Grüne Branche

Heidelberger Tagung „Bio-Zierpflanzen“: Düngerdepots in Wurzelnähe

Das Kürzel BORN macht von sich reden. Es steht für „Biological Organic Regulated Nutrition“, also Pflanzenernährung auf organischer Basis. Gemeint ist aber nicht die übliche breit verteilte oder ins Substrat eingemischte organische Düngung, sondern ein Punkt- oder Linien-Düngeverfahren, wobei Düngerdepots mit der benötigten Nährstoffmenge in Wurzelnähe angelegt werden. Bei Topf- und Kübelpflanzen kommt das Düngerdepot natürlich in den jeweiligen Topf.

Im Versuchsgewächshaus stellte Robert Koch ein Projekt zur Wirkung biologischer Präparate gegen Echten Mehltau vor. Foto: Edwin Hanselmann

Der Stickstoff wird hierbei aus dem organischen Dünger zu Ammonium umgesetzt und von der Pflanze aufgenommen. Aufgrund der Punktablage wird eine weitere Mineralisation zu Nitratstickstoff verhindert.

Zwei von acht Vorträgen bei der Tagung „Bio-Zierpflanzen/Nachhaltiger Gartenbau“ in Heidelberg befassten sich mit Fragen der Düngung, einer davon speziell mit BORN. Hermann-Josef Schumacher – Geschäftsführer der Anbaugemeinschaft Bio-Zierpflanzen – sieht diese organische Punktdüngung auch als gute Möglichkeit bei Topfstauden und anderen Topfpflanzen. Bei Bäumen und Sträuchern lasse sich das BORN-Verfahren ebenfalls gut anwenden, beispielsweise mit Düngerdepots in 20 bis 40 Zentimetern Tiefe. Generell sollen die Düngedepots tief genug angelegt sein, um bei Pflegearbeiten nicht zerstört zu werden.

Schumacher informierte unter anderem über einen im Sommer 2011 durchgeführten Düngungsversuch mit Coreopsis sowie je einen Versuch mit Saxifraga und Aubrieta aus dem Frühjahr. Die Ergebnisse variierten je nach den angewendeten Düngemitteln.

So erreichte beim Versuch mit den am 14. August 2010 getopften und am 15. April 2011 verkaufsfähigen Saxifraga die Variante 1 mit dem organischen Dünger Privoda – angewendet in Pelletform – ein gleich gutes Ergebnis wie die Kontrollvariante 8, bei der der mineralische Depotdünger Basacote verwendet worden war. Privoda ist nach Angabe Schumachers ein organischer Dünger mit hohem Stickstoffgehalt (14 Prozent), hauptsächlich auf Basis von Hornmehl. Fast genauso gut waren die Saxifragen in den Versuchsgliedern 7 (Schafwolle) und 10 (Bongartz Substrat). Mittlere Qualitäten gab es in den Varianten 5 (AMN-Born-M) und 9 (Phytoperls).

Bei den Aubrieta, die zum gleichen Zeitpunkt wie die Saxifraga verkaufsfähig waren, erreichten neben dem Basacote die Varianten mit Privoda (Versuchsglied 1) und Bongartz-Substrat (Versuchsglied 10) die besten Ergebnisse, gefolgt von Schafwolle (Versuchsglied 7), AMN-Born-M (Versuchsglied 5) und Bioilsa (Versuchsglied 2). Dass die betreffenden Topfstauden bei dem mit OPF-Granulat versorgten Versuchsglied 4 nur schlecht gewachsen sind, hängt offenbar mit einer zu schnellen Freisetzung des Stickstoffs zusammen.

Bei den Coreopsis – getopft am 23. Mai, verkaufsfertig am 5. September 2011 – überzeugten neben der Basacote-Kontrollvariante vor allem die mit Substraten aus dem Betrieb Bongartz bestückten Versuchsglieder 1 und 2 sowie das Versuchsglied 3 (Schafwolle).

Wie Schumacher in seinen generellen Anmerkungen zum BORN-Verfahren ausführte, nehmen die Pflanzen bei dieser organischen Punktdüngung den Stickstoff in der Ammoniumform auf. Hierbei entstünden Pflanzen mit stärkerem Wurzelwerk und intensiverer Durchwurzelung, da sich der Hormonhaushalt zugunsten des für das Wurzelwachstum zuständigen Kinetin verschoben hat und die für das Wachstum der Sprosse verantwortlichen Hormone Auxin und Gibberellin weniger stark zum Zuge kommen.

