Grüne Branche

Gemüsebau in der Krise

Als Supergau für die Branche bezeichnet Paul Helle, Geschäftsführer des Gartenbauverbandes Nord, das Auftreten des EHEC-Erregers und die damit verbundene Epidemie, die besonders stark in den norddeutschen Bundesländern um sich greift. Das Verbrauchervertrauen sei verständlicherweise auf nahezu null gesunken. Dabei kritisiert Helle jedoch Kommunikationsfehler in der Öffentlichkeitarbeit, die aus Sicht der norddeutschen Betriebe noch zu einer Verschärfung der ohnehin schwierigen Lage führen.

Markus Söder (Mitte), Bayerns Umwelt und Gesundheitsminister, und Kitzingens Oberbürgermeister Siegfried Müller (links) verspeisten bei der Eröffnung der Kleinen Gartenschau in Kitzingen demonstrativ bayerische Tomaten. Wie der Präsident des Bayerischen Gärtnerei-Verbandes, Roland Albert, deutlich machte, kommen bayerische Tomaten und Gurken aus dem Gewächshaus, und dort werde der Hygiene alleine schon aus pflanzenbaulichen Gründen höchste Priorität eingeräumt.Foto: Hilmar Hopfengart

So habe das Robert-Koch-Institut anfänglich davon abgeraten, Gemüse aus Norddeutschland zu verzehren. Nachweislich aber handle es sich bei den kontaminierten Gurken, die als Quelle der Epidemie ermittelt wurden, um Importware. Die regionalen Erzeuger könnten mit dem Auftreten des Erregers nicht in Verbindung gebracht werden, wie laufende EHEC-Tests zeigen.

Infolge der EHEC-Welle sei der Gemüsemarkt in Norddeutschland nahezu zusammengebrochen, der Absatz besonders in den signifikanten Kulturen Tomate, Gurke und Blattsalat bis zu 95 Prozent rückläufig, andere Gemüsearten verzeichnen Einbußen bis zu 30 Prozent, da der Handel Bestellungen kurzfristig storniere und eine der Lebensmittelketten die Order derzeit gänzlich eingestellt habe.

Aus Verbrauchersicht erfolge kaum noch eine Differenzierung, so dass das scheinbare Gefährdungspotenzial auf das gesamte Gemüsesortiment übertragen werde. Lediglich auf den Wochenmärkten trage das Vertrauensverhältnis zwischen Händlern und Kunden zu etwas besseren Verkaufsergebnissen bei. Besonders jetzt im Frühjahr habe dies gravierende Auswirkungen auf die Einkommenssituation der Unternehmen.

Aus Sicht von Helle sind mehr als 100 Betriebe aus Landwirtschaft und Gartenbau im norddeutschen Raum betroffen. In dieser Situation sehe der Verband seinen Schwerpunkt in der Öffentlichkeitsarbeit. Nur gnadenlose Transparenz könne jetzt zur Klärung der Situation und der Rückgewinnung des Verbrauchervertrauens beitragen.

Jochen Winkhoff, Geschäftsführer der Bundesfachgruppe Gemüsebau im Zentralverband Gartenbau, teilte der TASPO gegenüber mit, dass mit dem Beginn der 22. Kalenderwoche auch der Gemüsemarkt im Südwesten stark rückläufig sei.

Der Zentralverband Gartenbau (ZVG) hat in Anbetracht der aktuellen Situation einen Krisenstab eingerichtet, ein sehr enges Kommunikationsnetzwerk aller Beteiligten. Die Gartenbau-Landesverbände seien gegenwärtig damit befasst, Betroffenheits-Erhebungen in den einzelnen Gemüsebauregionen zu erstellen.

Oberste Priorität habe jetzt eine transparente Öffentlichkeitsarbeit. Mit dazu gehört die Veröffentlichung der EHEC-Testergebnisse. So könnten die Analyseergebnisse der QS Qualität und Sicherheit GmbH aktuell für 231 Gemüsebauproduzenten eine Erreger-Freiheit belegen. Die Testergebnisse beziehen sich laut Winkhoff auf 197 deutsche, 26 spanische und vier niederländische Unternehmen. Weitere vier Tests wurden für andere Länder durchgeführt.

Die zunächst vor allem in Norddeutschland forcierten EHEC-Tests laufen Winkhoff zufolge jetzt auch in den süd- und mitteldeutschen Regionen an. (ks)