Gräber: besser grün als sukkulent

Veröffentlichungsdatum: , Katrin Klawitter

Wie sehen Gräber der Zukunft aus? Bepflanzt mit trockenheitsresistenten Pflanzen – oder werden Sukkulenten dominieren? Foto: Katrin Klawitter

Angesichts zunehmender Hitze und Trockenheit sollten Friedhofsgärtner Mut zu alternativen, unempfindlichen Bepflanzungen haben. Sukkulenten auf den Gräbern sollten nicht der Weg sein. Das war eine der wesentlichen Botschaften, die der erste Ahlemer Friedhofsnachmittag an der Lehr- und Versuchsanstalt für Gartenbau (LVG) Ahlem vermittelte.

Widerstandsfähige Pflanzen für das Grab

Mehrere Vorträge widmeten sich alternativen, widerstandsfähigen Pflanzen für das Grab, zeigten, dass es durchaus einen Weg aus dem Dilemma der vertrocknenden Gräber und enormer Wasserverbräuche auf dem Friedhof gibt. Denn sehr fraglich ist für Peter Houska von der LVG Ahlem, ob Sukkulenten-Gräber eine gute Zukunft sind. Das Sortiment biete bereits jetzt schon interessante Alternativen, die trockene und heiße Sommer auf Friedhöfen überstehen können. Bei der Wechselbepflanzung sei oft die Sorte der Schlüssel zum Erfolg. „Warten Sie nicht, bis die richtige Sorte zu Ihnen kommt“, rät der Experte.

Scaevola sind völlig unbeeindruckt von der Hitze“

Geeignete Alternativen hatte er reichlich zu bieten: Zum einen Freilandbegonien, laut Houska ideale Pflanzen für (norddeutsche) Gräber. Deren Sortiment habe sich unglaublich entwickelt. Seit Jahren bewähren sich zudem interspezifische Pelargonien auf den Freilandflächen der LVG Ahlem. Den Wechsel zwischen Hitze- und Regenphasen überstehen deren meiste Sorten ohne großen Pflegeaufwand, sagt Houska.
Als gut geeignet für eine robuste Wechselbepflanzung haben sich in Ahlem auch Euphorbia hypericifolia ‘Diamond Frost’ und ‘Diamond Ice’, Mandevilla ‘Rio Appleblossum’ und Delosperma ‘Golden Nugget’, ‘Wheels of Wonder’, ‘Lido Pink’ oder ‘Ice Cream Salmon’ erwiesen. Auch Euphorbia milii, Lantanen ‘Evita Sunrise’ oder ‘Bandama Hot Red’, Bidens, Catharanthus und neue Scaevola-Sorten hat Ahlem auf den Versuchsgräbern gepflanzt. „Scaevola sind völlig unbeeindruckt von der Hitze“, weiß Houska.

Fortlaufende Sortenversuche und Pflanzenkenntnisse gefragt

Mit nach seinen Worten „bemerkenswerten“ Sortimentsergänzungen zur dauerhaften Grabbepflanzung beschäftigte sich Rainer Koch von der LVG Heidelberg. Insgesamt 30 Stauden und 40 Gehölze pflanzte die LVG dafür auf 75 Versuchsparzellen. Bewertet wurden Standorteignung, Überwinterung, saisonales Erscheinungsbild und Pflegeintensität. „Haben Sie Mut zum Ausprobieren“, rät Koch den Friedhofsgärtnern.

Sein Fazit: Es gibt viele interessante Alternativen im Bereich der Bodendecker und Rahmenpflanzen. Die Wahl der möglichen Alternativen sei stark abhängig von Standort und Verwendungszweck, vor allem in Bezug auf die Klimatoleranz. Fortlaufende Sortenversuche und Pflanzenkenntnisse seien gefragt, um hier immer Alternativen jenseits von bewährten Klassikern wie Euonymus, Cotoneaster und Mitchella zu finden. Ein großer Favorit der LVG für die Grabbepflanzung ist Prostanthera cuneifolia, die Australische Strauchminze. Sie duftet stark und aromatisch und bleibt im Winter grasgrün.

► Mehr zum ersten Ahlemer Friedhofsnachmittag lesen Sie in der TASPO 35/2022.

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