Grüne Branche

Glyphosat – jetzt auch im Substrat?

, erstellt von

„Glyphosat – jetzt auch im Substrat?“: Unter diesem, auf den ersten Blick vielleicht etwas provokanten Motto, hat Michael Emmel von der Lehr- und Versuchsanstalt für Gartenbau (LVG) Hannover-Ahlem die Auswirkungen von Glyphosat im Substrat auf Beet- und Balkonpflanzen getestet.

Aufnahme von Glyphosat über die Wurzel möglich

Der Hintergrund seiner Versuche: Bei einer Verwendung von glyphosathaltigen Herbiziden entsprechend der Zulassung findet die Wirkung zwar über die Blätter der behandelten Pflanzen statt. In den meisten Böden wird der Wirkstoff dann fest an Bodenbestandteilen der obersten Schicht gebunden und gelangt somit nicht in tiefere, durchwurzelte Bereiche. Dadurch wird eine Aufnahme über die Wurzel verhindert. Grundsätzlich kann Glyphosat aber auch über die Wurzel aufgenommen werden und Schäden an den Pflanzen verursachen.

Wenn bei Schadensfällen in Gartenbau-Betrieben das Kultursubstrat als mögliche Schadursache in Betracht kommt, wird gelegentlich auch das Vorhandensein von Herbiziden diskutiert. „Tatsächlich wird bei Substrat-Analysen auch Glyphosat gefunden – für uns ein Auslöser für diese Versuche“, so Emmel. An der LVG Hannover-Ahlem wurden daher die Auswirkungen geringer Mengen Glyphosat im Substrat auf das Wachstum verschiedener Beet- und Balkonpflanzen untersucht.

Herbizid hoch verdünnt in Substrat eingemischt

Dafür wurde der Wirkstoff in Form des Herbizids Roundup PowerFlex flüssig und hoch verdünnt in zwei unterschiedlichen Aufwandmengen in ein Torfsubstrat eingemischt. Die Laboruntersuchung ergab in den beiden Substraten einen Glyphosat-Gehalt von 1,23 beziehungsweise 15,3 Milligramm pro Kilogramm Substratfrischmasse. Als Kontrolle diente das unbehandelte Torfsubstrat.

In die drei Substratvarianten wurden anschließend 15 verschiedene Beet- und Balkonpflanzenarten getopft und im Gewächshaus kultiviert. Die Bewässerung und flüssige Nachdüngung erfolgte ohne Überschuss von oben.

Bei der Auswertung des Versuchs wurden neben der Größe der Pflanzen auch die Frischmasse der oberirdischen Pflanzenteile gemessen sowie das Wurzelwachstum und Auffälligkeiten in der Pflanzenentwicklung bonitiert. Bei keiner Pflanzenart hatte die niedrige Glyphosat-Menge im Substrat einen negativen Einfluss auf die gebildete Pflanzenmasse, bei einigen Arten wie beispielsweise Gazania, Canna, Verbena und Petunia war sogar ein deutlich stärkeres Wachstum zu beobachten.

Zum Teil deutlicher Minderwuchs durch Glyphosat

Während die Frischmassen von Canna, Fragaria und Pelargonium auch bei einem Glyphosat-Gehalt von 15,3 Milligramm je Kilogramm noch höher waren als die der entsprechenden Pflanzen im Kontrollsubstrat, reagierten Lobelia, Verbena und Petunia mit besonders starkem Minderwuchs. Aber auch das Wachstum von Ageratum, Brachyscome, Cucumis und Scaevola war deutlich eingeschränkt. Neben dem gehemmten Wuchs zeigten sich teilweise auch Chlorosen und Veränderungen der Blütenfarbe.

Auf die Wurzelentwicklung aller geprüften Arten hatte die geringe Glyphosat-Menge kaum einen Einfluss. Bei der höheren Glyphosat-Menge galt dies nur noch für Argyranthemum, Canna, Fragaria und Impatiens. Dagegen waren an der Ballenoberfläche von Ageratum, Lobelia, Petunia und Verbena keine Wurzeln zu sehen.

Fazit

Auch wenn ein zu Versuchsbeginn im Substrat ermittelter Glyphosat-Gehalt von 1,23 Milligramm je Kilogramm für die untersuchten Pflanzenarten unkritisch war und eine geringe Wirkstoffmenge offenbar eine wachstumsfördernde Wirkung auf Pflanzen haben kann, sollte dieser Wirkstoff in Kultursubstraten nicht vorkommen, warnt Emmel. Die Gefahr, dass doch eine kritische Grenze überschritten werde und es zu Schäden an den Pflanzen komme, sei zu groß.

Die Empfindlichkeit gegenüber Gylyphosat sei pflanzenspezifisch sehr unterschiedlich. Die Symptome bei Zierpflanzen reichten von Chlorosen im Vegetationskegel über ein eingeschränktes Blattwachstum bis hin zu einer Rotverfärbung der Blütenfarben und einer stärkeren Changierung der Blütenfarben beispielsweise bei Lobelien.