Grüne Branche

IGZ Erfurt: fatale Folgen für Gartenbau?

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Geht es nach der Empfehlung des Senats der Leibniz-Gemeinschaft Berlin, wird der Standort Erfurt-Kühnhausen des Leibniz-Instituts für Gemüse- und Zierpflanzenbau (IGZ) künftig keine Förderung von Bund und Ländern mehr erhalten. Für den Gartenbau und dessen Züchtungsarbeit hätte das fatale Folgen, sind sich verschiedenste Vertreter der grünen Branche einig. Die TASPO lässt einige davon zu Wort kommen.

So befürchtet etwa Prof. Dr. Eckhard George, Wissenschaftlicher Direktor des IGZ (Großbeeren und Erfurt), im Interview mit der TASPO Folgen unter anderem für Züchter, für andere Praxisbetriebe, für die gartenbauliche Pflanzenzüchtung und für den Gartenbau und seine Zukunft.

Welchen Nachteil hätten Praxisbetriebe durch die Schließung?

„Ich kann das am besten an einem Beispiel erklären: In den vergangenen Jahren haben wir mit verschiedenen Betrieben zusammen an der Verbesserung von Züchtungsmethoden von Erica gracilis, Epicactus, Calluna vulgaris oder Helleborus gearbeitet. Finanziert werden solche Projekte beispielsweise über Projektmittel am IGZ aus dem Innovationsprogramm Mittelstand (ZIM). Diese Projekte waren wissenschaftlich erfolgreich und stärken die Innovationskraft von Betrieben.
Es gibt natürlich noch viele andere spannende Ansätze, beispielsweise zum Verständnis der Regulation der Entwicklung von Pflanzen. Das ist ein Thema der Grundlagenforschung, kann aber unmittelbare Auswirkungen im Zierpflanzenbau haben. Alle diese Projekte gingen von unserem Standort Erfurt aus. Wenn die Schließung kommt, können wir so etwas in Zukunft nicht mehr machen.“

 

Warum geht es hier auch um die Zukunft des Gartenbaus?

„Zunächst einmal müssen Betriebe innovativ sein, um langfristig am Markt erfolgreich zu sein. Und die Anwendung neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse ist nun mal eine der wichtigsten Quellen von Innovation. Vor allem aber geht es auch um den Nachwuchs im Gartenbau und in der Forschung zum Gartenbau. Wir haben unsere Kooperation mit der Fachhochschule Erfurt in den vergangenen Jahren neu aufgestellt. Auch weil der Fachhochschule bewusst ist, dass ein Wissenschaftsbezug im Studium für zukünftige Leitungskräfte im Gartenbau wichtig sein wird. Wir haben sogar einen Master-Studiengang ‚Pflanzenforschungsmanagement‘ gemeinsam etabliert.“

 

Wie erklären Sie sich Diskrepanz zwischen den Ergebnissen der Evaluation und der Empfehlung des Senats?

„Die Empfehlung zur Einstellung der Förderung des Standortes Erfurt ist nicht nur ungewöhnlich, es hat auch keine Vorwarnung gegeben – bei der vorangegangenen Evaluierung vor sieben Jahren ist das IGZ noch sehr gelobt worden, auch vom Senat der Leibniz-Gemeinschaft. Und seitdem sind wir sicher nicht schlechter geworden.“

 

Warum sollte der Standort Erfurt erhalten werden?

„Weil unser Standort Erfurt, so wie auch unser zweiter Standort in Großbeeren, ein attraktiver Treffpunkt ist. Ein Treffpunkt von Ideen und von Personen. Dort treffen sich von der EU-finanzierte Doktoranden mit PostDocs, die eine wissenschaftliche Karriere machen wollen. Dort lernen Studierende die Arbeit in einem Labor mit neuesten Techniken kennen. Und dort können Grundlagenforscher mit Problemen der gartenbaulichen Praxis in Kontakt kommen.
Solche Treffpunkte der modernen Gartenbauforschung, gut ausgestattet und in einem produktiven wissenschaftlichen Umfeld, ein Anziehungspunkt für Nachwuchswissenschaftler, gibt es nicht in großer Zahl. Sie sind zwar schnell zerstört, aber schwierig aufzubauen. Das sollte man sich zumindest mal ansehen, bevor man es schließt.“


Das komplette Interview mit Prof. Dr. Eckhard George lesen Sie in der TASPO 19/2016, die am 13. Mai erschienen ist. Darin finden Sie außerdem weitere Stimmen aus der grünen Branche zur drohenden Schließung des IGZ Erfurt und den Folgen für den Gartenbau.