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Good News: „Naschmisch“ – Gewächshaus wird zur Küche

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Produkte zu lancieren, die es vorher noch nicht gab und die niemand sonst hat, ist wirkliche Innovation. Nahe an solch einen unternehmerischen Glücksfall ist die Gärtnerei Haller gekommen, die auf würzige Kräuter umsattelte und für ihren innovativen „Naschmisch“ einen völlig neuen Kundenkreis erschloss.

Karl-Ludwig Haller vermarktet seinen „Naschmisch“ über den Blumen- und Zierpflanzengroßmarkt in Frankfurt am Main. Foto: Alexandra Billmann/BZG

Gärtnerei „vererbt“ eigene Zierpflanzen-Sorten

Karl-Ludwig Haller führt mit seiner Frau Gertrud in zweiter Generation das Gartenbau-Unternehmen in der Gärtnersiedlung in Bürstadt. Lange war die über den Blumen- und Zierpflanzengroßmarkt in Frankfurt am Main vermarktende Gärtnerei für ihre Christrosen bekannt. Das Lebenswerk, die eigenen Sorten, wurden mittlerweile „als Erbe“ an eine junge Gärtnerfamilie weitergegeben.

Karl-Ludwig Haller hat umgesattelt, nach zwei Jahren kostenintensiver Produktentwicklung. „Mit viel Unterstützung meiner Lieferanten“ setzt er seit 2016 auf etwas, was es in dieser Form vorher noch nicht gab. „Naschmisch“ hat er die Innovation genannt.

Bereits über 20 Produkte entwickelt

Allein der Name, dieses gelungene hessische Wortspiel, ist für ein regionales Produkt ein Glücksfall. Gemeint ist damit das, was die Verbraucher unter „Kresse“ zusammenfassen. Das kann bei der Gärtnerei Haller Rucola sein, Fenchel, Rettich, Senf, Koriander, Schnittknoblauch oder Erbsen. „Über 20 Produkte“ wurden seit Beginn 2016 entwickelt.

Es sind die ganz feinen, die ersten sich aus den Samen entwickelnden Triebe, die Karl-Ludwig Haller für seinen „Naschmisch“ unter anderem in Tontöpfen kultiviert. Für die Produkte und die Absatzwege erhielt er eine Lebensmittelzertifizierung – die selbst für das von ihm eigens entwickelte Substrat gilt.

Wenn das Gewächshaus zur Küche wird

„Das Gewächshaus wird zur Küche“, fasst er die Entwicklung zusammen. Eine wirkliche Produktinnovation also, für die zudem noch ein völlig neuer Kundenkreis erschlossen wurde – zumindest für eine Zierpflanzen-Gärtnerei, die unter anderem von Christrosen gelebt hat.

Das Gros der „Naschmisch“-Spezereien geht in die Gastronomie, an Caterer, Gastronomie-Belieferer. Karl-Ludwig Haller nennt einige Namen, darunter recht bekannte – die er aber natürlich nicht in den Medien lesen möchte. Genannt werden ebenfalls große Lebensmittelhändler, die schon an Verkostungen teilgenommen haben.

„Die Sache ist richtig explodiert“, meint der Gärtner aus Bürstadt. „Zumindest für die Größe unseres Unternehmens“, wie er bescheiden einschränkt. Für Restaurants ist „Naschmisch“ natürlich ein gefundenes Fressen. Eine Tischdekoration (im Tontopf), die man wirklich essen kann, die wirklich Geschmack hat, die möglicherweise sogar Teil eines Menüs werden kann.

„Naschmisch“ als Lifestyle-Produkt

Ein neues Produkt, ein neuer Kundenkreis, der einzige Produzent weit und breit – das erinnert schon an die Struktur der Erfolgsstorys aus der Internet-Ökonomie. Vor allem auch, weil sich alles so schön mit dem Zeitgeist verbindet. Der Anfang des Jahres vorgelegte „Ernährungsbericht“ der Bundesregierung hat in jeder Hinsicht klar gemacht, wie stark die Sorgfalt und die Ansprüche der Konsumenten in Ernährungsfragen gewachsen sind.

Wobei auch der Lifestyle keine unerhebliche Rolle spielt – die Tontöpfe mit den „Naschmisch“-Produkten sehen auf den Tischen schick aus, man kann die Töpfe sogar so veredeln, dass sie die Tischdekoration, das Ambiente des Raumes aufnehmen.

Damit wären wir bei Gestaltung, bei den Floristen, die Karl-Ludwig Haller jeden Tag als Kunden auf dem Blumen- und Zierpflanzengroßmarkt in Frankfurt am Main trifft. „Bei den Floristen hat ,Naschmisch‘ nicht so eingeschlagen wie in der Gastronomie“, resümiert der Gärtner seine bisherigen Erfahrungen.

Zu Silvester Gelbsenf im Tontopf statt Glücksklee

Wobei so mancher Florist rund um Frankfurt „Naschmisch“ auch schon verkauft hat, ohne es so genau zu wissen. Als es vor zwei Jahren durch einen Brand in den Niederlanden spürbare Engpässe bei Glücksklee gab, hat die Gärtnerei Haller „Gelbsenf im Tontopf mit Kaminfeger als Alternative“ angeboten. Das war wieder so ein Glücksfall, „große Mengen“ wurden verkauft – nicht schlecht für einen Schuss aus der Hüfte.

Der komplette Beitrag über die Gärtnerei Haller und ihren „Naschmisch“ ist im Rahmen unserer Serie „Good News“ in der TASPO 26/2018 erschienen. Ein Exemplar der Ausgabe können Sie per E-Mail bei Melanie Schuhmacher anfordern.