Grüne Branche

Gräber von anno dazumal

„Entwicklung der Grabgestaltung von 1650 bis heute“ – so lautete das Thema eines Sonderteils im Ausstellungsbereich „Grabbepflanzung und Grabmal“ auf der Bundesgartenschau Koblenz 2011. Die sieben Gräber – beginnend mit einem grasbewachsenen Grab etwa aus dem Jahr 1650 – sind seit Juli 2012 auf dem Parkfriedhof in Frankenthal zu sehen.

Heinrich Koch, friedhofsgärtnerischer Unternehmer in dieser Pfälzer Stadt und Vorsitzender des Bereichs Friedhof im Landesverband Gartenbau Rheinland-Pfalz, hat diese besonderen Grabanlagen erworben und sie seiner Heimatstadt zur Verfügung gestellt. Auf Basis eines Vertrages mit der Stadt Frankenthal entstand die Daueranlage direkt an der Kapelle und damit nahe des Haupteinganges des am Stadtrand an der Wormser Straße gelegenen, durch alten Baumbestand und „verwunschene Atmosphäre“ gekennzeichneten Frankenthaler Friedhofes.

Nach Angabe auf der Internetseite der Stadt Frankenthal ist der Parkfriedhof übrigens die größte innerstädtische Erholungsfläche in dieser zwischen Ludwigshafen und Worms gelegenen kreisfreien Stadt. Die sieben historischen Gräber, so stellte Heinrich Koch bei unserem Besuch in Frankenthal heraus, würden von der Bevölkerung sehr gut angenommen, er sei von vielen Kunden hierzu angesprochen worden. Koch hat sich auch zur Pflege der Anlage verpflichtet.

In 17. Jahrhundert wurden die Gräber noch kaum bepflanzt. Das Totenbrett als Denkmal, dazu Gras und Wilderdbeere auf der Grabfläche. Dieses Bild vermittelt eine der besonders alten Grabstätten in der Anlage. Es greift die Zeitperiode und den Übergang vom 17. auf das 18. Jahrhundert auf.

Wenig später kamen Gräber mit hohen Grabeinfassungen in Art eines Jägerzauns (Staketenzäune) auf. Damals, so schildert Koch, habe der Totengräber auf dem Friedhof sein Vieh weiden lassen dürfen und die betreffenden Zäune sollten verhindern, dass die Tiere auch die Pflanzen auf den Gräbern fressen. Vinca und Fichte bildeten zum Besuchszeitpunkt (Anfang September) die Bepflanzung dieses Grabes, doch will Koch noch eine Rose ergänzen.

Ein Grab mit einem schmiedeeisernen Denkmal und Christus-am-Kreuz-Motiv lässt dann das 18. Jahrhundert und Teile des 19. Jahrhunderts auferstehen. Aurikel, Kiefer, Bartnelke, Sedum und Alchemilla sind die pflanzlichen Repräsentanten auf diesem Grab.

Geboren am 5. März 1858, gestorben am 11. September 1917 – diese Daten finden sich auf dem kreuzförmigen dunkelgrauen Marmordenkmal des Grabes daneben. Ab Ende des 19. Jahrhunderts kamen kreuzförmige Marmordenkmale auf den Friedhöfen verstärkt auf, manche verbunden mit Bibelsprüchen. „Und um den Abend wird’s licht sein“ – der Bibelspruch aus Sacharja 14 prangt auf dem gezeigten Beispiel. Die Bepflanzung auf der betreffenden Grabstätte macht zumindest während des Sommers auch deutlich, dass die Semperflorens-Begonien zu Beginn des 20. Jahrhunderts bei Grabbepflanzungen verstärkt eingesetzt wurden. Generell war die Pflanzenverwendung auf Gräbern im 20. Jahrhundert ungleich üppiger und vielfältiger als zuvor, womit die Basis für das Entstehen der Friedhofsgärtner als Teil des Gartenbaus gefunden war.

Ein Grabmal-Obelisk für einen Verstorbenen im Jahr 1909 erinnert ans Vordringen spitzpyramidaler Formen in der Grabmalkultur. Passend dazu hat das Blumenbeet auf diesem Grab die Form eines Dreiecks. Mit Lavendel, Salbei und Rosmarin kamen hier überwiegend Kräuter zum Einsatz.

Die Popularität von Bogenformen in den 50er- und 60er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts wird mit einem Grabmal aus dem Jahr 1956 dargestellt. Es ist ein eher einfacher, aber oben geschwungener Grabstein aus hellgrauem Granit. Mitte der 50er-Jahre begann übrigens die Zeit, als die Verwendung von bodenbedeckenden Pflanzen zu den Vorgaben für friedhofsgärtnerisch-fachgerecht bepflanzte Gräber zählten.

Voraussichtlich im nächsten Jahr wird der Frankenthaler Friedhof mit einem anderen Thema ins Blickfeld der Friedhofsgärtner treten. Dort soll nämlich ein friedhofsgärtnerisch gepflegtes gemeinschaftliches Grabfeld – also ein Memoriamgarten – entstehen. (eh/ts)