Grüne Branche

Hamburg: Abkehr von der steinernen Stadt

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Die fünf führenden Grünen Verbände Hamburgs haben sich zu der Initiative „Green 5“ zusammengeschlossen und ein gemeinsames Forderungspapier an die Hamburger Fraktionen und zuständigen Senatoren geschickt. Dieses vereint zentrale Anregungen, um Gründefiziten der Stadt entgegenzuwirken. Natur und Architektur sollen dabei in Zukunft stärker ineinander greifen.

Die Initiative „Green 5“ ist aktiv geworden, um Gründefiziten in Hamburg entgegenzuwirken. Foto: Pixabay

Hamburg seit Jahren mit negativer Baumbilanz

„Hamburg gilt als grüne Metropole, aber seit Jahren zitieren wir immer wieder dieselben Probleme: Flächenkonkurrenz, Klimastress und Pflegemängel“, erklärte Thomas Schmale, Vorsitzender des Fachverbands Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau Hamburg (FGL HH) während der 37. GaLaBau-Fachtagung in Hamburg. „Leider finden wir kaum Verbesserungsansätze im derzeitigen Klimaplan der Stadt.“ Hamburg habe seit Jahren eine negative Baumbilanz.

„Wo andere Bundesländer wie Schleswig-Holstein rapide aufforsten und die Menschen mit Initiativen wie dem Einheitsbuddeln zu Baumpflanzungen animieren, schafft es Hamburg nicht einmal, seine bestehenden Bäume zu erhalten“, betonte Schmale. Klar sei, Hamburg müsse verdichten, um wachsen zu können. Für eine zukunftstaugliche Stadtentwicklung benötige man aber auch Grün- und Freiflächen, die hochwertig wie nachhaltig gestaltet, gebaut und gepflegt werden.

Maßnahmen im Hamburger Klimaplan ohne Grün und Pflanzen

Wie andere Städte könnte auch Hamburg einen bestimmten Anteil aller Bau-Areale für diese Flächen vorsehen. Stattdessen findet sich im Hamburger Klimaplan bis auf bereits initiierte Projekte keine einzige Klimaschutzmaßnahme, die sich mit Grün oder Pflanzen befasst, so Schmales Kritik vor 290 Experten und Entscheidern aus Stadtplanung, „Grüne Branche“ und Politik.

Die begonnene Klimakatastrophe ist in wachsenden Städten mit allen Folgen für die Flora und Fauna deutlicher spürbar als im ländlichen Raum, zeigte Alexandra Czerner, Stadtplanerin und Architektin in Hamburg, auf. Überall dort, wo in Städten Hitze, CO2 und Feinstaub entstehe, brauche es direkt vor Ort Kühlung, Filterung und die Umwandlung von CO2 in Sauerstoff. Zur lebensnotwendigen Klima- und Luftverbesserung benötigten hochverdichtete Stadtstrukturen viel mehr Grünflächen. „Um dies zu erreichen, ist es zwingend notwendig, die Vorstellung von Stadt in unseren Köpfen umzubauen und alle Bausteine in Architektur und Stadtplanung ,grün‘ zu denken“, folgerte Czerner.

Lebensraum Stadt langfristig wieder gesünder gestalten

Eine grundlegende Naturdurchwachsenheit sei nötig, um den Lebensraum Stadt langfristig wieder gesünder zu gestalten. Die Expertin fordert konkret neben einer Verkehrsreform mit umfassenden Mobilitätskonzepten die bundesweite gesetzliche Verankerung einer vorgeschriebenen Grünflächenzahl für alle Gebäude und alle Straßenräume. Sie sprach sich dafür aus, Grenzbebauungen – die Errichtung von Häusern ohne Grünzone zwischen Haus und Bürgersteig – durch entsprechende Regelungen zu verhindern. Versiegelte Flächen in der Stadt müssten zudem konsequent aufgebrochen und klimaintensiv begrünt werden, um die Naturnähe zum Schutz der Gesundheit der Bevölkerung zu stärken.

Ein hoher Individuen- und Artenreichtum ist auf allen Baumarten zu finden. Heimische Arten unterschieden sich in ihrer Biodiversität nicht von den verwandten südosteuropäischen Arten, erklärte Dr. Susanne Böll, Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau Veitshöchheim, die in Hamburg über die Forschungsergebnisse des Projekts „Stadtgrün 2021“ berichtete. Dabei handelt es sich um die erste Studie, in der die Artenvielfalt von Insekten und Spinnen in den Baumkronen heimischer und nicht-heimischer Stadtbaumarten im Vergleich untersucht wurde.

Höhere Artenvielfalt durch Mischpflanzungen

Ein Drittel der Insekten- und Spinnenarten sei nur auf heimischen und ein weiteres Viertel nur auf südosteuropäischen Bäumen gefunden worden, so Dr. Böll. Dies bedeute, dass mit Mischpflanzungen heimischer und südosteuropäischer Baumarten eine höhere Artenvielfalt erzielt werden könne als mit der Pflanzung heimischer Mono-Alleen. Eine wesentliche Rolle für die hohe Biodiversität der Insekten spiele zudem der Grünstreifen, in dem die Bäume stehen. Er dient als wichtiger Teillebensraum für eine große Anzahl der erfassten Arten. Auch dies spricht für eine variantenreiche Baumartenwahl und ein konsequentes Anlegen von Grünsteifen in der Stadt.

Viele heimische Wildpflanzen sind unschlagbar nachhaltig, ökologisch sinnvoll, pflegeleicht und kostengünstig. Sie schaffen nicht nur in Privatgärten eine lebendige Artenvielfalt, sondern beleben auch den öffentlichen Raum, zeigte Fritz Hilgenstock, hilgenstock naturgarten (CH-Niederuzwill), auf. Der Experte für naturnahe Gärten sieht allerdings eine naturnahe Gartengestaltung im deutschen Normen-Dschungel als schwer umsetzbar und mit Hindernissen verbunden.

Green 5 – beteiligte Verbände

Diese Verbände bilden „Green 5“:

  • Deutsche Gesellschaft für Gartenkunst und Landschaftskultur (DGGL) – Landesverband Hamburg/Schleswig-Holstein
  • Gesellschaft zur Förderung der Gartenkultur (Gartengesellschaft)
  • Fachverband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau Hamburg
  • Bund deutscher Landschaftsarchitekten (bdla) – Landesverband Hamburg
  • Bund deutscher Baumschulen – Landesverband Hamburg
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