Grüne Branche

Gehölzschnitt und Naturschutz: Konsequenzen aus dem BNatSchG

In der Vergangenheit wurde die Baumpflege traditionell in den Wintermonaten durchgeführt. Untersuchungen über die Wundreaktionen von Bäumen ergaben jedoch, dass die Abschottung und Überwallung in der Vegetationsperiode am effektivsten ist. Daraus ergibt sich ein Zielkonflikt. Die folgenden Ausführungen und Empfehlungen basieren auf den Vorgaben des § 39 Abs. 5 des neuen Bundesnaturschutzgesetzes.

Die Tradition, Baumpflege in den Wintermonaten durchzuführen, hat viele Gründe. Unter anderem gibt es hier einen Zusammenhang mit dem Einschlag im Forst und der Brennholzerzeugung, die schon immer im Winter stattfand. Zum anderen gab es Aspekte des Naturschutzes, speziell des Vogelschutzes, warum man Schnittarbeiten an Bäumen generell in den Wintermonaten durchgeführt hat. Langjährige Untersuchungen über die Wundreaktionen von Bäumen ergaben jedoch, dass die Effektivität der Abschottung und Überwallung vor allem bei Laubbäumen stark vom Zeitpunkt der Verletzung abhängt.

Baumbiologische Grundlagen

Als Abwehrmechanismen im Holz nach Verletzung sind bei Laubbäumen vor allem die Bildung von Thyllen und akzessorischen Substanzen (zum Beispiel Phenole) zu nennen. Bei Nadelbäumen erfolgt die Abschottung vor allem durch Verschluss der Tüpfel sowie ein Verharzen der Wunde. Ausführliche Darstellungen zu diesen baumbiologischen Reaktionen finden sich unter anderem in dem Buch „Das CODIT-Prinzip“1.

Bei den Wundreaktionen bei Laubbäumen handelt es sich im Wesentlichen um die Reaktionen lebender Zellen (Parenchym), in denen die für die Schadensabwehr notwendigen Stoffe als Zucker (vor allem Saccharose sowie Glukose oder Fruktose) und Stärke gespeichert sind. Weiterhin werden verschiedene Eiweißverbindungen, Fette und Öle in diesen Zellen eingelagert. In Art, Menge und Mobilisierbarkeit unterliegen die Speicherstoffe einem ausgeprägten jahreszeitlichen Wechsel und beeinflussen somit in starkem Maße die Reaktionsmöglichkeiten von Bäumen nach Verletzung. Vor allem in der Vegetationszeit sind die Parenchymzellen hoch aktiv und können auf Verletzungen schnell reagieren. Weiterhin erfordert die Bildung von Abwehrstoffen, zum Beispiel Phenolen, ausreichend Wärme. Aus diesem Grund werden Verletzungen im Holzkörper in der Vegetationszeit engräumiger abgeschottet als im Winter. Bei allen Untersuchungen wurden die Wundreaktionen auch in Hinblick auf den Erfolg einer baumpflegerischen Maßnahme beurteilt: die Überwallungsintensität, die Bildung von Nekrosen am Wundrand sowie die Verfärbung des Holzes. Die relativen Unterschiede der einzelnen Parameter wurden folgendermaßen bewertet: Positiv für den Baum sind eine starke Überwallung, kleine Nekrosen am Wundrand und eine geringe Ausdehnung der Verfärbung. Letzteres ist gleichzusetzen mit einer effektiven Abschottung und mit einem kleineren potenziellen Besiedelungsraum für holzzerstörende Pilze.

Neben der Jahreszeit haben auch die Witterung beziehungsweise die Temperatur innerhalb des Winters Bedeutung. Wundreaktionen nach Verletzung vor oder während einer Frostperiode verlaufen offenbar weniger effektiv als nach Verletzung bei milder Witterung im gleichen Monat. Diese Abhängigkeiten sind je nach Baumart verschieden stark ausgeprägt. Unabhängig davon kann man jedoch feststellen, dass in der Winterruhe, und vor allem in den Monaten November und Dezember, die Wundreaktionen allgemein schwächer sind als zu anderen Zeiten. Effektive Reaktionen zeigen sich dagegen vor allem im Frühjahr und Sommer. Mehr dazu in der Juli-Ausgabe der Friedhofskultur ab Seite 14.