Grüne Branche

Gemeinschaftsgrabanlagen: 20 Jahre „Gladbecker Modell“

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Seit 20 Jahren wird in Gladbeck im nördlichen Ruhrgebiet eine Art „Vollservice-Beisetzung“ angeboten – lange bevor andernorts Gemeinschaftsgrabanlagen geschaffen wurden. Das „Gladbecker Modell“ wurde so gut angenommen, dass es heute die drei Friedhöfe in der Stadt prägt.

20 Jahre „Gladbecker Modell“: Blick auf mehrere Grabfelder, dazwischen die beeindruckende Sequoia-Allee. Foto: Therese Backhaus-Cysyk

Trend zur anonymen Bestattung droht Gladbecker Friedhöfe zu zerstören

Das „Gladbecker Modell“ entstand 1999 und hat mittlerweile auch andernorts Anklang gefunden, erklärt Bernhard Schregel, Fachbereichsleiter Grünflächenunterhaltung beim Zentralen Betriebshof Gladbeck (ZBG). Bundesweit lag damals der Anteil anonymer Bestattungen bei rund zehn Prozent, „bei uns bei 39 Prozent“, zeigt der Diplom-Ingenieur Landespflege auf.

Diese Entwicklung habe auf den drei kommunalen Gladbecker Friedhöfen – Mitte (dem größten mit kirchlichem Friedhof), Brauck und Rentfort – zu großen Bestattungswiesen geführt, die ohne Grabmale und Gräber den gewachsenen Friedhof zu zerstören drohten und auch den Ort der Trauer für Angehörige erschwerten.

Nutzung von bepflanztem Grab und einzelnem Grabmal

Damals suchte die Verwaltung Hilfe bei der Arbeitsgemeinschaft Friedhof und Denkmal (Arge FuD). Auf Empfehlung von Prof. Dr. Reiner Sörries (Kassel) kam der Kontakt zum Grabmalgestalter Bernd Foerster (Homberg/Efze) zustande, der mit der Arge FuD seine ersten Konzeptgrabmale auf der Bundesgartenschau Magdeburg 1999 präsentiert hatte. Mit Foerster erarbeitete die Friedhofsverwaltung in Gladbeck ein Gemeinschaftsgrab-Angebot, das die Nutzung vom bepflanzten Grab und einzelnem Grabmal verband, erklärt Schregel.

Rituale am Grab werden erlaubt, die Angehörigen können eine Kerze aufstellen, eine Pflanzschale mit 25 Zentimeter Durchmesser – dafür gibt es eigens Haltevorrichtungen – oder eine Steckvase verwenden. Von der Grabpflege wurde der Gladbecker Bürger entpflichtet.

Anfang 2000 konnten die ersten Grabmale montiert werden. Seitdem wurden bisher 38 verschiedene Grabsteinmodelle angeboten und aufgestellt und bisher über 6.000 Beisetzungen dieser Art – in Sarg oder Urne – von den Gladbecker Bürgern gewählt, erklärt Heinrich Vollmer, Betriebsleiter beim ZBG. Die Gräber werden als Reihengräber angelegt. Als Grabstein stehen jährlich zwei Modelle mit verschiedenen Materialien zur Wahl.

„Gladbecker Modell“ nach fünf Jahren am häufigsten gewählte Bestattungsart

Mit der Einführung der Gemeinschaftsgräber mit Grabmal gehörten die damaligen Sorgen der Vergangenheit an. Bereits nach fünf Jahren war das „Gladbecker Modell“ die am häufigsten gewählte Bestattungsart in Gladbeck. Zeitweise entschieden sich rund 50 Prozent der Angehörigen dafür. Mittlerweile, nachdem noch weitere pflegearme Bestattungsmöglichkeiten auf dem Friedhof Einzug gehalten haben, habe sich der Anteil bei 35 Prozent eingependelt.

Mehr zum erfolgreichen „Gladbecker Modell“ lesen Sie in der aktuellen Friedhofskultur 10/2019, die Sie im TASPO Online-Shop abrufen können.