Grüne Branche

Gehölze werden knapp: Chance für Baumschulwirtschaft?

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Insgesamt weniger Betriebe bei gleichzeitig steigender Nachfrage: Laut dem Bund deutscher Baumschulen (BdB) werden Bäume und Gehölze aus heimischer Produktion derzeit knapp. BdB-Präsident Helmut Selders sieht darin allerdings eine große Chance für die deutsche Baumschulwirtschaft.

Gefragtes Produkt: qualitativ hochwertige Gehölze aus deutschen Baumschulen. Foto: Graf von Luckner/BdB

Knapper werdende Gehölze = stabilere Preise?

„Durch die Verknappung werden sich die Preise stabilisieren“, hofft der Vorsitzende des Baumschul-Bundesverbands, demzufolge die Preise für Gehölze in den vergangenen Jahren vielfach „nicht auskömmlich“ waren.

Für die sich derzeit abzeichnende Verknappung sieht der Bund deutscher Baumschulen gleich mehrere Ursachen. Zum einen steige dauerhaft die Nachfrage nach im Bundesgebiet kultivierten Gehölzen. Gleichzeitig geht jedoch deren Produktion zurück, da sich die Zahl der Betriebe in den vergangenen zwei Jahrzehnten kontinuierlich verringert habe. Lediglich 1.700 Baumschulen gab es laut Statistischem Bundesamt Ende 2017 noch in ganz Deutschland.

Hitzesommer und anhaltende Trockenheit halten viele Gehölze klein

Ein Übriges zu den aktuellen Engpässen – dem BdB zufolge ist der Bestand einiger Sortimente derzeit schon sehr eng, manche Gehölze seien momentan sogar überhaupt nicht mehr verfügbar – habe der vergangene Hitzesommer mit seinen langanhaltenden Trockenperioden beigetragen. Viele Gehölze aus dem Freiland hätten deshalb oft nicht die gewünschten Größen erreicht.

„Der Trend zur Knappheit wurde in den letzten drei Jahren schon sichtbar, durch den letzten Dürresommer wurde der Verlauf darüber hinaus verstärkt“, erklärt Bernhard von Ehren, BdB-Vizepräsident und geschäftsführender Gesellschafter der Hamburger Baumschule Lorenz von Ehren, dazu. Laut BdB wurden zwar neue Flächen, wo möglich, aufgeschult. Dennoch könne es bei einigen Gehölz-Sortimenten Jahre dauern, bis sie wieder in vollem Umfang verfügbar seien.

Selbst Standardpflanzen werden inzwischen rar

„In diesem Jahr werden die Baumschulen die meisten Pflanzen noch liefern können, doch sogar Standardpflanzen wie Hainbuche oder Feldahorn werden rar“, so von Ehren weiter. „Auch die europaweite Nachfrage nach deutschen Bäumen steigt und es zeichnet sich ab, dass die Baumschulen diese Nachfrage nicht mehr vollends bedienen können.“

Den Kunden zu sagen, dass die gewünschte Ware nicht lieferbar ist, sei zwar nicht immer angenehm, gibt Andreas Huben, BdB-Schatzmeister und Vorsitzender des Großhandelsausschusses, zu. Trotzdem sei die hohe Nachfrage nach deutschen Bäumen sehr positiv für die Baumschulen. „Zwar besteht momentan eine schwierigere Kalkulationsstabilität, doch schon im nächsten Jahr wird man wieder genauer kalkulieren können“, ist Huben zuversichtlich.

Alternativen zu nicht erhältlichen Gehölz-Sortimenten bieten

Als „Herausforderung, die aber gut zu meistern ist“ empfindet auch Oliver Fink, Vorsitzender des Verbands der GartenBaumschulen BdB, die aktuelle Gehölz-Knappheit. „Mit einer guten Fachberatung können wir den Kunden auch Alternativen zu den nicht erhältlichen Sortimenten bieten. Es erfordert zwar eine gewisse Flexibilität von den Kunden, aber in der Regel sind Sie mit unserem Angebot weiterhin sehr zufrieden“, so Finks Erfahrungen.