Grüne Branche

Grabgestaltung: „Ein richtig bepflanztes Beet ist sehr pflegeleicht“

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Wie viele unterschiedliche Pflanzenbilder sich mit dem klassischen Pflanzen-Sortiment „zaubern“ lassen, ist derzeit im Wettbewerb „Grabgestaltung und Denkmal“ auf der Bundesgartenschau zu sehen. Zu den teilnehmenden Ausstellern gehört die Stauden- und Friedhofsgärtnerei Bartel in Erfurt. Inhaberin Claudia Bartel spricht im Interview mit der Deutschen Bundesgartenschau-Gesellschaft über Trends in der Grabbepflanzung und Pflanzen, die in Zeiten des Klimawandels noch „funktionieren“.

Insgesamt 52 Mustergräber sind im Ausstellungsteil „Grabgestaltung und Denkmal“ auf der Bundesgartenschau zu sehen, die gezeigten Grabbepflanzungen werden von einer Fachjury bewertet und prämiert. Foto: BUGA Erfurt 2021/Steve Bauerschmidt

Was schätzen Sie besonders an Ihrer Arbeit?

Die Hauptsache für mich ist es, im Freien zu arbeiten. Ich liebe es, dass man in meinem Beruf so nah an den Jahreszeiten dran ist und auf diese Weise genau mitbekommt, was das Jahr so alles bringt. Bei meiner Arbeit auf dem Friedhof gibt es aber keine spezielle Grabform, die ich am liebsten bepflanze – die Freude hängt vor allem davon ab, was der Kunde von mir verlangt. Es macht viel Spaß, ein Urnengrab mit seiner kleinen Fläche ansprechend zu gestalten, aber auch eine große Grabfläche ist sehr reizvoll, weil man dann gärtnerisch mehr Möglichkeiten hat.

Welche Gedanken beeinflussten das Gestaltungskonzept Ihres Pflanzbeitrags in Erfurt?

Auf dem von mir zu bepflanzenden Einzelgrab ist das Grabzeichen eine hohe Stele aus grau-rosa Beuchaer Granitporphyr mit einer gehämmerten, wie Prismen wirkenden Schmuckkante. Sie ist natürlich ein wichtiger Bestandteil des Gesamteindrucks des Grabes und beeinflusst von daher stark das Bepflanzungskonzept. Im hinteren Bereich der Grabstelle habe ich Taxus baccata ʻRepandens Aureaʼ und als Pendant zur Stele ein sehr aufrecht wachsendes Gehölz gepflanzt, den Säulen-Faulbaum (Rhamnus frangula) ʻFine Lineʼ. Zu dessen Füßen sorgen Carex oshimensis ʻEvergoldʼ sowie ein Streifen aus Heuchera für Farbakzente in gelbgrün und weinrot. Für die Flächengestaltung haben wir als flachen Bodendecker Cotoneaster dammeri ʻStreibs Findlingʼ ausgewählt. Als Wechselbepflanzung im Frühjahr haben wir uns für einen schmalen, sich nach vorn hin verbreiternden Streifen aus Hornveilchen in gelb-weiß-orange entschieden, der auf der Grabstelle für einen hellen, freundlichen Farbtupfer sorgt.

Welche derzeitigen Trends sehen Sie in der Grabbepflanzung?

Gestalterisch gibt es keine wirklich neuen Trends. Doch der Kunde verlangt in erster Linie von uns, dass es für ihn pflegeleicht ist. Da kommt es natürlich sehr darauf an, was man aus einer solchen Vorgabe macht. Ein richtig bepflanztes Beet ist sehr pflegeleicht, aber man muss sich dann eben auch die Zeit nehmen, den Kunden richtig und gut zu beraten. Diejenigen Kunden, die sich ausgiebig von uns beraten lassen, sind dann auch sehr dankbar dafür. Gerade von uns beratene Kunden, die sich zuerst selbst um das Grab kümmern, kommen dann oft Jahre später zu uns und beauftragen uns mit der Grabpflege, wenn sie selbst es nicht mehr tun können. Die Tendenz geht dahin, dass die Kunden die Gräber nicht mehr selbst pflegen und wir das für sie übernehmen.

Welche Pflanzen spielen für Sie eine wichtige Rolle?

Klassiker sind natürlich Hornveilchen, Stiefmütterchen, Tausendschön, Vergissmeinnicht und Erysimum. Ich persönlich arbeite am liebsten mit Stauden für die komplette Bepflanzung, so bieten beispielsweise Epimedium und Geranium ein schönes Pflanzenbild während des ganzen Jahres. In Zeiten des Klimawandels müssen auch wir uns überlegen, was in unserem Arbeitsbereich an Pflanzen überhaupt noch „funktioniert“, was man im Sommer noch gegossen bekommt oder was man als Alternative nimmt, vor allem im Bereich der Gehölze. Ich würde mittlerweile in der Sommerbepflanzung keine Fleißigen Lieschen oder Petunien mehr pflanzen. Bei den Gehölzen und Bodendeckern kommt es natürlich sehr auf den Standort an und auf die Vorbereitung der Fläche. Wenn ich das Grab selbst angelegt habe, kann ich es entsprechend vorbereiten, sodass vieles möglich ist.

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