Geschützter Anbau: die Zukunft beim Einsatz von Folien

Veröffentlichungsdatum: , Therese Backhaus-Cysyk

Die Auswahl von Folien wird im Markt im ersten Schritt nach der Art der Konstruktion, mit der geschützt angebaut wird, ausgewählt – das heißt vom einfachen Wandertunnel bis hin zum Gewächshaus. Wir fragten zwei Anbieter nach den Möglichkeiten und Herausforderungen beim Folieneinsatz.

Je einfacher die Grundkonstruktion, desto einfacher die Folie

„Im Grundsatz kann man sagen: Je einfacher die Grundkonstruktion ist, desto einfacher ist auch die Folie“, erklärt Christoph Beyer, FVG Folien-Vertriebs GmbH, und unterscheidet drei Kategorien.

• Wander- oder Einfachtunnel – Verfrühung: einfache Folie, 150 oder 180 mic, vier Jahre UV-stabil, UV B Offen (= Transmission des natürlich vorhandenen Lichtspektrums). Bei Sonderkulturen oder Nutzung der Einfachtunnel im kompletten Kalenderjahr wird alternativ eine Folie mit Lichtbrechung, das heißt Diffusion, eingesetzt. „In allen Fällen handelt es sich aber um eine möglichst einfache Folie, da bei den Wander-/Einfachtunneln die Gefahr von mechanischen Schäden gegenüber eine UV-Schädigung der Folie im Dauereinsatz überwiegt. Grundsätzlich stellen wir hier fest, dass eine stärkere Unterscheidung zwischen diffusen und klaren Folien gemacht wird. Bei Verfrühungstunneln kann/muss die Folie sehr klar sein, mehr als 90 Prozent Totaltransmission. So ist die Terminierung der Kulturen im Frühjahr (auch bei Terminkulturen im Herbst) möglichst gut zu steuern.“ Mit Klar früh, mit Diffus über den Sommer und mit Klar „nach hinten“ in den Herbst. „Allerdings stellt sich immer das Problem, dass es keine perfekte Ganzjahresfolie gibt. Hier muss man leider Kompromisse eingehen“, weiß Beyer und ergänzt: „Bei Betrieben, die sehr stark auf Verfrühung setzen, wird oft eine klare Folie eingesetzt, mit dem Bewusstsein, im Sommer Maßnahmen für eine Schattierung ergreifen zu müssen.“

• Großraumtunnel (vor allem im Erdbeerbereich mit Stellagen): vorwiegend diffuse Folie mit 180 mic, vier bis fünf Jahre UV stabil, UV B Offen. Hier wird, wie bei den Wandertunneln auch, teilweise klare Folie eingesetzt, je nach Ausrichtung Früh- oder eher Terminkulturen. Es gibt vereinzelt auch Spezialfolie mit thermischen Eigenschaften oder Antitau. „Hier können teilweise bessere Ergebnisse erzielt werden, oft fehlt aber die Erfahrung mit Spezialfolien, sie werden daher nur zögerlich eingesetzt. Da muss noch viel Beratungsarbeit geleistet werden.“

• Gewächshäuser mit Einfach- oder Doppeleindeckung: Hier dominiert eine Folie mit 180 mic, fünf Jahre UV-stabil, sehr klar, mehr als 91 Prozent Lichtdurchlässigkeit. Bei Doppeleindeckung werde die „klassische“ Kombination mit einer stabilen Außenfolie mit den oben genannten Eigenschaften und einer Innenfolie mit Thermizität und Antitau verwendet. „Hier haben wir einige Kunden, die positive Erfahrungen mit einem neuen Folientyp mit permanentem Antitau gemacht haben und diese in einigen Jahren als Standard für eine Innenfolie ansehen (Sun Saver EVO AC Folie)“, zeigt Beyer auf. „In der Zukunft wird nach unseren Beobachtungen die Beständigkeit gegen Schwefel bei Folien eine wichtige Rolle spielen, insbesondere bei weiter restriktiverem Einsatz von Herbiziden und Pestiziden. Hier sehen wir die Aufgabe, dies entsprechend zu kommunizieren, damit sich unsere Kunden nicht erst nach schlechten Erfahrungen mit diesem Thema beschäftigen“, sagt Beyer. Der Kunde sollte beim Folienkauf möglichst den Einsatz der Folie genau beschreiben, das heißt Konstruktion, Zeitigkeit der Kulturen, Kulturführung.

Rohstoffpreise als größte Herausforderung

Die größten Herausforderungen derzeit sieht Beyer in den Rohstoffpreisen, die im Kunststoffbereich bis zu 50 Prozent gestiegen sind. „Für 2022 werden weitere Preissteigerungen erwartet, bedingt durch die hohen Energie- und Logistikkosten. Überlegungen der Produzenten und Beratungen werden somit noch wichtiger bei einem Austausch, um teure Fehlinvestitionen zu vermeiden.“

UV-B-offene Spezialfolie wirkt sich auf Fruchtgeschmack aus

Als Anbieter von Spezialfolien für Gewächshäuser und Folientunnel eignen sich Folien von Folitec Agrarfolien-Vertriebs GmbH auch für die Genusspflanzen-Produktion. Durch die Zusammenarbeit mit Experten der Unis Lancaster und Reading konnte das folitec-Lumisol-Sortiment entwickelt werden, zeigt Thorsten Pfaff von Folitec auf. Die Sieben-Schicht-Gewächshausfolie aus Polyethylen steht in vier Versionen (klar und diffus) zur Auswahl. „Durch die UV-B-offenen Spezialfolien ergeben sich erhebliche Vorteile wie schnellere Fruchtsüße und höhere Ausfärbung“, unterstreicht Pfaff. „UV-B-offene Folien (280 bis 315 nm) wirken sich positiv auf den Geschmack der Früchte aus. Durch diese Folie geht das komplette Lichtspektrum ähnlich wie im Freiland.“ Neu zeigt Folitec „Easy 4“, eine einfache UV-offene Tunnelfolie in den Stärken 150 bis 200 my, die sich für Beerenobst/Spargel eigne und Lichtdurchlässigkeit von mehr als 89 Prozent biete.

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