Grüne Branche

Im „Ländle“ bald kein Reisergarten mehr?

„Der Aufsichtsrat der Reiserschnittgarten Baden-Württemberg GmbH & Co. KG respektiert die ablehnenden Gründe der Bevölkerung Hockenheims gegen die Ansiedlung des Reiserschnittgartens auf dem Insultheimer Hof und empfiehlt den Gesellschaftern der Betreibergesellschaft, den Standort nicht weiter zu verfolgen.“

Es war am Abend des 7. Dezember, als die Reiserschnittgarten-Betreibergesellschaft diesen einstimmig gefassten Beschluss des siebenköpfigen Aufsichtsrates verkündete. Die 49 Gesellschafter werden am 3. Januar 2013 über die Beschlussempfehlung entscheiden. Hierbei geht es zugleich darum, ob es künftig auch in Baden-Württemberg keinen Reiserschnittgarten mehr gibt.

Nachdem das Land Baden-Württemberg eine Förderung von 180.000 Euro signalisiert hatte und die Weichen zur Neuorganisation der Reiserschnittgarten-Betreibergesellschaft sowie für die Finanzierung einer neuen Anlage gelegt waren, gründete sich am 12. Juni der Reiserschnittgarten Baden-Württemberg GmbH & Co. KG. Ein Gelände auf der zur Gemarkung Hockenheim gehörenden Staatsdomäne Insultheimer Hof schien als Ersatz für den nur noch übergangsweise – der Grund sind Probleme mit der Pflanzengesunderhaltung – nutzbaren Reiserschnittgarten Weinsberg geeignet zu sein.

Erste naturschutzrechtliche Untersuchungen hatten die Eignung des Insultheimer Hofs bestätigt. Signale aus dem Ministerium Ländlicher Raum deuteten darauf hin, im Herbst 2012 könne mit dem Aufbau der neuen Anlage begonnen werden. Dies auch vor dem Hintergrund, dass der Neuaufbau eines Reiserschnittgartens mit breitem Sortiment gerade für die Erhaltung der in Baden-Württemberg weit verbreiteten Streuobstbestände (mit regionalen Sorten) sehr wichtig wäre.

Es kam anders. Als die Pläne in der Bevölkerung durchgesickert waren, wurden Widerstände – vor allem durch Naturschutzverbände und Imker – spürbar. Neben den Protesten gegen die Fällung von Obstbäumen, die im Rahmen eines Modellprojektes für die Biotopvernetzung gepflanzt worden waren, konzentrierte sich der Protest auf Befürchtungen rund um den zu erwartenden Pflanzenschutzmitteleinsatz.

Es folgten eine Kampagne „300 Bäume sollen nicht gefällt werden“ sowie eine Demonstration (24. November). Als das Thema „Reiserschnittgarten“ am 28. November im Hockenheimer Gemeinderat behandelt wurde, gab es kritische Anmerkungen aus allen Fraktionen, vor allem von Gemeinderatsmitgliedern der CDU, SPD und Bündnis 90/Die Grünen. Mehrere Bürger drückten in Leserbriefen an die örtliche Zeitung ihren Protest gegen das Vorhaben aus. Laut Schwetzinger Zeitung/Hockenheimer Tageszeitung vom 11. Dezember akzeptiert das Ministerium die Beschlussvorlage des Aufsichtsrates der Reiserschnittgarten GmbH & Co. KG. (eh)