Gemüsebranche vor Herausforderungen

Veröffentlichungsdatum: , Sven Weschnowsky

Die AMI sieht auch in der Zukunft große Herausforderungen auf die Gemüsebranche zukommen. Foto: congerdesign/ Pixabay

Die Agrarmarkt Informations-Gesellschaft (AMI) hat das vergangene Jahr der Gemüsebranche Revue passieren lassen. Auch 2021 war Corona ein ständiger Begleiter und stellte Produzenten und Märkte vor große Herausforderungen, doch auch sonst war es kein einfaches Jahr für den Gemüsehandel.

Vielfältige Herausforderungen auf internationaler Ebene

Die Produzenten hatten neben der Corona-Pandemie vor allem mit Witterungsextremen zu kämpfen. Zu viel Niederschlag führte in vielen Teilen zu Ausfällen und Qualitätsverlusten, vor allem betroffen war hierbei der Salatanbau. Nicht nur in Deutschland sorgte die zu feuchte Witterung für Probleme, auch in den Niederlanden und Belgien kam es vielerorts zu Überschwemmungen. Ungewöhnlich viel Niederschlag wurde auch in Spanien und Italien verzeichnet. Im Mittelmeerraum hingegen führten Hitzewellen sogar zu großflächigen Bränden. Darüber hinaus sorgten neue Pflanzenkrankheiten für Herausforderungen, Transporte wurden teurer und auch die Kosten für Betriebsmittel und Verpackungen stiegen. Höhere Erzeugerpreise, um die Kostensteigerung aufzufangen, waren jedoch nur teilweise zu erzielen.

Im- und Export verhaltener als im Vorjahr

Nach Jahren des Wachstums zeigte der Außenhandel mit frischem Gemüse den AMI-Daten zufolge 2021 leichte Anzeichen der Schwäche. Nach Schätzungen wurden demnach rund 6 Prozent weniger Frischgemüse importiert als im Jahr zuvor. Hier können die eingeschränkte Verfügbarkeit von Frachtraum und Fahrern sowie steigende Transportkosten die Gründe sein. Doch auch beim Export von Gemüse wurde 2021 nicht das Niveau des Vorjahres erreicht. Hier schätzt AMI den Rückgang mit etwa 5 Prozent ein. Hier gebe es aber auch gravierende Unterschiede bei den einzelnen Gemüsesorten, so wurden Möhren und Kopfkohl in größeren Mengen exportiert, Zwiebeln erlitten beim Export aber einen Einbruch von 35 Prozent.

Unterschiedliche Entwicklungen bei einzelnen Gemüsesorten

Insgesamt konnten in Deutschland unterschiedliche Entwicklungen bei den einzelnen Gemüsesorten beobachtet werden. Laut AMI litten typische Frühgemüsearten unter den niedrigen Temperaturen im April und Mai, so dass die Bestände sich langsamer entwickelten und die Erträge unterdurchschnittlich ausfielen. Ein warmer Juni führte dann dazu, dass zahlreiche Anbausätze, die eigentlich für eine gestaffelte Ernte vorgesehen waren, zeitgleich zur Ernte kamen. Im Sommer kam es dann ab Juli zu starken Niederschlägen, vor allem im Süden, Westen und Osten Deutschlands. Hier kam es dann zu Verzögerungen bei der Pflanzung von Satzweise angebauten Kulturen. Die anhaltende Feuchtigkeit führte zudem zu erhöhtem Krankheitsdruck, insbesondere bei Salaten und feinem Kohlgemüse, so dass auch hier die Erträge niedriger als im Vorjahr ausfielen. Anders gestaltet sich die Situation bei den Herbst- und Lagergemüsearten. Hier werden gute und hohe Erträge erwartet, insbesondere bei Wurzelgemüse wie Rote Bete, Möhren und Sellerie, aber auch für Weiß- und Rotkohl.

Höhere Preise müssen bei Erzeugern ankommen

Auch im kommenden Jahr erwartet AMI vielfältige Herausforderungen für die Gemüsebranche, da Witterungsextreme bekanntlich zunehmen werden und im Vorfeld nicht absehbar seien. Doch auch hohe Preise für Energie, Produktionsmittel und Verpackungen verteuern Produktion und Transport. Es sei zudem noch nicht absehbar, ob sich der internationale Warenverkehr 2022 normalisieren werde. Die höheren Produktionskosten können nur aufgefangen werden, wenn sich höhere Preise nicht nur auf Verbraucherebene durchsetzen, sondern auch bei den Erzeugern ankommen.