Grüne Branche

„Ich habe Recht!“ – die Mutter aller Konflikte

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Baumängel, Vertragsunklarheiten, Nachtrags- und Abrechnungsfragen – Konflikte gehören zum Bauablauf dazu, das liegt schon in der Natur der Sache. Aber oft ist der eigentliche strittige Sachverhalt gar nicht das Problem, sondern der Umgang damit.

Viele Konflikte ließen sich bereits im Vorfeld vermeiden, unter anderem durch fairen Umgang miteinander. Foto: Jr Casas/Fotolia

„Hinter jedem Konflikt steht ein unerfülltes Bedürfnis“

„Hinter jedem Konflikt steht ein unerfülltes Bedürfnis.“ Das war eines der Lernziele auf den beiden Osnabrücker Baubetriebstagen. Die meisten dieser unerfüllten Bedürfnisse treffen sich in den vier Forderungen „behandele mich fair“, „hör mir wirklich zu“, „sei ehrlich zu mir“ und „nimm mich ernst“.

Der erste Tag der sehr gut besuchten Veranstaltung stand im Zeichen der verschiedenen Methoden und Anlaufstellen, Streitfälle außergerichtlich zu lösen. Ein Psychologe, eine Management-Trainerin, zwei Richter a.D. und zwei ausgebildete Mediatorinnen spannten einen weiten Bogen um all jene Instanzen und Experten, die den Konfliktparteien für außergerichtliche Streitbeilegungen zur Verfügung stehen. Ein paar nützliche Instrumente aus den großen Werkzeugkästen der Schlichter und Mediatoren finden Sie im Folgenden.

Zwei Richter a.D. sind Schlichter im Ruhestand

Der Richter und Präsident am Landgericht a.D., Antonius Fahnemann, ist im Ruhestand als Schlichter tätig und bot einen Überblick über verschiedene außergerichtliche Streitbeilegungsmethoden: Schiedsgerichte, Schlichtungsstellen, Ombudsleute und Mediation.

Unverständlich aus seiner Sicht: Einem breiten Angebot an Methoden und ausgebildeten Fachleuten stehen erstaunlich wenig „Schlichtungswillige“ gegenüber. So musste etwa die Schlichtungsstelle der Rechtsanwaltskammer Oldenburg aus Mangel an Interessenten schließen.

Rüdiger Hustedt, ebenfalls Vorsitzender Richter am Landgericht a.D., ist heute Vorsitzender der Niedersächsischen Bauschlichtungsstelle, berichtete aus dem Alltag des Schlichters. „Der Unterschied zwischen Schlichtung und Mediation: Wenn es nicht weitergeht, macht der Schlichter einen eigenen Vorschlag, der Mediator nicht.“

Von Konflikttypen und Konfliktauslösern beim Bau

Die Professorin für Baumanagement von der Fachhochschule Lübeck und ausgebildete Mediatorin, Petra Mieht, beleuchtete verschiedene Konflikttypen:

  • Sachverhaltskonflikte (die Parteien haben unterschiedliche Ziele, Meinungen oder Sichtweisen)
  • Beziehungskonflikte (entstehen oft durch Kommunikationsprobleme oder unterschiedliche Interpretationen von Information)
  • Strukturkonflikte (geprägt von ungleicher Macht- oder Ressourcenverteilung)
  • Interessenkonflikte (bei unterschiedlichen Bedürfnissen oder Interessen)
  • Wertekonflikte (durch unterschiedliche Grundhaltungen oder kulturelle Normen)

Die häufigsten Auslöser von Konflikten im Baubereich sind laut Mieth ein unklarer Leistungssoll, unterschiedliche Auslegungen von Richtlinien, Behinderungen, Leistungsmängel, offene Forderungen und unzureichender Informationsfluss.

Die Praxis bietet viele Gründe für einen Streit

Wie sich im Vorfeld der Baumaßnahmen durch gute Vorbereitung die kritischen Punkte auf ein Minimum beschränken lassen, zeigte Peter Knappmann. Der auf kommunale und gewerbliche Großprojekte konzentrierte GaLaBau-Unternehmer stellte die in seiner betrieblichen Praxis häufigsten Streitgründe zusammen:

  • unterschiedliche Zielsetzungen
  • falsche Partnerwahl
  • Interpretationsprobleme
  • unterschiedliche Wissensstände
  • unterschiedliche Detailtiefe
  • unklare Chronologie
  • unterschiedliche Atemlänge der Liquidität

Knappmanns Rat bei der Entscheidungsfindung, ob und wann sich ein Rechtsstreit lohne, schloss wieder den Bogen zu den Mediatoren: Zuallererst solle sich der Unternehmer fragen: Habe ich gefühlt Recht oder real Recht?