Grüne Branche

Good News: vier Generationen Schleifendruck in Hamburg

Im Hamburger Stadtteil St. Georg ist im Steintorweg 2 – einem vielstöckigen, imposanten Gründerzeitgebäude – seit rund 45 Jahren die Firma R. Maudrich zu finden: Der ungewöhnlichste Shop Hamburgs, von dem es in Deutschland, wahrscheinlich in ganz Europa keinen zweiten gibt. Einziges Produkt: Schleifenbänder.

Man muss klingeln, steigt ein paar Stufen hoch, und Gunnar Maudrich öffnet selbst die Tür. Der 80-Jährige führt mit spürbarem Vergnügen durch den rund 250 Quadratmeter großen, aus zwei zusammengelegten Altbauwohnungen bestehenden Laden.

Maudrich führt Schleifenbänder in allen Farben und Größen

Es geht durch lange, verwinkelte Flure und durch ein Dutzend Zimmer. An jeder Wand bis unter die drei Meter hohen Decken Regale mit fein nach Themenbereichen geordneten Schleifenbändern in allen Farben und Größen, gestreift, kariert, ein- oder mehrfarbig, aus Samt, Spitze oder Bast – es gibt nichts, was es nicht gibt.

Wie viele Schleifenbänder es genau sind, kann Gunnar Maudrich nicht sagen, aber „einen gewissen Überblick haben wir schon“. Immerhin 117 Jahre existiert die Firma schon. Das ist eine „good news“ – noch besser ist, dass schon die vierte Generation dabei ist.

Der aus Leipzig stammende Buchbinder Rochus Maudrich war auf seiner Wanderschaft in Hamburg hängengeblieben. Im Jahr 1900 machte er sich selbstständig und „verdiente gut“ (so Enkel Gunnar) an den in Hamburg anlegenden Passagierdampfern, deren Bibliotheken er auf Vordermann brachte. Vom ersten Laden am Steindamm zog er zum Hansaplatz.

Zweite Maudrich-Generation nimmt Schleifendruck ins Firmenportfolio mit auf

Rochus Maudrich verstarb 1934, Sohn Paul und die Schwestern übernahmen die Geschäfte. Die liefen gut und dann noch besser, weil der Schleifendruck mit ins Portfolio aufgenommen wurde. „Die Floristen haben die Schleifen gebracht, wir haben gedruckt“, erinnert sich Gunnar Maudrich, der, zehn Jahre nach seinem Bruder Uwe, 1958 in das Geschäft eintrat.

Vom Schleifenfarbwunderland führt Gunnar Maudrich die Besucher eine steile Treppe hinunter in das Herzstück des Unternehmens, die Druckerei. Alte Handprägepressen, mit denen bis in die 1950er gearbeitet wurde, große Tische mit akkurat aneinander gelegten Messing-Lettern – der Raum gleicht einem Industriemuseum. Abgetrennt ein kleineres Zimmer mit Computern, heute wird bei Maudrich zeitgemäße Technologie genutzt.

Schleifenbänder-Unternehmen fasst auf dem Hamburger Blumengroßmarkt Fuß

Mit Vater Paul und Bruder Uwe an der Spitze fasste das Unternehmen auf dem Blumengroßmarkt Hamburg Fuß. „Das war nicht leicht, wir wurden mit unseren preisgünstigen Angeboten als unliebsame Konkurrenz angesehen“, erinnert sich Gunnar Maudrich. Zunächst ging es in die alten Markthallen, später gab es in den Deichtorhallen einen „kleinen Knödelstand“, dann kam der Umzug in die neu gebauten Blumengroßmarkthallen.

Dort ist das Unternehmen, das vor rund 30 Jahren das Segment Floristenbedarf aufnahm, heute noch präsent. Es ist einer der wenigen Stände, an dem es häufig Schlangen gibt. Und auch mit 80 Jahren fährt Gunnar Maudrich, der in seinem Unternehmen 14 Mitarbeiter beschäftigt, jeden Morgen um vier Uhr zum Blumengroßmarkt.

Maudrichs Strategie: Kunden sollen nicht viel kaufen, aber wiederkommen

Ob nun auf dem Blumengroßmarkt oder in dem Schleifenparadies am Steintorweg: Gunnar Maudrich, dessen Frau, Tochter, Schwägerin und ein Neffe mit im Unternehmen wirken, verfolgt eine einfach klingende, aber nachhaltig angelegte Geschäftsstrategie. „Die Kunden sollen nicht viel kaufen, aber sie sollen wiederkommen“, erklärt er.

Der komplette Beitrag über Gunnar Maudrich und sein Schleifenparadies ist in der TASPO 26/2017 erschienen. Ein Exemplar der Ausgabe können Sie per Mail bei Melanie Schuhmacher bestellen.