Grüne Branche

Im Trend: heimische, aromatische Aprikosen

Unterlagen für Aprikosen
Die Nachfrage nach heimisch erzeugten, vollreif mit ausgeprägtem Aroma geernteten Aprikosen nimmt zu. Der Anbau ließe sich ausweiten, wenn die Ertrags- und Bestandssicherheit dieser heiklen Obstart verbessert werden könnten. Eine entscheidende Rolle kommt hierbei der Unterlage zu.

Neben Sorteneinfluss, kulturtechnischen Maßnahmen (Weißeln der Stämme, Spindelerziehung, Schnitt nach Ernte, angepasste Düngung wegen Holzausreife) und richtiger Standortwahl spielt auch die Unterlage eine wichtige, eigentlich entscheidende Rolle. Daher beschloss der Arbeitskreis „Obstbauliche Leistungsprüfung“ einen Gemeinschaftsversuch an acht Standorten, der im Winter 2010/11 mit 'Kioto', an manchen Versuchsstationen zusätzlich mit 'Orangered' gepflanzt wurde (Abstand: 4 – 4,5 m x 2,5 m). Elf Unterlagen wurden geprüft.

Baumausfälle durch Frost
Nachdem die Bäume das erste Jahr gut überstanden hatten (Ausnahme Standort Helmsdorf: sehr starke Hagelschäden, Sekundärbefall mit Valsa), führte die starke Frostperiode von Mitte Januar bis Mitte Februar 2012 (Müncheberg und Gülzow unter -20°C) zu erheblichen Baumausfällen. Gleichzeitig ermöglichte diese Frostperiode aber auch wichtige Aussagen über die Frosthärte der geprüften Unterlagen. An den genannten ostdeutschen Stationen überlebten nur Bäume auf den Unterlagen Wavit (sowohl „normal“ als auch in 60 cm Höhe veredelt) und Armstock (arteigene Prunusarmeniaca-Selektion aus Müncheberg).

Die anderen Unterlagen starben dort durch Frost oder dessen Folgen ab, beispielsweise durch Sekundärbefall mit pilzlichen Schaderregern. An den Versuchsstationen in Mittel- und Süddeutschland waren derartige Ausfälle nicht zu verzeichnen. Die Spätfolgen mehrerer Frostereignisse im Frühjahr 2013 (Mitte März 2013 beispielsweise in Veitshöchheim: -11°C, in Gülzow: -18°C) äußerten sich unter anderem in Gummifluss.

Ansonsten entwickelten sich die als Spindel erzogenen Bäume sehr positiv, begannen 2013 und 2014 gut zu tragen (außer an Standorten mit Blütenfrösten) und zeigten weitere Eigenschaften der Unterlagen. Die Ausfälle betrafen vor allem 'Kioto', weniger 'Orangered', die jedoch auch nicht an allen Standorten und in allen Kombinationen vertreten war. An den Standorten Erfurt, Weinsberg und Oppenheim gab es bis 2014 noch wenige Ausfälle, teilweise jedoch 2015 zunehmend (Daten liegen noch nicht vor).

Unterlagen-Wuchsstärke
Im Vergleich zu 'Kioto' wachsen die Bäume von 'Orangered' stärker, und bezüglich der Parameter Stammquerschnitt und Kronenvolumen ergibt sich weniger Streuung zwischen den Unterlagen. Die Wuchskraft ist an den Standorten Weinsberg, Oppenheim und Erfurt höher als in Quedlinburg und Veitshöchheim. Citation und Ferlenain induzieren einen etwas schwächeren Stammquerschnitt. Ute und Rubira wachsen bei 'Orangered' etwas stärker, Citation und Ferlenain schwächer als die restlichen Unterlagen. Bei 'Kioto' induzieren Armstock, St. Julien A und Wavit (30 cm) das höchste, Rubira, Ferlenain, Citation und Dospina 22 hingegen das schwächste Kronenvolumen.

Ertrag: Wavit lag vorne
Bei der stärker fruchtenden 'Kioto' wirkt sich der Unterlageneinfluss gravierender aus und steht nicht in Relation zur Kronenstärke. Blütenfrostschäden warfen Standorte wie Erfurt, Forchheim und Veitshöchheim im Ertrag zurück. Weinsberg, Quedlinburg und Oppenheim erzielten in der Summe 2012–2014 über 20 Kilogramm (kg), bei den beiden Wavit-Varianten bis 30 kg pro Baum. Im Durchschnitt aller Standorte liegt Wavit (bis einschließlich viertes Jahr/60 cm) mit 18 kg je Baum vorn, gefolgt von Wavit/30 cm und Armstock (je 16 kg/Baum) und Torinel (14 kg). Die meisten anderen Unterlagen liegen bei 10–12 kg; bei Ute und Dospina 22 hingegen sind es nur 6 bis 7 kg Ertrag pro Baum.

Aus Wuchsstärke und Ertrag lässt sich die Behangdichte (spezifischer Ertrag) ermitteln. Bezogen auf den Stammquerschnitt ist sie bei 'Kioto' mit Wavit hochveredelt deutlich am besten; bei 'Orangered' (nur Weinsberg) liegen Armstock, Rubira, Ferlenain und beide Wavit-Varianten gleich auf.

Hubert Siegler,
LWG Veitshöchheim

Den ausführlichen Artikel mit einer Tabelle und Zwischenbericht finden Sie in Ausgabe 02/2016 Deutsche Baumschule.