Die Aufnahme des Ammoniums durch die Pflanze erfolge nicht mit dem Wasserstrom, sondern an der Wurzelspitze. An den Wurzeln finde die Protein-Biosynthese statt. Bei konsequenter Depotdüngung werde Stickstoff vorzugsweise als Ammonium aufgenommen, wenn Wachstumsbedingungen vorliegen. Das Pflanzenwachstum sei damit „gesteuerter“ als bei Nitraternährung.

Aufgrund des intensiveren Wurzelwachstums könnten die betreffenden Pflanzen vorhandene Wasser- und Nährstoffvorräte im Substrat oder Boden besser ausnutzen. Daher könne der biologische Anbau mit niedrigeren Nährstoff-Richtwerten als die konventionelle Produktion arbeiten. Zugleich stehe den so ernährten Pflanzen mehr Energie zur Verfügung. Sie könne diese Energie für einen stabileren Zellaufbau nutzen, was zugleich die Pflanze robuster und damit unanfälliger für Krankheiten mache. Eine bessere Haltbarkeit und Lagerfähigkeit der Bio-Pflanzen sei auf diesen Vorgang zurückzuführen.

Ähnlich wie zu Gemüse, so liegen auch zu den wichtigsten Topfpflanzen- und Beetpflanzenarten detaillierte Angaben zum Nährstoffbedarf – unterteilt nach Topfgrößen – sowie zur Umrechnung in BORN-Granulat vor (Quelle: Tagungsband). Dies kann an dieser Stelle nicht im Detail dargestellt werden.

Ebenfalls um die Düngung von Bio-Zierpflanzen, Bio-Topfstauden sowie Bio-Topfkräuter ging es beim Vortrag von Robert Koch, dem Pflanzenernährungs-Spezialisten an der LVG Heidelberg. Unter anderem stellte er Ablauf und Ergebnis eines diesjährigen Düngungsversuchs mit Bio-Topfgaillardien vor (Vollbevorratung mit organischen Profidüngern aus pflanzlicher Herkunft bei Kultur von Gaillardia x grandiflora).

Die Gaillardien der Sorte ‘Arizona Sun’ – einer Züchtung von Benary – wurden in Kalenderwoche 15 in Drei-Liter-Container getopft. Als Erde diente KKS Biotopfsubstrat von Klasmann, ein Substrat mit 50 Prozent Torfersatz (Holzfaser, Grünschnittkompost). Die Düngung erfolgte auf Basis eines Reinstickstoffbedarfs von 800 Milligramm N pro Pflanze, entsprechend 1.333 Milligramm N pro Pflanze bei Annahme von 60-prozentiger N-Freisetzung in organischen Düngungsvarianten. Der Versuch endete in Kalenderwoche 27.

Folgende Versuchsglieder wurden unterschieden:

  • 1. Phytoperls
  • 2. Mykoaktiv Bio
  • 3. OPF granular (Granulat)
  • 4. Öko Mix Minigran
  • 5. Mischung aus Phytoperls, Mykoaktiv Bio, OPF-Granulat und Öko Mix Minigran, je 25 Prozent
  • 6. OPF-Granulat (25 Prozent) und Phytoperls (75 Prozent)
  • 7. OPF-Granulat (25 Prozent) und Mykoaktiv Bio (75 Prozent)
  • 8. OPF-Granulat (25 Prozent) und Öko Mix Minigran (75 Prozent)

 

Das neunte Versuchsglied war eine Kontrollvariante mit mineralischer Düngung (PG-Mix/Plantacote 4M).

Wie Koch aufzeigte, entwickelten sich die Topfgaillardien bei fünf der neun Varianten gut bis sehr gut: 1, 2, 5, 6, 9. Sie blühten einheitlich in Kalenderwoche 26 auf. Probleme – vor allem in der ersten Wachstumsphase – und daher teils nicht befriedigende Pflanzenqualitäten waren bei folgenden Varianten festzustellen: 3, 4, 7, 8.

Die Salzgehalte wurden regelmäßig gemessen. Bei einigen Parzellen führten die anfangs hohen Salzgehalte zu zwischenzeitlicher Wachstumsstockung, später zu Blühverzögerung um etwa eine Woche. Vor allem das OPF-Granulat mit seinem hohen Stickstoffgehalt (NPK: 11–0–5) führte zu einem anfangs für diese Pflanzen teilweise zu hohen Salzgehalt. Mehrere Starkregen in den Kalenderwochen 22/23 beeinflussten dann das Ergebnis, weil durch den Regen viel Dünger ausgewaschen wurde.

Die Topfgaillardien in den organischen Düngungsvarianten waren zum Verkaufszeitpunkt erkennbar kompakter als diejenigen der Kontrollvariante 9. Die kräftigsten Pflanzen gab es in der Variante 6, also bei Versorgung mit OPF Granulat und Phytoperls. (eh)