Grüne Branche

Gentechnik-Petunien: Züchter unter Generalverdacht?

, erstellt von

Welche Kreise der Wirbel um die gentechnisch veränderten orangefarbenen Petuniensorten in Züchtung, Handel, Produktion und beim Endverbraucher ziehen wird, ist noch unklar. Selecta befürchtet, dass Züchter in der öffentlichen Meinung nun unter Generalverdacht stehen.

Inzwischen hat das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit Erlangen eine Liste mit bereits positiv getesteten Petuniensorten veröffentlicht. Foto: linkova / fotolia

Selecta: Es ist klar, dass die Branche einen Schaden erlitten hat

„Es ist klar, dass die Branche einen Schaden erlitten hat“, sagt ein Sprecher von Selecta auf Anfrage von TASPO Online. Die Ausmaße seien bisher allerdings noch nicht abzuschätzen.

„Leidtragende sind nicht nur Produzenten und Endverbraucher, sondern auch Züchter wie Selecta, die dadurch gewissermassen unter Generalverdacht gestellt wurden. Wir bedienen uns ausschliesslich konventioneller Züchtungsmethoden, das heißt Kreuzung und Selektion“, so der Unternehmenssprecher weiter.

Volmary und Dümmen Orange nehmen Stellung zu Gentechnik-Petunien

„Bei uns sind drei Sorten aus der Pegasus-Familie betroffen“, erklärte Volmary gegenüber der TASPO und betonte: „Volmary ist nicht der Züchter, wir haben die Pegasus-Sorten unter unserem Markennamen verkauft. Wir kooperieren wie alle Züchterhäuser jetzt mit den jeweiligen Behörden und hoffen auf eine schnelle Klarheit“. 

„Bei Dümmen Orange wurde die Sorte ‘Potunia Plus Papaya’ als gentechnisch verändert bestätigt“, erklärte ein Sprecher von Dümmen Orange gegenüber der TASPO. „Dass es überhaupt möglich war, dass gentechnisch veränderte Sorten bei orangefarbenen Petunien in den Markt gelangt sind, hat uns und die gesamte Branche sehr überrascht. Wir kooperieren sehr eng mit den Behörden in ganz Europa, um die Ursache schnell aufzuklären, damit wir daraus lernen und auch die notwendigen Rückschlüsse ziehen können. Wir sollten den gesamten Einführungsprozess von neuen Sorten auf den Prüfstand stellen, damit wir zukünftig sicherstellen können, dass sich so etwas nicht wiederholt.“, so das Unternehmen weiter.

Züchter, Produzenten, Händler: Wer zahlt Entschädigung?

Bleibt noch die Frage, wer wen entschädigen soll? Schließlich müssen die betreffenden Petuniensorten auf Anordnung vernichtet werden. Nicht zu vernachlässigende Verluste stehen im Raum. Vielleicht sollte der Staat die Züchter der Petuniensorten, Produzenten, Händler und Endverbraucher entschädigen. Oder wird es einen großen „Schuldigen“ in der Runde geben, der die gesamte Zeche zahlen muss?  

„Ihre Fragen kommen auch zu früh, denn die Auswirkungen des Vorfalls, einzuleitende Maßnahmen, Klärung von Schuldfragen und mögliche Kompensationen sollten aktuell nicht öffentlich diskutiert werden, solange das Verfahren noch am Laufen ist“, so die Antwort von Selecta. Mehr wolle das Unternehmen zum jetzigen Zeitpunkt nicht verlauten lassen.

LGL Erlangen veröffentlich Liste gentechnisch veränderter Petuniensorten

Inzwischen hat das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit Erlangen eine Liste mit bereits positiv getesteten Petuniensorten veröffentlicht. Auch das Labor, in dem das gentechnisch veränderte Erbmaterial mittels "Real-time-PCR-Verfahren" ermittelt wurde, ist aufgeführt. PCR steht für Polymerase-Kettenreaktion.


Handelsname  Untersuchungsstelle
‘African Sunset’  Evira, Finnish Food Safety Authority, Finnland
‘Bonnie Orange’Evira, Finnish Food Safety Authority, Finnland,
Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit
‘Bonnie Orange’ 15 Landwirtschaftliches Technologiezentrum Augustenberg, Standort Karlsruhe
‘Charms Flame’ 2-140Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit
‘Crazytunia Citrus Twist’Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit
‘Go!Tunia Orange’Evira, Finnish Food Safety Authority, Finnland
‘Pegasus Orange’ Evira, Finnish Food Safety Authority, Finnland, Chemisches und Veterinäruntersuchungsamt Rhein-Ruhr-Wupper
‘Pegasus Orange Morn’Evira, Finnish Food Safety Authority, Finnland, Chemisches und Veterinäruntersuchungsamt Rhein-Ruhr-Wupper
‘Pegasus Table Orange’ Evira, Finnish Food Safety Authority, Finnland, Chemisches und Veterinäruntersuchungsamt Rhein-Ruhr-Wupper
‘Potunia Plus Papaya’Evira, Finnish Food Safety Authority, Finnland, Chemisches und Veterinäruntersuchungsamt Rhein-Ruhr-Wupper
‘Potunia Plus Red 2016’Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit
‘Sanguna Patio Salmon’Evira, Finnish Food Safety Authority, Finnland
‘Sanguna Salmon’ Evira, Finnish Food Safety Authority, Finnland
‘Sentunia 2.0 Gsehll Orange’ Nr. 11-45 Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit
‘Sentunia 2.0 Rose Coral’ 315 Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit


Die Royal FloraHolland meldete am vergangenen Freitag, dass auch die Sorten ‘Viva Orange’ und ‘Viva Fire’ durch das Institut RIKLIT an der Universität Wageningen positiv auf gentechnische Veränderungen getestet wurden.

Gentechnisch veränderte Petunien: Hinweis für Endverbraucher

Nicht nur Unternehmen, die die gentechnisch veränderten Petuniensorten produziert haben, sondern auch Endverbraucher sind dazu aufgerufen, die Pflanzen zu vernichten. Hobbygärtner sollten diese auf keinen Fall weitervermehren oder für die nächste Saison überwintern.