Grüne Branche

Good News: Nähe zur Blume als Wettbewerbsvorteil

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Die Digitalisierung macht den internationalen Blumenhandel immer transparenter, der Online-Handel knöpft den etablierten Vertriebsformen Marktanteile ab, neue Spieler kommen auf den Markt, alte Spieler erweitern ihr Geschäftsmodell. Diesen Konzentrationsprozessen im Blumenhandel wollte Christian Willeke nicht tatenlos zusehen.

Die Idee des Schnittblumengroßhändlers aus Büren bei Paderborn: Der Konzentration muss man Wachstum entgegensetzen. Es gilt, die Transparenz zu nutzen und den Weg direkt zum Produzenten zu suchen – um die Abläufe in der Handelskette bis zum Einzelhandel möglichst selbst zu bestimmen. Das Ergebnis dieser Überlegungen war – anfangs mit zehn und heute mit 13 Mitstreitern – die „Flora Blumenimport und Handels eG“.

Ware kommt nach fünf Tagen aus Übersee

Man könnte das Unternehmen als Blumenimporteur in der Hand von Blumengroßhändlern bezeichnen – doch das ist nur die halbe Wahrheit. Ein großer Unterschied zum traditionellen Import ist: Es wird just-in-time ohne Vorratshaltung gearbeitet. Die Bestellungen gehen in der von Geschäftsführer Matthias Hucke mit fünf Mitarbeitern geleiteten Zentrale in Straelen ein, sie werden dort gebündelt, weitergeleitet und rund fünf Tage nach der Bestellung trifft die Ware aus Übersee ein.

Dieser Zeitablauf bringt es mit sich, dass man „als Großhändler länger vorausplanen muss“, erklärt Christian Willeke. Die gelernte Praxis ist ja: Der Muttertag läuft gut an, also wird beim vorratshaltenden Importeur am Donnerstag Ware bestellt, die, bitte schön, am Freitag da sein muss. Diese Kurzfristigkeit kann die Genossenschaft der Blumengroßhändler nicht leisten.

Frischevorteil durch Lieferung just-in-time

Aber: Wann ist solch eine Kurzfristigkeit überhaupt gefragt? Es gibt nur ein halbes Dutzend Verkaufsschwerpunkte, zu denen der Blumeneinzelhandel unkalkulierbar kurzfristig die Nachfrage nach oben schraubt. Aufs Jahr gesehen sind die Schwankungen nicht so stark, Bestellungen sind mit einer Woche Vorlaufzeit durchaus planbar.

Auf der Habenseite steht: Es gibt keine Zwischenlagerung, just-in-time ist ein Frischevorteil. „Ebenso wichtig ist, dass die Nähe zur Blume, zu den Produzenten wiederhergestellt wird“, nennt Christian Willeke einen weiteren Vorteil. Die Produzenten in Übersee werden nicht nur von der Geschäftsführung, sondern auch von den Genossenschaftsmitgliedern besucht. Man kennt sich, man tauscht sich aus – unmittelbarer Kontakt ist bekanntlich immer ein Wettbewerbsvorteil.

Erzeuger sehen schnell ihr Geld

Einen Wettbewerbsvorteil haben auch die Produzenten in Ecuador, Kolumbien, Mexiko, Südafrika oder Spanien. Das Zahlungsziel der Genossenschaft der Großhändler liegt bei einer Woche, die Erzeuger sehen ihr Geld schnell, bezogen auf den internationalen Zahlungsverkehr sogar sehr schnell. Neben den Produzenten in Mittel- und Südamerika wurden auch erfolgreich Geschäftskontakte nach Israel, Italien, Frankreich und in die Niederlande aufgebaut.

Auch in Deutschland gibt es Lieferanten, etwa für die im Markt prosperierenden Sommerblumen. Wobei keines der Genossenschaftsmitglieder verpflichtet ist, bestimmte Produkte, bestimmte Mengen abzunehmen. Auch die Vertriebswege sind frei. Einige Großhändler sitzen in Mannheim, Frankfurt, Dortmund und Bremen auf Blumengroßmärkten, andere bedienen Web-Shops und klassischen Fahrverkauf.

Eigene Internet-Handelsplattform ab Anfang 2019

Der nächste logische (und logistische) Schritt in die Zukunft: eine Internet-Handelsplattform, in die auch der Blumeneinzelhandel direkt eingebunden ist. Bestellt werden kann dann direkt bei den Produzenten in den Niederlanden, „Flora Blumenimport“ übernimmt vor allem die Aufgabe des vermittelnden Logistikers. Mindestens ein Tag Zeitersparnis soll die Plattform bringen, Anfang 2019 wird es soweit sein.

Der komplette Artikel über die Flora Blumenimport und Handels eG ist im Rahmen unserer Serie „Good News“ in der TASPO 23/2018 erschienen. Ein Exemplar der Ausgabe können Sie per Mail bei Melanie Schuhmacher bestellen.