Grüne Branche

Holländische Ulmenkrankheit: Impfstoff zugelassen

Das biologische Impfmittel Dutch Trig ist seit dem 1. Februar 2008 in Deutschland als Pflanzenstärkungsmittel zugelassen und darf nun deutschlandweit eingesetzt werden. Unter der Nummer 6421-00 ist es in die beschreibende Liste der Pflanzenstärkungsmittel des Bundesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit in Braunschweig aufgenommen worden. Die niederländische Firma BTL Bomendienst B.V. entwickelte den Impfstoff, der in den Niederlanden bereits seit 1992 erfolgreich gegen die Holländische Ulmenkrankheit eingesetzt wird. Dort werden jährlich 35.000 Ulmen geimpft. Bereits in den vergangenen zwei Jahren wurden Ulmen in Hamburg versuchsweise mit Dutch Trig behandelt. Hervorgerufen wird die Ulmenkrankheit durch die Pilze Ophiostoma ulmi und O. novo-ulmi. Meist übertragen Ulmensplintkäfer die Krankheit oder Wurzelverwachsungen von benachbarten Bäumen führen zu Infektionen. Bei Baumreihen kann es deshalb zum sogenannten Zündschnureffekt kommen, hier werden die Bäume der Reihe nach befallen. Die Übertragung der Pilzsporen erfolgt meist beim Reibungsfraß der Ulmen-splintkäfer an den jungen Zweigen. Der Pilz breitet sich in den Leitungsbahnen der Ulmen aus, wodurch die Wasserversorgung gestört wird. So kommt es zu einer Welke, gefolgt vom Absterben der betroffenen Pflanzenteile. Im weiteren Verlauf sind dann immer größere Zweige und Astpartien betroffen, bis schließlich die Leitungsbahnen gänzlich verstopft sind und die Pflanze abstirbt. Dies kann innerhalb von ein bis zwei Jahren passieren. Feststellen lässt sich die Krankheit an frischen Trieben, denn das Holz färbt sich durch die Gegenreaktion des Baumes rotbraun bis grau. Im Querschnitt befallener Zweige und Äste ist die Ulmenkrankheit an einer Verbräunung im Bereich des jüngsten Jahresrings zu erkennen. Um die weitere Ausbreitung der Ulmenkrankheit einzudämmen, sollten befallene Bäume inklusive der Wurzelstöcke bald entfernt werden, da sie sonst als Ansteckungsquelle dienen. Das nun zugelassene Pflanzenstärkungsmittel Dutch Trig wirkt als vorbeugende Impfung für gesunde Bäume. Wie der Hersteller BTL mitteilt, sei es durch das Injektionsverfahren nun möglich, die Ulmen sehr einfach zu impfen. Die richtige Impfstoffmenge werde an wenigen Einstichstellen je Baum mit einem speziellen Injektionsgerät injiziert. Dies dauert pro Baum durchschnittlich nur zwei bis drei Minuten. Dabei werden die für die Ulme harmlosen Verticillium-Sporen in Dutch Trig, die nicht mit Ophiostoma oder der Verticillium-Welke verwandt sind, in den diesjährigen Jahresring der Ulme eingeimpft. Dies gewährleiste die unmittelbare Aufnahme durch den Baum. Zudem werde der Baum nur minimal beschädigt und die schnelle und einfache Behandlungsweise verringere die Behandlungskosten.

Die durch die Einbringung der Pilzsporen ausgelöste Immunreaktion des Baumes bleibe, so heißt es, während einer Vegetationsperiode wirksam. Die Behandlung ist jedes Jahr zu wiederholen, da der jeweils neue Wachstumsring behandelt werden muss. Mit Hilfe der aktivierten Abwehrmechanismen sei es der Ulme möglich, eine Infektion mit der Holländischen Ulmenkrankheit im weiteren Verlauf des Wachstumsprozess abzuwehren. Sobald allerdings Bäume erkrankt sind, ist eine Impfung unwirksam. Darum sei es wichtig, im Frühjahr vor dem ersten Flug des Ulmensplintkäfers, bei bereits ausreichend Blattmasse, zu impfen. In den Niederlanden startet in diesem Jahr ein großer Resistenz- und Straßenbaumtest mit Ulmen, um die besten Sorten für zukünftige Pflanzungen in Städten und in der freien Landschaft herauszufinden (wir berichteten ausführlich in der TASPO Baumzeitung vom Juni 2008). Hierfür haben sich die Wageninger Forschungsinstitute Praktijkonderzoeg Plant & Omgeving (PPO) und Alterra, die Stadt Amsterdam und die Baumschule Bonte Hoek aus Groningen zusammengeschlossen. Insgesamt 30 Arten und Sorten werden in die Tests einbezogen. Bei dem Resistenztest werden die jungen Bäume mit einer definierten Menge Ophiostoma-Sporen inokuliert und anschließend die Krankheitssymptome erfasst. Neben der Ermittlung der Widerstandskraft wird auch die Eignung als Straßenbaum untersucht. Erhoben werden Parameter wie Wuchsleistung, Verhalten gegenüber Wind und Sturm, Kronenaufbau und ähnliches. Zudem werden Wurzeltests für eine verbesserte Anzucht von Wurzelunterlagen durchgeführt. Beim Straßenbaum-Vergleichstest können sich auch deutsche Kommunen beteiligen. Voraussetzung ist aber, dass genügend große Flächen für die Pflanzung mehrerer Sorten in mehreren Wiederholungen zur Verfügung stehen. Den Kontakt zu PPO stellt das Ulmen Büro her (post@ulmenbuero.de oder Tel.: 040-87 08 04 92). Die Versuche starten in diesem Sommer; erste Ergebnisse werden erst in den Jahren 2010 oder 2011 vorliegen.