Grüne Branche

Gehölze: Mehr Mut im gehobenen Pflanzensegment

Bernhard Schmidt, einer der Geschäftsführer der Baumschule Bruns in Bad Zwischenahn, plädiert für mehr Mut im gehobenen Pflanzensortiment: "Es gibt viel mehr gut situierte Gartenbesitzer als man annimmt. Diese Klientel wäre durchaus bereit, für etwas Besonderes, Individuelles viel Geld auszugeben - aber es wird ihnen oft nicht angeboten! Der Verkauf weiß oft nicht, was es alles gibt, oder traut sich nicht, selbstsicher hochpreisige Ausstattungselemente für den Garten, wie zum Beispiel Formgehölze, anzubieten." Bei der Präsentation bietet es sich an, eine große Schaupflanze als Blickfang zu nehmen und die kleineren Verkaufspflanzen darum herum zu gruppieren, gemäß dem Merkspruch "groß verkauft klein". Vom Sortiment her eignen sich sowohl strenge geometrische Formen wie Kugeln und Säulen von Buxus und Taxus, als auch Groß-Bonsai-Formen von Kiefern, Ilex crenata, Carpinus, Fagus, Acer campestre, Euonymus alatus und Cornus mas. Außerdem sind Fertighecken sehr stark im Kommen, die es sowohl in Form von Jungware am laufenden Meter gibt als auch als Solitärgehölz, bei dem eine einzelne Pflanze einen Meter breit und einen halben Meter tief gezogen wurde. Wichtig ist, Formgehölze und ungeschnittene Gehölze getrennt aufzustellen, sonst wird die unterschiedliche Wertigkeit nicht klar genug und der Kunde entscheidet sich schlicht für die billigere Variante, weil er meint, die Schnitterziehung selbst machen zu können. Wenn er dagegen in einer eigenen Abteilung, die wertvoller und aufwändiger gestaltet wurde, sehen kann, wie toll so ein Formgehölz wirken kann, wird er viel eher zu einer größeren Ausgabe bereit sein. Der ungeduldige Kunde von heute möchte nicht mehr Jahre warten, bis das Gehölz beeindruckend aussieht, er will das fertige Endprodukt gleich nach der Pflanzung in seinem Garten bewundern können! Diese Möglichkeit gibt es, man muss sie ihm nur eindrucksvoll präsentieren. Dazu ist es wichtig, dass die Einzelpflanze wirken kann, also keinesfalls wie bei ungeschnittenen Gehölzen im Verband aufstellen! Der Kunde kauft in der Regel nur, was er direkt im Verkauf stehen sieht. Beim Einkauf sollte auf gute Qualitäten geachtet werden. Billigangebote betreffen zum Teil nicht verpflanzte Ware, also überständige Gehölze, die im Quartier zu groß und dicht wurden und durch einen Formschnitt statt Verpflanzen wieder in den "richtigen" Abstand gebracht wurden. Solche Pflanzen machen aufgrund des mangelhaften Wurzelwerks beim Endkunden Probleme, wachsen nicht weiter, zeigen gelbe Blätter oder Trockenschäden, gehen im schlimmsten Fall ein. Qualitätsunterschiede beim Einkauf zeigen sich auch darin, ob die Formgehölze frisch angeschnitten sind oder mindestens drei, besser vier bis fünf Jahre geformt wurden. Man erkennt dies an den neuen Schnittflächen und Luftlöchern in der Form. Reife Formgehölze sind in sich geschlossen und zeichnen sich durch dichten Wuchs aus.