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Gehölze: Trend geht zu Naschobst und Selbstversorgung

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Wildobst, Beeren oder Klassiker wie Äpfel, Birnen und Kirschen: Durch die Auswirkungen der Corona-Pandemie haben die ohnehin schon im Trend liegenden Obstgehölze noch einmal zusätzlichen Aufwind erhalten. Verändert hat sich dabei die Zielgruppe, wie viele Baumschulen derzeit beobachten.

Zwergobst für Balkon und Terrasse hat sich vom Nischen- zum Trendprodukt entwickelt. Angeboten wird neben Beerenobst das gesamte klassische Obstsortiment. Foto: Diderk Heinje Baumschulen

Jüngere Garten- und Balkonbesitzer greifen vermehrt zu Obstbäumen

„Es ist nicht mehr nur die ältere Generation, die sich für die Selbstversorgung interessiert, sondern vor allem die jüngeren Garten- und Balkonbesitzer greifen dieses Jahr vermehrt zu Obstbäumen“, hat beispielsweise Dirk Clasen, Geschäftsführer der Johannes Clasen Obstbaumschule in Rellingen, festgestellt. Der Betrieb bietet unter anderem unter der Marke Vampira Neuzüchtungen von Apfel, Nektarine oder Pfirsich mit auffällig rotem Fruchtfleisch an, die sich ideal als Naschobst direkt vom Baum eignen. Gefragt seien aber auch besondere Obstgattungen wie die schwarzfrüchtige Maulbeere.

Ebenfalls großer Beliebtheit erfreuen sich Beerensträucher, deren Absatz in diesem Jahr durch den Wunsch vieler Verbraucher zur Selbstversorgung gestiegen ist. Laut Jana Kurniawan von Green Contor liegen hier unter anderem Topfhimbeeren und großfruchtige Blaubeeren vorne. Mit seinen unter der Marke Landgefühl verkauften Beerensträuchern versucht der Händler aus dem Ammerland eine Brücke zwischen Nutz- und Wohlfühlgarten zu schlagen. „Landgefühl verspricht die ländliche Ruhe und Besinnung, die uns momentan sehnsüchtig fehlt. Es schafft nicht nur Selbstversorgung, sondern befriedigt auch den Wunsch des Verbrauchers nach Nachhaltigkeit und guter Herkunft“, so Kurniawan.

Zwergobst für Balkon und Terrasse etabliert sich immer stärker im Handel

Die Baumschule Steiner aus Österreich hat dagegen gute Erfahrungen mit der zweimal tragenden Kulturheidelbeere ‘Hortblue Petite’ gemacht. „Waldheidelbeeren und die mehrmals fruchtende ‘Hortblue Petite’ liefen sehr gut dieses Frühjahr. Ein Trend zum Naschobst und zur Selbstversorgung ist klar erkennbar“, resümiert Inhaber Herman Steiner, der seine Baumschule aufgrund der großen Nachfrage 2013 auf Bio-Produktion umgestellt hat.

Immer stärker etabliert sich im Gartenfachhandel sogenanntes Zwergobst für Balkon und Terrasse. Die Diderk Heinje Baumschulen aus Edewecht haben in diesem Segment unter anderem die balkongeeigneten Beerenpflanzen der Marke Lucky Berry im Angebot. Ihr Beiname „Vier-Monats-Früchte“ weist darauf hin, dass es sich hierbei um besonders ertragreiche Sorten handelt, die von Juni bis September blühen und Früchte tragen. „Die Lucky Berry Erdbeeren erfreuen sich in diesem Frühjahr einem sehr starken Absatz. Aber auch die Lucky Berry Blau- und Himbeeren erfreuen sich großer Beliebtheit und weisen ebenfalls einen steigenden Absatz auf. Für den Balkon und die Terrasse müssen die Beeren besonders kompakt wachsen und das erfüllen die Lucky Berry Pflanzen allesamt“, führt Geschäftsführer Sebastian Heinje dazu aus.

Steigende Nachfrage auch bei Wildobst

Eine größere Nachfrage weist in diesem Jahr auch Wildobst auf. Dazu gehören unter anderem Kornelkirschen (Cornus mas), die aus Sibirien stammende Honigbeere (Lonicera kamtschatica) oder die Saskatoon Berry (Amelanchier alnifolia). Die kleinen violetten Früchte dieser Felsenbirne schmecken frisch vom Strauch und können schon ab Ende Juni geerntet werden, wie Jungpflanzen-Produzent Jens Meyer aus Apen erklärt. „Mit Wildobstgehölzen wie Saskatoon Berry greifen wir den aktuellen Gesundheitstrend auf und präsentieren mit einem frischen Konzept die Amelanchier alnifolia als attraktive Fruchtpflanze für den Endverbraucher“, so Meyer.

Eine vielfältige Auswahl an heimischem Wildobst und Beeren bietet das Vermarktungskonzept Wilde Küche, das Reiners Pflanzen aus Gristede in dieser Saison auf den Markt gebracht hat. Es greift das Thema Wildobst für die Küche auf und ist „von allen unseren Produktkonzepten das erfolgreichste“, wie Geschäftsführer Johann Reiners sagt. Mit den vitaminhaltigen und nährstoffreichen Früchten lassen sich Marmeladen, Gelees und Säfte herstellen, außerdem passen sie den Angaben zufolge zu Smoothies, Salaten und Fleischgerichten.  Darüber hinaus bieten die heimischen „Wilde Küche“-Gehölzarten Kleintieren wie Igeln, Vögeln und Insekten Schutz und Nahrung im Garten.

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