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Glyphosat: als Mischung schädlicher

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Gebrauchsfertige Pestizid-Mischungen mit Glyphosat sollen für menschliche Zellen weitaus giftiger sein als Glyphosat in isolierter Form. Das zeigen Forschungsergebnisse des US-Gesundheitsministeriums, wie der Informationsdienst Gentechnik meldet.

Neue Studienergebnisse könnten die Neuzulassung glyphosathaltiger Pflanzenschutzmittel in Deutschland beeinflussen. Foto: kroko021/Fotolia

Glyphosat: isoliert vs. gemischt

Das National Toxicology Program (NTP) des US-Gesundheitsministeriums vergleiche laut den Meldungen derzeit die Wirkungen von Glyphosat als isolierte Substanz mit Mischungen, die neben Glyphosat auch Chemikalien enthalten, die dafür sorgen, dass sich der Wirkstoff gut auf der Blattoberfläche verteilt und in das Blatt einzieht.

Erste Ergebnisse dieser Untersuchungen hat die Organisation U.S. Right to Know veröffentlicht. Demnach habe sich gezeigt, dass die Pestizid-Mischungen weitaus mehr oxidativen Stress in menschlichen Zellen auslösten und sogar Zellen abtöteten, während Glyphosat alleine kaum Effekte auslöste. Die Mischungen seien bis zu 1.000-fach potenter gewesen, heißt es in der Untersuchung.

Weitere Untersuchungen notwendig

Diese ersten Ergebnisse belegten allerdings nicht, dass die Mischungen Krebs oder andere Krankheiten verursachen würden, schränkt der Leiter des NTP-Forschungsprogramms ein. Um das festzustellen, seien weitere Untersuchungen notwendig. Erschwert werde dieses dadurch, dass der amerikanische Hersteller Monsanto die genaue Zusammensetzung seiner Mittel nicht offenlege.

Die Ergebnisse des NTP könnten auch Folgen für die Neuzulassung glyphosathaltiger Pestizide in Deutschland haben, heißt es. Denn nachdem die EU den Wirkstoff für weitere fünf Jahre zugelassen hat, muss nun das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) entscheiden, ob es 36 glyphosathaltige Mittel in der Bundesrepublik neu zulässt.

Bundesrat will Glyphosat-Einsatz deutlich einschränken

Erst kürzlich hatte sich der Bundesrat sehr eindeutig zum Thema Glyphosat geäußert: Er fordert, dass der Einsatz glyphosathaltiger Pflanzenschutzmittel deutlich eingeschränkt wird. Ziel müsse sein, die Anwendung so schnell wie möglich grundsätzlich zu beenden. Dies geht aus einer Stellungnahme hervor, die die Länder zu einer Mitteilung der Kommission über die Europäische Bürgerinitiative zum Verbot von Glyphosat am 27. April beschlossen haben.

Die Bundesregierung forderte der Bundesrat auch auf, eine Strategie vorzulegen, die umwelt- und naturverträgliche Alternativen zu Glyphosat aufzeigt. Die Bundesregierung müsse ausreichend finanzielle Mittel zur Verfügung stellen, um Alternativen zum Einsatz von Glyphosat entwickeln zu können.

Keine „gefälligen“ Studien mehr

Zudem begrüßt der Bundesrat, dass die Kommission bei der Bewertung von Pflanzenschutzmittel-Wirkstoffen auf europäischer Ebene künftig solche Studien nicht mehr berücksichtigen möchte, die von der Industrie selbst in Auftrag gegeben sowie bezahlt wurden. Sie lieferten gefällige Ergebnisse, kritisieren die Länder.

Zugleich sprechen sie sich dafür aus, das Bewertungsverfahren insgesamt zu modifizieren und die Wirkstoff- und Produktbewertung besser abzustimmen.