Grüne Branche

Grabfeld für Fans und Mitglieder des HSV

Am Donnerstag vergangener Woche war die Nachricht bundesweit in diversen Medien: Als erster Klub der Fußball-Bundesliga errichtet der Hamburger SV (HSV) ganz in der Nähe seines Stadions einen Friedhof für seine Fans! Bis zu 500 treue Anhänger könnten auf dem betreffenden Areal ihre letzte Ruhestätte finden und ihrem Verein damit auf ewig verbunden bleiben. Der erste Spatenstich für das Projekt ist auf 16. September terminiert.

Wenn die Bauarbeiten jetzt im September beginnen, können verstorbene HSV-Mitglieder voraussichtlich ab Mitte nächsten Jahres zur letzten Ruhe gebettet werden. Es ist kein neuer Friedhof, sondern ein früher mit Reihengräbern genutztes Grabfeld innerhalb des Hauptfriedhofs Altona. Es befindet sich wenige Meter von der West-Tribüne der HSH Nordbank Arena, wie das ehemalige Volksparkstadion in Hamburg heute heißt. Der staatliche Hauptfriedhof Altona befindet sich im Nordwesten des Volksparks. Die Verwaltung dieses Friedhofs obliegt dem Bezirksamt Altona. Laut vorliegender Planung sollen Besucher das künftige HSV-Grabfeld durch ein stilisiertes Fußballtor betreten. An einen der Ränder des Grabfeldes kommt eine kleine Tribüne aus drei Stufen.

Initiatoren des künftigen Hamburger Vereins-Grabfeldes waren Friedhofsgärtner Lars Rehder von der Friedhofsgärtner-Genossenschaft Hamburg sowie Steinmetz Bert Urich Beppler (Geschäftsführer der Firma Carl Schütt + Sohn GmbH, ein vor über 100 Jahren gegründetes Steinmetzunternehmen). Wie die Süddeutsche Zeitung angibt, werde die Anlage rund 100 000 Euro kosten. Die Fan-Organisation "Supporters Club" und Sponsoren würden sich an den Kosten beteiligen. Wie uns Lars Rehder berichtete, will die Friedhofsgärtner-Genossenschaft dort eine Mustergrabanlage erstellen. Die Steinmetze spenden hierfür die Denkmäler.

Erste Überlegungen für das Projekt kamen schon vor über zwei Jahren auf. Im vergangenen Jahr war es dann aufgrund sportlicher Misserfolge des Hamburger SV zunächst aber auf Eis gelegt worden. Wie Lars Rehder erläuterte, können 300 bis 500 Gräber auf der etwa 100 mal 150 Meter großen Fläche angelegt werden. Bei Bedarf sei eine Erweiterungsfläche verfügbar.

Die Gestaltungsarbeiten - zum Beispiel die Pflasterungen - würden teilweise als überbetriebliche Projekte mit Auszubildenden des Garten- und Landschaftsbaus ausgeführt. Ein attraktiver Baumbestand sei in dem betreffenden Gelände vorhanden.

Unterschiedliche Grabarten würden angeboten, also Erd- und Urnengräber. Auch wäre eine Minimallösung in Form eines Gemeinschaftsgrabes möglich (zweistelliges Grab, das bis zu 20 Urnen aufnehmen kann). Alle Gräber werden gärtnerisch gepflegt. Der Graberwerb ist also mit dem Abschluss eines Dauergrabpflegevertrages verbunden. Dabei sollen aber auch Billigvarianten ohne Saisonblumen verfügbar sein. Wie Zeitungen berichteten, liegen beim HSV schon erste Reservierungswünsche vor. Dies, obwohl der Verein den künftigen Service bisher nicht bewarb. Der Hamburger SV vergab eine Lizenz an mehrere Bestattungsunternehmen und Steinmetze, die in dem Grabfeld künftig "HSV-Bestattungen" und "HSV-Grabsteine" (mit dem Rauten-Logos) anbieten können. HSV-Vorstandsmitglied Christian Reichert wird dabei mit der Aussage zitiert, man stecke die Lizenzgebühr in die Pflege des Fan-Friedhofs. Der Verein selbst wolle an der Sache keinen Cent verdienen. Die Gräber in diesem Grabfeld sind zunächst Mitgliedern des Hamburger SV vorbehalten. Das künftige Fan-Grabfeld in Hamburg wird die erste Anlage dieser Art in Deutschland sein. In Berlin kam schon mal ein ähnliches Projekt zur Sprache. Der weltweit bekannteste Friedhof für Fußballer und deren Fans entstand in der argentinischen Hauptstadt Buenos Aires. Die Boca Juniors - Stammverein der "Fußball-Legende" Diego Maradona - haben auf dem Gelände des Privatfriedhofs Iraola einen Vereinsfriedhof.