Grüne Branche

„Innovative Substrate“

ZVG-Lehrschau
„Innovative Substrate – Substrate in ständigem Wandel“ war eine Lehrschau des Zentralverbandes Gartenbau auf der IPM überschrieben. Sie bot einen Überblick über die Entwicklung der Substrate sowie die derzeit wichtigsten Zuschlagstoffe mit Möglichkeiten und Grenzen.

Verschiedene Zuschlagstoffe können den Einsatz von Torf reduzieren oder ganz ersetzen. Foto: wok

Die Qualität von Kultursubstraten beruht auf physikalischen, chemischen und biologischen Eigenschaften. Bei einem Teil der Lehrschau, an der verschiedene Hochschulen sowie Lehr- und Versuchsanstalten beteiligt waren, ging es darum, Zuschlagstoffe „zu verstehen“.

Die Risiken beim Einsatz von Zuschlagstoffen liegen in ganz unterschiedlichen Bereichen. Es gilt, die Kulturmaßnahmen jeweils daran anzupassen.

Rindenhumus ist bis zu einem Anteil von 50 Volumenprozent möglich, so die Hochschule Weihenstephan-Triesdorf. Bei der Düngung seien die Nährstoffgehalte, vor allem Kalium, zu berücksichtigen. Um einer möglichen N-Immobilisierung entgegenzuwirken, sei stickstoffbetont zu düngen. Zudem sei vorbeugend Eisenchelat zu geben, um einem Eisenmangel aufgrund hohen Mangangehalts vorzubeugen. Ein pH-Wert unter 6 sei zu vermeiden, um die Verfügbarkeit von Mangan zu begrenzen. Die Bewässerungsstrategie sei der relativ geringen Wasserkapazität anzupassen. Empfohlen wird, nur Produkte zu verwenden, die die Qualitätsanforderungen für RAL-gütegesicherten Rindenhumus erfüllen.

Mit Grünkompost sind Anteile von ebenfalls bis zu 50 Volumenprozent vorstellbar. Aufgrund seiner hohen Salz-, Nährstoff- und Kalkgehalte sollte Grünkompost mit nährstoffarmen, möglichst sauren Stoffen gemischt werden. Empfohlen wird eine N-betonte Düngung und möglichst kalkarmes Gießwasser; bei kalkreichem Wasser sei Stickstoff überwiegend als Ammonium zu verwenden. Bei pH-sensiblen Kulturen sei die Alkalität von Kompostsubstraten mit elementarem Schwefel zu verringern. Die Bewässerung müsse der häufig geringen Luftkapazität angepasst werden. Auch hier gilt: nur Komposte verwenden, die die Anforderungen der RAL-Gütesicherung erfüllen.

Über Holzfasern als Zuschlagstoff informierte die staatliche Lehr- und Versuchsanstalt für Gartenbau (LVG) Heidelberg. Als Ausgangsmaterial stehe chemisch unbehandeltes Sägerestholz, meist aus Fichte oder Kiefer, zur Verfügung. Die Konkurrenz zur energetischen Nutzung wirke sich auf Verfügbarkeit und Preis aus.
Die Vorteile von Holzfasern: hohes Porenvolumen mit einer Luftkapazität von 45 bis 65 Volumenprozent, gute Drainagewirkung und Wiederbenetzbarkeit, niedriger Nährstoff- und Salzgehalt sowie eine geringe Rohdichte von 80 bis 150 Gramm pro Liter. Negativ sind dagegen die geringe Wasserkapazität (30–50 Volumenprozent), ein rascher Abbau und damit verbundene Sackung, die Möglichkeit einer N-Immobilisierung sowie eine mäßige Pufferung des pH-Wertes.

Kokosmaterial als Zuschlagstoff war Thema der LVG Hannover-Ahlem. Das in Substraten verwendete Material fällt bei der Kokosnuss-Verarbeitung an und stammt von der äußeren und mittleren Samenschale. Durch Schneid- und Siebvorgänge werden daraus Kokoschips, -fasern und -mark gewonnen. Diese können hohe Mengen an Salzen, etwa Kalium, Natrium und Chlorid enthalten. Für die Verwendung in Substraten müssen diese Stoffe daher gewaschen werden, mit Frischwasser oder speziellen Salzlösungen, um auch die an Austauscherplätzen gebundenen Ionen zu lösen.

Die Lehr- und Versuchsanstalt Bad Zwischenahn informierte über Ergebnisse ihrer Versuchsarbeit: In einer Versuchsreihe wurde die Eignung unterschiedlicher torfreduzierter und torffreier Substratmischungen mit Zuschlagstoffen wie Kokosmark, Rinde, Holzfaser oder Xylit untersucht, mit Rhododendron, Potentilla, Calluna und Gaultheria.

Lesen Sie mehr darüber in Ausgabe 04/2015 Deutsche Baumschule.