Grüne Branche

Glyphosat aus dem Handel verbannen?

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Rund 70 Tonnen Glyphosat bringen Besitzer von Klein- und Hausgärten pro Jahr in ihren grünen Wohnzimmern aus. Viele Gartencenter und Baumärkte haben Mittel mit dem umstrittenen Wirkstoff bereits aus den Regalen verbannt. Online läuft der Handel ungehemmt weiter. Nun fordert der Naturschutzbund (NABU) einen grundsätzlichen Verzicht vom Verbraucher.

2016 verkauften noch drei Gartencenter- und Baumarktketten Pflanzenschutzmittel mit dem Wirkstoff Glyphosat, die für Hobbygärtner bestimmt sind. Foto: Katrin Klawitter

Hobbygärtner nutzen rund 7.000 Tonnen Pflanzenschutzmittel im Jahr

„Auch zu Spritzmitteln, die biologische Inhaltsstoffe enthalten, sollte nur in Ausnahmefällen gegriffen werden. Auch sie haben erhebliche Wirkungen auf sogenannte Nichtzielorganismen“, sagt NABU-Pflanzenschutzexperte Till Schade.

Insgesamt setzen Hobbygärtner auf 46.000 Hektar Fläche pro Jahr 7.000 Tonnen Herbizide und Pestizide ein. 44 frei verkäufliche Produkte arbeiten mit dem Wirkstoff Glyphosat. Schon vor zwei Jahren hatte der NABU an die großen Gartencenter-Ketten appelliert, derartige Pflanzenschutzmittel auszulisten. Viele, aber nicht alle Unternehmen reagierten im Sinne der Naturschutzorganisation.

2016: Nur noch drei DIY-Ketten verkaufen Glyphosat

Wie ein Einkaufs-Check der Umweltorganisation Greenpeace zeigte, verkauften 2016 nur noch drei große DIY-Ketten, Dehner, hagebau und Hellweg, Pflanzenschutzmittel auf Glyphosat-Basis für Besitzer von Haus- und Kleingärten. „Die Proteste der Verbraucher und die politische Diskussion wirken. Die Baumärkte zeigen Verantwortung dafür, dass Gärten und Balkone von gefährlichen Giften verschont werden“, kommentierte Christiane Huxdorff, Landwirtschaftsexpertin von Greenpeace, damals das Abfrage-Ergebnis.

Monsanto: Roundup hat keinen Imageschaden erlitten

Doch was sagt die Industrie, die den Großhandel mit ihren Produkten versorgt? Monsanto, vor kurzem erst durch den Chemieriesen Bayer erworben, hält weiter an seinem Vorzeigeprodukt Roundup und damit auch an Glyphosat fest. „Ich glaube, dass die Marke keinen Schaden erlitten hat. Der Nutzen des Produkts ist klar. Es ist das einzige Herbizid mit systemischer wurzeltiefer Wirkung. Es gibt auch keinen zweiten Wirkstoff mit diesem toxikologischen Umweltprofil. Wenn Klarheit und Sicherheit durch die langfristige Zulassung wieder da sind, wird auch die Nachfrage wieder kommen“, sagte Monsanto-Sprecher Dr. Thoralf Küchler im Interview mit TASPO GartenMarkt.

Scotts Celaflor: Bei Wiederzulassung kehrt Glyphosat in die Baumärkte zurück

Auch bei Scotts Celaflor ist man sicher, dass die Nachfrage und die Wahrnehmung in der Öffentlichkeit sich bessern werden, sobald der Wirkstoff auf EU-Ebene wie aktuell geplant um zehn weitere Jahre zugelassen wird.

„Der DIY hat grundsätzlich kein fachliches Problem. Doch um nicht am Pranger zu stehen, haben sich viele Baumärkte zur Auslistung entschieden. Wir sehen aber die Signale aus dem Handel: Wenn die Wiederzulassung durch ist, wird der eine oder andere wieder zurückkommen“ erklärte Bettina Wenger von Scotts Celaflor im Interview mit TASPO GartenMarkt.

Online-Handel mit glyphosathaltigen Pflanzenschutzmitteln undurchsichtig

Soweit die Entwicklung im stationären Handel. Im Online-Handel gestaltet sich die Lage unübersichtlicher. Hier sind noch zahlreiche Anbieter aktiv, die Herbizide mit dem Wirkstoff Glyphosat anbieten. „Es ist offensichtlich, dass der Online-Handel den gesetzlichen Vorgaben zur Informationspflicht über Anwendung, Entsorgung und Alternativen zum Pestizideinsatz sowie zur Ermöglichung von Rückfragen nur lückenhaft nachkommt“, sagt NABU-Bundesgeschäftsführer Leif Miller. Die Umweltorganisation bemängelt hier vor allem, dass die Anbieter gesetzliche Abgabevorschriften nicht einhalten würden.

NABU: Fehlanwendungen von Glyphosat im Privatbereich

Nach Ansicht des NABU hätten andere EU-Mitgliedstaaten wie Frankreich oder Belgien für den gesamten Handel bereits weitaus restriktivere Regelungen getroffen und wollen die Anwendung für den Privatgebrauch komplett verbieten. Während Profi-Gärtner, die Herbizide und Pestizide auf Glyphosat-Basis im Beruf einsetzen, ihre Anwendungskompetenz durch den Sachkundenachweis Pflanzenschutz dokumentieren müssen, gibt es für den privaten Gebrauch keine Anforderungen.

„Unerlaubte Anwendungen, wie die Ausbringung von Pestiziden auf befestigten Flächen oder blühenden Pflanzen, sind an der Tagesordnung“, ist sich NABU-Pestizidexperte Till-David Schade sicher. Die Kontrolle obliegt hier den Behörden, die bei nachgewiesener Fehlanwendung empfindliche Bußgelder von bis zu 50.000 Euro verhängen können. Auch die falsche Entsorgung von Resten und Behältnissen stelle ein ernstzunehmendes Problem dar: „Nur ein Bruchteil der Anwender bringt die Produkte zu Sondermüllannahmestellen“, so Schade.