubis beschäftigt. Geschäftsführer Johannes M. Jeutter berichtet von seinen Erfahrungen.

Johannes M. Jeutter (r.) mit Aman Moradi. Der Geflüchtete aus Afghanistan macht bei dem Göppinger GaLaBau-Betrieb Jeutter eine Ausbildung zum Landschaftsgärtner. Foto: Jeutter

In welchen Bereichen wurden Sie vom Willkommenslotsen unterstützt, wie sah die Zusammenarbeit aus?

Wir hatten zum ersten Mal Kontakt mit Geflüchteten über die Agentur für Arbeit. Diese beziehungsweise eine für die Agentur arbeitende Bildungseinrichtung hat nach Praktikantenstellen gefragt. Da wir für Praktika immer offen sind und wir für Geflüchtete etwas tun wollten, haben wir gleich zugesagt.

Mit den Geflüchteten haben wir schnell positive Erfahrungen in Bezug auf Pünktlichkeit, Arbeitseifer und Durchhaltevermögen bei der körperlichen Arbeit gemacht. Allerdings gab es da für uns immer wieder starke Unwägbarkeiten in der Verwaltungsebene. Wir Deutschen sind spitze in administrativen Dingen, und auch bei der „Verwaltung“ von Geflüchteten und deren Belangen sind so viele Dinge, notwendig oder nicht, zu berücksichtigen.

Unser Verband Garten- Landschafts- und Sportplatzbau Baden-Württemberg ist ein sehr reger und aufgeschlossener Verband. Das hat sich auch darin gezeigt, dass er als einer der ersten in Deutschland einen Willkommenslotsen eingestellt hat.

Wenn dieser Lotse, in diesem Fall Andreas Haupert, sich dann noch als kompetent, erfahren im Umgang mit Behörden und immer ansprechbar zeigt, ist dies ein Glücksfall. Herr Haupert hat uns bei allen Fragen und Problemen unterstützt. Er hat Hilfestellungen gegeben bei Behördengängen, bei Gesprächen mit Geflüchteten. Er hat uns bei rechtlichen Fragen beraten und unterstützt, wenn wir mal nicht weiter wussten.

Warum würden Sie anderen Betrieben empfehlen, ebenfalls auf diese Form der Unterstützung zu setzen?

Um einfach Zeit zu sparen und auf die Erfahrungswerte eines seriösen Partners zurückgreifen zu können. Sie erhalten Hilfe und können bei Schwierigkeiten auf die Erfahrung des Lotsen bauen.

Der Lotse unterstützt nicht nur uns, die Betriebe, er kann auch in der Politik ein Sprachrohr sein  – Sprachrohr und Lobbyist unserer Ziele auf dem Arbeitsmarkt. Ich kann nur allen empfehlen die Beratung, die Kompetenz und die Vernetzung des Lotsen in Anspruch zu nehmen.

Wer sind die Willkommenslotsen und -lotsinnen?

Rund 170 sogenannte Willkommenslotsen unterstützen seit dem Frühjahr 2016 Unternehmen bei der Besetzung von offenen Ausbildungs- und Arbeitsstellen mit Geflüchteten. Die Willkommenslotsen unterstützen bei allen Fragen rund um die Arbeitsmarktintegration von Menschen mit Fluchthintergrund. Sie sind an über 110 Handwerkskammern, Industrie- und Handelskammern, Kammern der freien Berufe sowie weiteren Organisationen der Wirtschaft angesiedelt und so direkt vor Ort erreichbar.

Finanziert werden die Willkommenslotsen zum größten Teil (70 Prozent) durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie aufgrund eines Beschlusses des deutschen Bundestags.

Welche Form der Unterstützung erhalten Betriebe?

  • Vorauswahl passender Kandidatinnen und Kandidaten aus dem Kreis der Geflüchteten
  • Unterstützung bei der Besetzung von offenen Stellen
  • Beratung zu Aufenthaltsstatus und rechtlichen Rahmenbedingungen der Arbeitsmarkt-Integration von Menschen mit Fluchthintergrund
  • Hilfe beim Überwinden bürokratischer Hürden und der Kommunikation mit Behörden
  • Beratung zu regionalen und nationalen Förder- und Unterstützungsinstrumenten
  • Vermittlung von Kontakten zu relevanten regionalen Institutionen, Organisationen und Projekten, die beim weiteren Spracherwerb und während der Ausbildung unterstützen
  • Unterstützung bei der Sicherung der Nachhaltigkeit der Integration in Ausbildung und Arbeit, zum Beispiel beim Aufbau einer Willkommenskultur im Betrieb