Grüne Branche

Immer mehr „essbare Städte“: Gut für die Branche?

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Andernach hat’s vorgemacht und immer mehr Kommunen ziehen nach. Sie begrünen öffentliche Plätze nach dem Motto „Nutz- statt Zierpflanzen“. Jüngstes Beispiel ist Cottbus. Das Problem dabei: Professionelle Pflege wird meist ausgeklammert, um Geld zu sparen.

Pflücken erlaubt: Unter anderem wachsen Bohnen im Schatten der Mauer der "essbaren Stadt" Andernach. Foto: Christoph Maurer / Stadtverwaltung Andernach

Cottbus entscheidet über „essbare Stadt“

Heute will das Parlament der 100.000 Seelen-Stadt entscheiden, ob sich öffentliche Grünflächen mittelfristig gesehen vermehrt durch Nutz- anstatt Grünpflanzen auszeichnen sollen, wie der Lausitzer Report berichtet. Einen genauen Zeitrahmen für den Projektstart gebe es noch nicht. Fest steht allerdings, dass ein Beginn noch in diesem Kalenderjahr etwas verfrüht erscheint, auch wenn es zu einem „Ja“ des Cottbuser Stadtparlaments kommen sollte.

Bisher ungeklärt bleibt die Frage, wer die Pflege der Nutzpflanzen übernehmen wird. Die Überlegungen der Stadt scheinen allerdings eher in Richtung Pflege durch Schulprojekte oder auch Vereine zu tendieren, als in Richtung professioneller Firmen aus der Grünen Branche, um so die Kosten bei der Grünflächenpflege für die Kommune zu reduzieren.  

Artischocken an der Stadtmauer: Andernach macht(e)’s vor

Neu ist das Konzept der „Essbaren Stadt“ zwar nicht, aber es erfährt in den letzten Jahren immer mehr Auftrieb. Vorgemacht hat es 2010 das rheinland-pfälzische Städtchen Andernach. Unter der Devise „Pflücken erlaubt“ pflanzt die Kommune Tomaten, Artischocken, Kartoffeln, Mangold, Grünkohl auf öffentlichen Flächen von rund einem Hektar im Schatten der Stadtmauer an. 40 Pflanzkästen, die in den Gassen der Altstadt aufgestellt wurden, ergänzen das Angebot an frischen Kräutern, Obst und Gemüse.

Wie Stadtsprecher Christoph Maurer berichtet, sei die Pflege der Nutzpflanzen vergleichbar mit dem Aufwand, der auch für Zierpflanzen anfallen würde. Auch vor dem Projektstart befürchteter Vandalismus sei in den sechs Jahren ausgeblieben. Der Stadt hat das Konzept jede Menge Aufmerksamkeit in Funk und Fernsehen beschert und die Peter-Joseph-Lenné-Medaille im Rahmen der Grünen Woche 2014 erhalten. Für Touristen bietet Andernach inzwischen Führungen durch die „essbare Stadt“ an.

Ein Gärtnermeister, den das gemeinnützige Unternehmen Perspektive beschäftigt, leitet rund 20 Langzeitarbeitslose bei der Pflege der öffentlichen Grünflächen an. Die Einwohner von Andernach haben sich bereits für noch mehr Grün in der Stadt ausgesprochen.

Maintal und Trier auf dem Weg zur „essbaren Stadt“

Andere Städte wie Maintal in der Nähe von Frankfurt machen auch erste Gehversuche, ihr Stadtgebiet essbar zu machen. Erst Ende Mai lief dort ein Projekt im Stadtteilzentrum von Bischofsheim an, bei dem mehrere Hochbeete angelegt wurden. Verwaltungsmitarbeiter betreuen die Beete und Einwohner sind offiziell dazu eingeladen, sich zu beteiligen.

Über zwei mobile Hochbeete freut sich seit Kurzem das Grünflächenamt Trier. Zahlreiche Sponsoren unterschiedlichster Art machen dieses Projekt möglich. Die Pflege übernimmt der Verein Agenda Trier 21, der sich seit Jahren gemeinsam mit der Arbeitsgruppe Urbanes Gärtnern für die Etablierung des Aktionsplans Essbare Stadt Trier einsetzt. Auch hier gilt die Devise „Pflücken erlaubt“.