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Hochwasser: auch der Gartenbau ist betroffen

Die über Fronleichnam anhaltenden Regenfälle insbesondere im Osten und Südosten Deutschlands haben an Donau, Inn und Elbe zu einer Hochwassersituation geführt, die dem Jahrhunderthochwasser des Jahres 2002 nichts mehr nachlassen dürfte. In den vom Hochwasser betroffenen beziehungsweise gefährdeten Gebieten befinden sich auch Gartenbaubetriebe. 

Hochwasser bei Jena setzte die Gewächshausflächen dieses Gemüsebaubetriebes 20 Zentimeter tief unter Wasser. Foto: Gartenbau Versicherung VVaG

Während sich die Pegelstände in Bayern – mit Ausnahme der Region um Regensburg – am Dienstag (4. Juni) im Rückgang befanden, wurde der Scheitelpunkt des Hochwassers an der Elbe in Sachsen am Mittwoch (5. Juni) erwartet. Auch im südlichen Sachsen-Anhalt drohen Hochwasser und Überschwemmung an Elbe und deren Nebenfluss Mulde.

Sachsen: Wie im Jahr 2002 ist in Sachsen das Elbeinzugsgebiet bei Dresden besonders betroffen. Das Hochwasser wird vermutlich das damalige Niveau erreichen. Anders als vor elf Jahren hatte die Fließgeschwindigkeit der Elbezuflüsse jedoch eine deutlich geringere Macht; Sturzbäche aus dem Erzgebirge, die damals auch Ursache der beträchtlichen Schäden waren, sind dieses Mal ausgeblieben. Die Hochwassersituation wird sich jetzt vermutlich auf den reinen Anstieg des Wassers „beschränken“, der wieder große Überschwemmungsgebiete hervorrufen dürfte. Die Gartenbau-Versicherung erwartet eine Gesamtschadenhöhe von ein bis zwei Millionen Euro.

Sachsen-Anhalt: Vor dem Hintergrund der Schadensituation des Jahres 2002 werden insbesondere Schäden im Mündungsbereich der Mulde in die Elbe erwartet. Vor allem bei Jeßnitz sind der Gartenbau-Versicherung mehrere Gärtnereien bekannt, die in überflutungsgefährdeten Bereichen angesiedelt sind. Die Pegelstände dürften ein ähnliches Niveau wie 2002 erreichen.

Thüringen: In der Nähe von Jena hat es bisher einen größeren Einzelschaden in einem Gemüsebaubetrieb für Tomaten und Gurken gegeben. Der Betrieb befindet sich im Einzugsgebiet der Roda, die in Jena in die Saale mündet. Hier war der Scheitelpunkt des Hochwassers bereits in der Nacht von Freitag auf Samstag (31. Mai/1. Juni) erreicht worden. Die Betriebsflächen standen etwa 20 Zentimeter unter Wasser. Das Schadenausmaß ist noch nicht genau bekannt, dürfte sich aber auf weniger als 100.000 Euro belaufen.

Bayern: Wenngleich sich die Hochwassersituation im Südosten Bayerns beträchtlich darstellt, ist der Gartenbau derzeit nur bedingt betroffen. Die Situation lässt sich als überschaubar beschreiben. Aktuell liegen der Gartenbau-Versicherung sechs Schadensmeldungen vor, mit bis zu fünf weiteren Meldungen wird gerechnet. Der derzeitige Gesamtschaden wird mit maximal 100.000 Euro beziffert.

Freilandbetriebe sind stärker betroffen als Gewächshausbetriebe. Es bleibt abzuwarten, wie sich die in den Überschwemmungsgebieten befindlichen Baumschulen nach Abfluss des Wassers entwickeln. Die am stärksten betroffenen Gebiete sind der Chiemgau – hier sind innerhalb von drei Tagen mehr als 400 Millimeter/Quadratmeter Regen gefallen –, Rosenheim, Passau und seit 4. Juni auch Regensburg. Bis auf Regensburg befindet sich das Wasser jedoch bereits im Rückgang.

Nach dem Jahrhunderthochwasser 2002 hat die Gartenbau-Versicherung ihren Versicherungsschutz gegen Überschwemmung und Hochwasser Ende 2003 auch auf den Bereich der Freilandkulturen ausgedehnt. Somit sind die zu erwartenden Schäden an Gewächshausanlagen, Kulturen in Gewächshäusern und Kulturen im Freiland vollständig versicherbar. Innerhalb der Mehrgefahrenversicherung für Freilandkulturen (HortisecurF) sind Überschwemmung und Hochwasser automatisch Bestandteil des Versicherungsschutzes. Bei den Gewächshausversicherungen besteht für diese Gefahren keine eigenständige Deckung. Je nach Vertrag sind diese entweder Bestandteil der Feuer-Versicherung oder sie sind dem Versicherungszweig Sturm angelagert. (Christina Somia, Gartenbau-Versicherung VVaG)

Mehr zum Thema lesen Sie in der aktuellen TASPO 23/13.