Grüne Branche

Grabbepflanzung: „Viele Kunden haben gar keine Vorstellungen“

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Matthias Kaselitz ist Zierpflanzen- und Friedhofsgärtner und gehört zu den Teilnehmern im laufenden Wettbewerb „Grabgestaltung und Denkmal“ auf der BUGA in Erfurt. Im Interview mit der Deutschen Bundesgartenschau-Gesellschaft (DBG) erläutert der Jenaer das Gestaltungskonzept seines Pflanzbeitrags und schildert seine Rolle als Berater für passende Grabbepflanzungen.

Friedhofsgärtner Matthias Kaselitz präsentiert die von ihm gestaltete Frühjahrsbepflanzung der ihm zugelosten Grabstelle auf der Bundesgartenschau in Erfurt. Foto: DBG

Warum beteiligen Sie sich erstmalig an einer Bundesgartenschau – spielt Erfurt als Veranstaltungsort für Sie eine wichtige Rolle?

Ich komme aus einer Gärtnerfamilie, wir haben die Pflanzen gewissermaßen im Blut, sie sind unsere Berufung. Ich bin das erste Mal auf einer Bundesgartenschau dabei, war aber schon vorher auf den Landesgartenschauen in Apolda und in Pößneck. Ich beteilige mich nun hier erstmals, um einfach dabei zu sein und Erfahrungen zu sammeln und ich wurde auch von unserem Fachgruppenleiter zur Teilnahme ermutigt. Gedanken an die IGA (Internationale Gartenbauausstellung) von 1961 haben dabei meine Planungen kaum beeinflusst. Für mich ist vor allem das Gelände und die Aufgabenstellung bei meiner Pflanzplanung maßgeblich. Allerdings habe ich in Erfurt Zierpflanzengärtner gelernt und war dort auch viel tätig und habe das ega-Gelände damals auf Exkursionen kennengelernt.

Welche Gedanken beeinflussten das Gestaltungskonzept Ihres Pflanzbeitrags in Erfurt?

Bei der Betrachtung der Grabfläche steht das Grabzeichen natürlich im Vordergrund und es gilt, eine dazu passende Bepflanzung zu wählen. Das Grabzeichen für meinen Beitrag in Erfurt besteht aus hellem Sandstein, ist vierteilig und soll die Lebenslinien der beiden Verstorbenen abbilden. Diese Wegstrecken sind natürlich unterschiedlich lang, in Form gebrachte viereckige Elemente, die die Lebensphasen darstellen. Der Standort mit seinen Bäumen im Hintergrund spielt eine wichtige Rolle für ein stimmiges Pflanzkonzept und wurde von mir daher mit einbezogen. Meine Bepflanzung soll ein gestalterisches Abbild des Grabzeichens sein. Das pflanzliche Abbild des vierteiligen Grabzeichens ist zweiteilig und in zwei Farben gehalten, die Zahl zwei steht bei diesem Konzept für mich gedanklich im Vordergrund.

Bei dem Konzept kommen runde und gewellte Formen statt gerader Linien zum Tragen, was ja auch die Facetten eines Lebens aufnimmt, wo auch nicht immer alles geradlinig verläuft. Ich arbeite mit zwei Bodendecken in unterschiedlichem Blattgrün, Heckenmyrte (Lonicera) und Rebhuhnbeere (Mitchella). Im hinteren Bereich kommt die Lonicera zum Tragen, während im vorderen Bereich die Mitchella dominiert. Ich greife die C-Form des Grabmals pflanzlich auf und setze dann noch eine zweifarbige Wechselbepflanzung im Vordergrund dazu – einen Akzent aus Viola cornuta in gelb und blau.

Wie sehen Sie Ihre Rolle als Berater für eine passende Grabbepflanzung?

Viele Kunden haben gar keine Vorstellungen, wenn sie zu uns kommen, und denen machen wir dann Vorschläge, was sich an der von ihnen gewählten Grabstelle gestalterisch umsetzen lässt. Da gibt es Kunden, die wollen es in aller erster Linie pflegeleicht, aber auch solche, die genau wissen, was sie wollen, und wir setzten ihre Ideen dann entsprechend um. Es gibt auch Kunden, die gern bei der Bepflanzung dabei sind. Doch die meisten Kunden verlassen sich auf unsere Erfahrungen, sodass wir an dem betreffenden Standort eine Gestaltung anbieten können, die rund ums Jahr attraktiv anzusehen ist.

Am liebsten bepflanze ich die größeren Grabstätten, da hat man einen größeren Gestaltungsspielraum, in dem man arbeiten kann. Bei den kleineren Grabstätten ist man durch den geringen Raum oft sehr eingeschränkt und kann vieles nicht machen, was auf etwas mehr Platz zu sehr schönen Ergebnissen führt. Allerdings sehen wir einen Trend zur Urnenbestattung und damit zu kleineren Pflanzflächen, aber auch hin zu Baumbestattungen, selbst Columbarien werden sehr oft genutzt. Der Trend zur vermeintlichen Pflegeleichtigkeit, bei dem sehr viel mit Steinen gearbeitet wird, wirkt sich natürlich auf unsere Arbeit aus. Doch das ist für die Natur sehr ungünstig und die Zahl der Insekten nimmt immer mehr ab. Wenn eine Grabstelle jedoch bepflanzt wird, entstehen auch Lebensräume für Insekten, das scheint vielen nicht bewusst zu sein. Denn eine gut gemachte Bepflanzung ist viel pflegeleichter, als wenn ich nur mit Steinen arbeite.

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