Grüne Branche

„Gießbert“ unterstützt Hamburger Friedhofsgärtner

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Große Augen machten die Besucher auf dem Rahlstedter Friedhof in Hamburg, als sie den Bewässerungsroboter Rainos in diesem Sommer erstmals im Einsatz sahen. „Gießbert“, wie ihn die Zuschauer und Hörer vom NDR liebevoll getauft haben, stammt aus der Ideenschmiede von Innok Robotics aus Regenstauf, das gärtnerische Know-how stammt von einem Schwabacher Friedhofsgärtner.

Der Bewässerungsroboter Rainos unterstützt die Friedhofsgärtner bei ihrer Arbeit. Foto: Rahlstedter Friedhof

Prototyp auf Rahlstedter Friedhof im Einsatz

Verschiedene Fachbesucher dürften den Bewässerungsroboter Rainos bereits bei seinen Auftritten während der Internationalen Pflanzenmesse (IPM) oder während der Friedhofstechnik im September 2019 in Essen gesehen haben. „Nachdem wir schon lange nach alternativen Bewässerungsideen Ausschau gehalten und vieles ausprobiert haben, bin ich durch einen Beitrag in der Friedhofskultur auf den Rainos aufmerksam geworden und war sofort begeistert“, berichtet Matthias Habel, Friedhofsverwalter beim evangelisch-lutherischen Kirchengemeindeverband Rahlstedt, über den Gießroboter, der nunmehr als einer von drei Prototypen in Deutschland auf dem Rahlstedter Friedhof in Aktion ist. Zwei weitere sind laut Habel in Pforzheim und Schwabach im Einsatz. „Vorerst dreht ‚Gießbert‘ nur nachts seine Gießrunden auf unserem Friedhof, da er für seine Routen am Tag, noch mit einem zusätzlichen (Ultraschall)-Sensor ausgestattet sein müsste“, erklärt Habel.

461 Grabstellen in drei Nächten bewässern

Es gibt viel zu tun für die Friedhofsgärtner, wenn der Sommer trocken ist. 3.500 Grabstellen hat die Rahlstedter Verwaltung in Pflege. „Wir kalkulierten elf Gießgänge im Jahr, nunmehr sind es 15, aufgrund der vergangenen heißen Sommer. ‚Gießbert‘ muss 461 Grabstellen in drei Nächten bewässern“, so Habels Plan. Im Vorfeld mussten mittels 3D-Laser-Scanner jede Menge Messpunkte auf dem Friedhof gesammelt werden, damit der Gießroboter seine Route kennenlernt. „Es wurden alle zehn Meter Messpunkte genommen. Dafür ist ein 360 Grad Scan notwendig“, zeigt Habel auf. „Aus den Messpunkten wird eine Karte des Friedhofs erstellt, die der Roboter dann für die Navigation verwendet.“ Selbstständig, dank 2D-Laser-Scanner im Gerät fährt ‚Gießbert‘ auch zu seiner Wasserstation, um seinen 200 Liter-Tank mit Wasser zu füllen.

Testphase soll 2021 abgeschlossen werden

„Wie, wo und wie viel auf dem jeweiligen Grab gegossen werden soll, legen wir selbst am Computer auf einer digitalen Karte fest und können dies auch jederzeit ändern. Wenn die Anpassung abgeschlossen ist – unter anderem wird noch an dem Brausensystem getüftelt –, der wendige Roboter fehlerfrei alleine arbeitet und sich bis 2021 erfolgreich bewährt, wird er noch Geschwister bekommen,“ sieht Habel die Zukunft von ‚Gießbert‘. Außerdem erhält er dann auch eine eigene Garage, in der die Ladestation eingebaut wird. Aus der Garage kann der Roboter selbsttätig heraus- und hereinfahren. Bis die Testphase abgeschlossen ist, müssen die Rahlstedter Friedhofsgärtner allerdings noch kontrollieren und teils selbst nachgießen.

Wer sich selbst vom Gießroboter überzeugen möchte, kann dies nach Voranmeldung auf dem Rahlstedter Friedhof am Mittwoch, dem 14. Oktober 2020 tun. Termine für Interessenten werden individuell vergeben.

Mehr zum Thema Friedhof lesen Sie in der aktuellen Ausgabe 10/2020 der Friedhofskultur, die in unserem Onlineshop erhältlich ist.

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