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Historisch genutztes Gemüse: alte Sorten, neue Produkte

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Viele alte Gemüsesorten sind seit langer Zeit aus dem Anbau verschwunden. Manche können heute wieder überzeugen, weil sie überraschende Formen, Farben und Geschmäcker besitzen, die es wieder zu entdecken gilt. Dabei kann die Datenbank über historisches Gemüse den Gartenbau unterstützen – jetzt und in Zukunft.

75 Prozent der alten Gemüsesorten gelten als verschollen

Die Salatsorte „Goldforelle“ und das Radieschen „Scharlachrotes Non plus Ultra“ – das sind nur zwei von knapp 7.000 alten Gemüsesorten, die in Saat- und Pflanzgutkatalogen deutscher Handelsgärtnereien, Monografien, Zeitschriften und Versuchsberichten aus der Zeit von 1836 bis 1956 beschrieben sind. Etwa 75 Prozent von ihnen gelten als verschollen.

Auskunft darüber, welche Gemüsesorten in den letzten 150 Jahren vom Markt, aus den Gärten und von unseren Tellern verschwunden sind, gibt die Datenbank „Historisch genutztes Gemüse“, erklärt Matthias Ziegler, Referent für pflanzengenetische Ressourcen am Informations- und Koordinationszentrum für Biologische Vielfalt (IBV) der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE). Sie stellt Informationen zu Gemüsesorten bereit, die in Saat- und Pflanzgutkatalogen deutscher Handelsgärtnereien, Monografien, Zeitschriften und Versuchsberichten aus der Zeit von 1836 bis 1956 beschrieben sind. Die Sortenbeschreibungen, Kultur- und Nutzungshinweise sowie Abbildungen zu Gemüsearten und -sorten sind quellenbezogen digital verfügbar.

Einteilung alter Gemüsesorten in verschiedene Kategorien

Die identifizierten Gemüsesorten werden in Kategorien eingeteilt:

  • Rote Liste-Sorte – wird in historischen Quellen erwähnt, besitzt aber heute keine Sortenzulassung mehr; Saatgut existiert innerhalb Europas nur noch in Genbanken oder bei verschiedenen Saatgutinitiativen, was diese Sorten und Arten als gefährdet ausweist
  • Verschollene Sorte – wird in historischen Quellen erwähnt, es sind aber keine Saatgutmuster mehr nachweisbar; als verschollen gelten 75 Prozent der im Projekt untersuchten Sorten
  • Traditionssorte – wird in historischen Quellen erwähnt und ist aktuell in der EU-Sortenliste eingetragen; einige dieser Traditionssorten sind in der EU-Sortenliste als Erhaltungs- oder Amateursorte eingetragen

Zur Erhaltung alter Gemüsesorten führen laut Ziegler zwei Wege:

  • Anbau der historischen Sorten und Landsorten „on farm“: Durch die On-Farm-Bewirtschaftung werden pflanzengenetische Ressourcen im Rahmen einer landwirtschaftlichen oder gärtnerischen Nutzung erhalten und weiterentwickelt. So können auch Nutzpflanzen, die durch die Züchtungswirtschaft nicht züchterisch bearbeitet werden, Anbaubedeutung erlangen. Damit kann die On-Farm-Bewirtschaftung einen wichtigen Beitrag zum Erhalt der Artenvielfalt von Kulturpflanzen und deren innerartlicher Vielfalt leisten.
  • Sammlung des genetischen Materials in Genbanken (ex situ)

Wie aus altem Gemüse neue Produkte werden können

Wie aber kann die Datenbank für historisch genutztes Gemüse zu neuen Produkten führen? Ziegler zufolge:

  • kann die Rote Liste als Referenz für den landeskulturellen Wert einer Sorte dienen. Den landeskulturellen Wert muss man nachweisen, wenn man eine Sorte als Erhaltungssorte beim Bundessortenamt anmelden möchte. Durch die Zulassung einer Sorte als Erhaltungssorte erlangt diese wieder eine größere Verbreitung im Anbau.
  • wird die Geschichte der alten Sorten greifbar und geschmacklich erlebbar.
  • dient die Datenbank als Initialzündung für den Anbau von alten Sorten/neuen Produkten. Sie liefert auch Bezugsquellen und ein Kontaktformular für Saatgut-Interessenten.
  • kann Sortenvielfalt zurück in den Anbau geholt werden.

Mehr zu alten Gemüsesorten und der Datenbank „Historisch genutztes Gemüse“ lesen Sie in der TASPO 34/2019, die in unserem Online-Shop abrufbar ist.