Grüne Branche

Gemüse-Anbau unter Glas: Vorzeigeprojekt mit Bio-Kulturen geplant

, erstellt von

Der Gemüsebau-Betrieb Höfler, der in Nürnberg-Schnepfenreuth unter acht Hektar Glas und auf 25 Hektar Freiland Gemüse bislang nur konventionell anbaut, plant als zweites Standbein einen neuen Bio-Betrieb im mittelfränkischen Keidenzell. Wir sprachen mit Peter Höfler über das zukunftsgerichtete Gewächshaus-Konzept.

In Nürnberg-Schnepfenreuth bauen Sie bislang nur konventionell Gemüse an, am geplanten neuen Standort soll in Bio-Qualität produziert werden. Welche Überlegungen haben zu diesen Expansionsplänen geführt?

Das ist eine direkte Folge des Volksbegehrens (Rettet die Biene) in Bayern. Die darin formulierten und von der Politik aufgegriffenen Zielsetzungen, zum Beispiel 30 Prozent Bioanteil bis 2030, setzen wir hier in die Tat um. Darüber hinaus wollen wir unseren Betrieb bereits für die nächste Generation gut aufstellen. Eine möglichst nachhaltige und naturverträgliche Wirtschaftsweise ist uns im bestehenden konventionellen Gemüsebau-Betrieb ebenso ein Anliegen. Die gewachsenen Betriebsstrukturen machen eine Betriebsumstellung im laufenden Betrieb schwierig. Die Chance, bei einer Neuplanung biologisch zu produzieren, würden wir gerne nutzen.        

Das von Ihnen geplante Gewächshaus soll ein innovatives, zukunftsgerichtetes Vorzeigeprojekt werden und unter anderem CO2-neutral arbeiten. Wie genau sieht Ihr Konzept dafür aus?

Am geplanten Standort in Langenzenn-Keidenzell besteht bereits eine Kompostieranlage sowie eine Biogasanlage (AKG Agrar Kompost GmbH). Die Biogasanlage wird allerdings nicht mit nachwachsenden Rohstoffen betrieben, sondern mit Bioabfällen. Eine gegenüberliegende, zehn Hektar große Ackerfläche im Besitz der Firma AKG Agrar Kompost GmbH könnten wir erwerben und dort den Gemüsebau-Betrieb errichten. Geplant sind rund sechs Hektar Gewächshaus-Fläche, Aufbereitungshalle mit Büro, Wasserspeicher, Unterkünfte und Sozialräume. Die Firma AKG würde am Standort ein Biomassekraftwerk errichten, um die Siebüberläufe und holzigen Bestandteile aus der Kompostierung sowie zugekaufte Hackschnitzel zu verwerten.

Wir würden einen Großteil der Wärme abnehmen, zusätzlich wird die Energie des Biomassekraftwerks, vor allem in den wärmeren Monaten, zur Trocknung des anfallenden Gärproduktes (95 Prozent Wasseranteil) aus der Biogasanlage verwendet. Das Wasser aus der Trocknung soll zurückgewonnen und zur Bewässerung der Gemüse-Kulturen wiederverwendet werden. Gerne würden wir daraus ein gefördertes Pilotprojekt machen. Erste Gespräche mit einer renommierten Technischen Hochschule laufen bereits. Der Nährstoffkreislauf soll über die Kompostieranlage ebenfalls möglichst geschlossen bleiben. Ernterückstände könnten dort verwertet und Kompost in Bioqualität wieder bezogen werden.        

Sie haben sich für den Standort Keidenzell entschieden, um die von Ihnen beschriebenen Synergien zu nutzen. Gibt es Alternativen zu diesem Standort?

Nein, es gibt keine Alternativen, denn genau am Standort Keidenzell macht das Konzept Sinn!

Welche Vorteile hätte Ihr Gewächshaus-Projekt für Keidenzell und die Region?

Wir schaffen Arbeits- und Ausbildungsplätze und zahlen dort Steuern. Wir sorgen für eine nachhaltige und sichere Lebensmittel-Produktion zu höchsten Standards. Handel, Handwerk und Dienstleistung in der Region könnten daran ebenfalls partizipieren. Die Unterstützung von örtlichen Vereinen und Organisationen ist für uns ebenso eine Selbstverständlichkeit.

Regional und CO2-neutral produziertes Bio-Gemüse – damit werden aktuelle Anforderungen von Politik, Handel und Verbrauchern erfüllt. Warum, glauben Sie, sträuben sich die Bürger von Keidenzell dennoch gegen Ihr geplantes Gewächshaus-Projekt?

Eine Veränderung im nahen Umfeld sorgt erstmal oft für Angst und Verunsicherung. Ich denke, das Konzept an sich wird nicht in Frage gestellt, nur passt das Gewächshaus nach Meinung der Gegner eben nicht nach Keidenzell. Die Zerstörung des Landschaftsbildes wird als ein Hauptgrund dagegen vorgebracht. Im Zuge des Genehmigungsverfahrens muss ein landschaftspflegerischer Begleitplan erstellt werden, wir versuchen durch entsprechende Eingrünung entgegenzuwirken. Natürlich kann ein Gewächshaus nicht „versteckt“ werden und im Übrigen ist in der offiziellen Bewertung des Landschaftsbildes der Stadt Langenzenn die betreffende Fläche bereits jetzt unter geringer Wertigkeit eingestuft.          

Mitte Juni haben Sie die Bürger von Keidenzell in Ihren Betrieb in Schnepfenreuth eingeladen, um mit ihnen zu dem geplanten Neubau ins Gespräch zu kommen und auch auf die Bedenken der Anwohner einzugehen. Wie sieht Ihr persönliches Fazit dieses Termins aus?

Es war unbedingt notwendig – in Zeiten von Corona war das gar nicht so einfach – sich persönlich und das Vorhaben vorzustellen. Leider entstand keine konstruktive Zusammenarbeit. Änderungs- oder Verbesserungsvorschläge wurden nicht gemacht. Die Gegner lehnen das Projekt in Gänze ab.  

Wie zuversichtlich sind Sie, Ihr Gewächshaus in Keidenzell bauen zu können?

Relativ zuversichtlich, Baurecht besteht nach unserer Auffassung. Die Planungen laufen weiter.

Wie sieht Ihr Zeitplan für die Inbetriebnahme des neuen Gewächshauses aus, sobald Sie „grünes Licht“ für dessen Realisierung in Keidenzell erhalten?

Stand heute, möchten wir in 2023 die ersten Kulturen anpflanzen.

Cookie-Popup anzeigen