Grüne Branche

Grabstein-Klimaforscher in aller Welt

Mit dem Vermessen von Marmorgrabsteinen soll der Klimawandel erforscht werden – und jeder kann dabei mithelfen. Im Rahmen eines wissenschaftlichen „Crowdsourcing“-Projekts im Internet können Laienforscher die Daten von Friedhöfen liefern.

Wer beim „Grabsteinprojekt“ von EarthTrek, einer Initiative der US-amerikanischen Geological Society, mitmachen will, muss ein wenig Liebe zur Genauigkeit mitbringen. Ansonsten reichen ein Computer mit Internetanschluss, ein Zollstock, ein Schiebmesser und ein GPS-Gerät aus.

Deirdre Dragovich von der Universität von Sydney und Gary Lewis von der Geological Society of America leiten das Grabsteinprojekt. Dank ihrer Mitarbeiter wollen sie Daten über lokale Witterungsverhältnisse über lange Zeiträume hinweg gewinnen und so den Klimawandel erforschen. Beim Grabsteinprojekt sollen weiße, rechteckige Marmorgrabsteine millimetergenau abgemessen werden. Diese Daten schicken die Helfer über die Website an die Profiwissenschaftler. Ist die Seitenfläche des Steins oben schmaler als unten, können die Wissenschaftler aus der Differenz Rückschlüsse über die Verwitterung und damit das Klima ziehen. Wer genau ihnen die Daten geliefert hat, wissen die Wissenschaftler an den Universitäten meist nicht. Aber dafür erhalten sie Material aus aller Welt.

Bereits rund 940 Grabsteine auf über 500 Friedhöfen haben die Helfer mittlerweile mit Maßband und Messschieber vermessen. Am fleißigsten waren sie in den Vereinigten Staaten, aber auch in Deutschland, Australien und Neuseeland haben sich viele Freizeitforscher beteiligt.

Aber die neue Form der Wissensgenerierung birgt auch Risiken. Denn auch wohlmeinende Freizeitforscher können schlechte Daten liefern. Deshalb prüfen die Grabstein-Klimaforscher Dragovich und Lewis alle Informationen, die sie erhalten, mit statistischen Verfahren. Sie können fehlerhafte Messungen in ihrer Analyse weniger stark gewichten oder ausschließen.

Quelle: Welt am Sonntag