Grüne Branche

Gut gestaltete Gräber machen Unterschied aus: Richtlinien sollen Friedhofsgärtnern helfen, sich zu profilieren

"Nicht nur Bedarf decken, sondern Bedarf wecken!" formulierte Anja Qayyum-Kocks, Friedhofsgärtnerin und Floristin in Mülheim sowie Fachschullehrerin in Essen, bei einer Fachgruppensitzung der rheinland-pfälzischen Friedhofsgärtner. Am 26. September referierte sie in der Gärtnerei von Volker Schmitt in Worms-Pfeddersheim über Gestaltungs-Aspekte, wobei die Neufassung der "Richtlinien für gärtnerische Grabgestaltung" im Vordergrund stand. Die Tagung hatte auch einen praktischen Teil: Unter den gestrengen Augen seiner Kollegen musste der Fachgruppenvorsitzende Heiner Koch aus Frankenthal zwei Gräber nach Vorgaben der Richtlinien bepflanzen. Eine neue Mustergrabanlage des Betriebs Schmitt - nahe des Pfeddersheimer Friedhofs - bekam damit ihre ersten pflanzlichen Highlights. Gliederung der Fläche nach dem Goldenen Schnitt, Modellierung der Grabfläche, Farbabstimmungen nach den Grundsätzen der Farblehre des Malers und Kunstpädagogen Johannes Itten, Pflanzenauswahl nach Wirkung und Standortansprüchen, Berücksichtigung der Symbolik von Pflanzen und Grabmalen! Zu solchen Aspekten aus den Richtlinien gab Qayyum-Kocks interessante Erläuterungen und zeigte dies anhand von Beispielen. Zu den Grundlagen für gelungene Grabgestaltung zählt, die Bepflanzung auf das Grabmal abzustimmen. Manchmal ist das Grabmal zum Zeitpunkt der Bepflanzung aber noch nicht vorhanden. "Ich gehe" - so ein Rat der Referentin - "gerne zusammen mit einem Kunden zum Steinmetz!" Die Gliederung der Fläche soll laut den Richtlinien nach Grundsätzen des Goldenen Schnitts erfolgen. Der Goldenen Schnitt gilt in der Kunst und Architektur als ideale Proportion und Inbegriff von Harmonie. Er tritt auch in der Natur in Erscheinung. Zwei Strecken stehen im Verhältnis des Goldenen Schnittes, wenn sich die größere zur kleineren Strecke verhält wie die Summe aus beiden zur größeren Strecke (3 : 5 = 5 : 8). Das Grab kann symmetrisch oder asymmetrisch gestaltet sein. Dies hängt besonders vom Grabmal ab. Breiter Stein, auf dem ein Kreuz als Symbol prangt - diese häufige Vorgabe erfordert eine symmetrische, also spiegelbildlich übereinstimmende Bepflanzung. Oft lässt der Stein beide Varianten zu. Anja Qayyum-Kocks: "Es gibt aber auch Grabdenkmäler, die nach Asymmetrie schreien!" Linien am Grabmal sollten sich ebenso wie die Farbe des Steines in der Grabbepflanzung spiegeln. Bogige Linien verlangen runde, gerade Linien dagegen eckige Formen in der Bepflanzung. Eine der Neuerungen der jetzigen Richtlinie betrifft die Modellierung der Grabfläche. Mit den Höhen und Tiefen wird die Gestaltung anspruchsvoller. Ähnlich wie die Berücksichtigung von Aspekten der Symbolik zählen die Höhenabstufungen zu den Möglichkeiten für friedhofsgärtnerische Fachbetriebe, sich zu profilieren. Mustergrabanlagen in den Betrieben sollten entsprechende Beispiele zeigen. "Die Farbabstimmung muss sowohl in der Dauerbepflanzung als auch in der Wechselbepflanzung berücksichtigt werden" - heißt es in den Richtlinien. Hierzu sollen sich die Friedhofsgärtner an den Grundsätzen der Farblehre nach Johannes Itten orientieren. Die Farben-Thematik zählte zu den Schwerpunkten des Pfeddersheimer Vortrags von Anja Qayyum-Kocks. Weitere Informationen lesen Sie in der aktuellen TASPO-Ausgabe Nr. 40.