Ginkgo-Bäume: Ärger mit den Früchten

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Wenn die Früchte des Ginkgos abfallen und verfaulen, fordern viele Anwohner eine Fällung der Bäume. Foto: eqroy/Fotolia

Von weitem sehen die Früchte des Ginkgos harmlos aus, fast könnte man sie mit Mirabellen verwechseln. Aber haben Sie schon einmal daran gerochen? In vielen Städten ärgern sich Anwohner darüber, wie jüngst in Köln.

Sobald sich Früchte am erwachsenen weiblichen Ginkgo biloba bilden, beginnt vielerorts der Ärger. Die Früchte fallen herunter, das fetthaltige Samenfleisch verfault, ein ranziger, fast beißender Geruch entsteht (Buttersäure).

Fällungen von weiblichen Ginkgo-Bäumen in vielen Städten

„Das ist ein bekanntes Problem“, erklärt Prof. Dr. Hartmut Balder (Beuth Hochschule Berlin) gegenüber der TASPO. „Vielfach wird bei Planung und Lieferung nicht auf diese Problematik geachtet oder auch von der Lieferbaumschule falsch geliefert. Dies fällt dann erst bei der ersten Fruchtbildung auf! In Berlin zeigt sich gerade in jüngerer Zeit diese Entwicklung – auch eine Folge mangelnder Pflanzenkenntnisse. Zu Fällungen ist es meines Wissens aber noch nicht gekommen.“

Während es in Städten wie Duisburg oder Essen in den vergangenen Jahren laut Berichten bereits zu Fällungen von weiblichen Ginkgo-Bäumen gekommen ist, konnte dies in der Stadt Köln gerade noch einmal abgewendet werden, erklärt Dr. Joachim Bauer, stellvertretender Amtsleiter beim Kölner Grünflächenamt, in dieser Woche. „In diesem Fall ging es im Stadtteil Sürth um 20 Ginkgos als Straßenbäume, deren Früchte die Anwohner mit ihrem Gestank verärgern.“

Die Sache sei hochgekocht und erreichte sogar die Bezirksvertretung. Der Wunsch nach Fällung und Neupflanzung von Ulmen konnte aber abgewendet werden. Die Lösung des Problems in Köln soll jetzt durch eine häufigere Reinigung seitens der Stadt erzielt werden, auch wenn eigentlich die Pflicht dazu bei den Anwohnern liege.

Köln: 480 Ginkgos als Straßenbäume gepflanzt

„In ganz Köln sind 480 Ginkgos als Straßenbäume gepflanzt“, berichtet Dr. Bauer und zeigte in der Bezirksvertretung noch einmal die Vorteile des ursprünglich aus Asien stammenden Exoten auf: robust, hitzetolerant, weitgehend resistent gegen Schädlinge, mit schönem Wuchs und toller Herbstfärbung. Ginkgos würden im öffentlichen Raum auch weiterhin gepflanzt, allein schon wegen der Vielfalt, die nötig sei, um der Ausbreitung von Krankheiten durch Schädlinge vorzubeugen.

„In Parkanlagen und auf Friedhöfen ist die Pflanzung von Ginkgo biloba kein Problem, aber im städtischen Bereich setzen wir ihn nur sehr sparsam ein – und dann vor allem die Sorte ‘Fastigiata Blagon’“, berichtet Christian May, stellvertretender Abteilungsleiter Grünflächen, Sachgebietsleiter Baumpflege (Wiesbaden). „Wir haben darüber hinaus Straßen ausgewählt, von denen wir wissen, dass dort die Stadtreinigung jeden Tag oder spätestens alle zwei Tage sauber macht.“

Auch in Dresden Probleme mit stinkenden Ginkgo-Früchten

„In Dresden sind wir gerade mit dem Abernten der Ginkgo-Früchte beschäftigt“, berichtet Steffen Löbel, Amt für Stadtgrün und Abfallwirtschaft, Abteilung Leistungsmanagement/Vergabe Grün SGL Straßenbäume/Rekonstruktion Grünanlagen (Dresden). „Diese sind jetzt reif und lassen sich einfach mittels Hubsteiger abschütteln. Auf dem Gehweg werden sie dann zusammengekehrt und per Lkw abtransportiert. An einer Straße sammeln die Anwohner selbst ein. Durch städtische Mitarbeiter werden die Müllsäcke dann abgeholt. Bei Nachpflanzungen werden männliche Sorten verwendet, um das Problem der stinkenden Früchte perspektivisch nicht zu vergrößern.“

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