Grüne Branche

Good News: mit privat geborgtem Geld zur Nr. 1

, erstellt von

Für einen etablierten Gartenbaubetrieb einen Nachfolger zu finden – das kann durchaus schwierig sein. Einen Gartenbaubetrieb neu zu gründen und ihn fest zu etablieren – das ist nicht nur schwierig, sondern auch sehr selten. Matthias Pötschke aus Neschwitz in der Lausitz hat es gemacht. Seine Erfolgsgeschichte ist Teil unserer Serie „Good News“.

Sein unternehmerischer Mut wurde belohnt: Matthias Pötschke in seinem Gartenbaubetrieb mit Ehefrau und Belegschaft. Foto: Gärtnerei Pötschke

Matthias Pötschke hat in einer Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft (LPG) eine Gärtnerausbildung gemacht und diese 1990 in „Wendezeiten“ abgeschlossen. Es folgten einige Jahre Berufserfahrung in einer Zeit, in der nicht nur die Gartenbaubetriebe in Ostdeutschland einen extremen Umbruch erlebten. 1993/94 schloss sich für den heute 44-Jährigen die Meisterschule in Pillnitz an, „eine Top-Ausbildung“, wie er heute noch betont. „Danach gab es nur zwei Möglichkeiten: In den Westen gehen oder selbstständig werden“, beschreibt er die damaligen Alternativen.

Banken wollten Matthias Pötschke keinen Kredit geben

Matthias Pötschke wählte den zweiten Weg. 1998 kaufte der damals 26-Jährige eine ehemalige LPG-Gärtnerei, „ziemlich vergammelt, mit einem Gewächshaus und einem Wirtschaftsgebäude“ erinnert er sich. Die Banken wollten aber keinen Kredit geben, „das Geld habe ich mir aus privaten Quellen zusammengeborgt“, erläutert der Unternehmensgründer. Zusammengeborgt und pünktlich wieder zurückgezahlt. Auch das ist Teil der Erfolgsgeschichte.

Und um es schon vorwegzunehmen: Das Wagnis hat sich gelohnt, heute ist die Gärtnerei Pötschke die Nummer 1 in der Region zwischen Bautzen und Hoyerswerda.

Aktuell werden 2.000 Quadratmeter Gewächshausfläche und 1.000 Quadratmeter Freilandfläche mit zwei festangestellten Gärtnern bewirtschaftet. Eine große Freiverkaufsfläche von 600 Quadratmetern steht zur Verfügung, für das rund 100 Quadratmeter große Blumenfachgeschäft mit zwei festangestellten Floristinnen wurde 2008 ein Gebäude angebaut. Je nach Saison werden bis zu vier weitere Personen beschäftigt. 2003 heiratete Matthias Pötschke seine Maria (die seither das Büro „schmeißt“), 2010 kamen die Zwillinge zur Welt – der Weg zu einem klassischen Familienunternehmen.

Sortimentsbreite der Gärtnerei perfekt auf Anforderungen der Region abgestimmt

Die Gärtnerei ist im besten Sinne „Vollsortimenter“. Frühjahrsbepflanzung, Beet- und Balkon, Topfpflanzen, Obstbäume und Beerenobst, Schnittblumen aber auch Gurken, Tomaten und Paprika werden produziert. Hinzu kommen Erde, Dünger, Töpfe, im Blumenfachgeschäft Dekorationsartikel, Tiziano-Keramik oder auch Wein aus Südafrika. Das Unternehmen ist in seiner Sortimentsbreite perfekt auf die Anforderungen in der Region abgestellt. „Alle Produktbereiche gehen ineinander über, wenn ein Teil wegfiele, hätte das Auswirkungen auf das Ganze“, meint Matthias Pötschke.

Wichtig im Gesamtkonzept sind zwei Aspekte. Es gibt viele Selbstversorger, Hobby-Gärtner in der Region. Das Jungpflanzengeschäft ist dementsprechend groß. Auch wenn die Gemüseproduktion nicht im Zentrum der Gärtnerei steht, werden doch in der kurzen Saison über 4.000 Gurkenpflanzen verkauft. „Unsere Hobby-Gärtner lieben es blühend, verglichen mit anderen Regionen Deutschlands wird auf die blühenden Gärten und Balkone viel Wert gelegt“, freut sich der Gärtnermeister zudem.

Pötschkes Kunden legen großen Wert auf regionale Produktion

Sehr lebendig ist ebenfalls die Friedhofskultur in der Lausitz. „Die Menschen pflegen und bepflanzen ihre Grabstätten noch selbst“, erläutert Matthias Pötschke. Seine direkt an einer Bundesstraße liegende Gärtnerei liefert die Pflanzen dazu. Wobei die Kunden „großen Wert auf die Regionalität“ der Produktion legen, diese wird im Verkauf offensiv kenntlich gemacht. Regionale Erzeugung ist eben auch bei Blumen und Pflanzen ein Stück Heimatbekenntnis. Zumal in einem Landstrich, in dem viele mit ihrer Region tiefverbundene Sorben leben.

Nun spürt man natürlich auch in der Lausitz die demografische Entwicklung der ländlichen Regionen Deutschlands. „Die jüngeren Menschen ziehen weg“, beobachtet Matthias Pötschke schon länger. Er sieht aber ebenfalls, dass jüngere Kunden durchaus ansprechbar sind. Als ein Beispiel nennt er die Weihnachtsausstellungen, die seit drei Jahren organisiert werden. „Zu solchen Anlässen kommen ganz andere als unsere Stammkunden, auch viele jüngere Menschen“, freut er sich.

Das Erfolgsgeheimnis der Gärtnerei Pötschke

Das Erfolgsgeheimnis der Gärtnerei Pötschke steht sicher auf mehreren Säulen. Selbstvertrauen, Risikobereitschaft, unternehmerisches Denken und viel, viel Arbeit gehören dazu. Ebenso das Vermögen, die Produktpalette genau auf die Region, das Umfeld, die Zielgruppe abzustimmen. Und natürlich: Es gibt keine ernsthafte Konkurrenz im Umkreis. Die Gärtnerei Pötschke hat es so in ihrer Region in weniger als 20 Jahren zur Nr. 1 gebracht. Es wurde erfolgreich eine Nische gefüllt – und die Nische ist nicht klein.

Die komplette Erfolgsgeschichte von Matthias Pötschke und seiner Gärtnerei ist in der TASPO 28/2016 erschienen. Ein Exemplar der Ausgabe können Sie per Mail bei Melanie Schuhmacher bestellen.