Grüne Branche

Insektensterben: auch weit verbreitete Arten bedroht

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Auch weit verbreiteten Insekten droht zukünftig ein hoher Artenverlust. Das konnte eine aktuelle Studie eines Wissenschaftlerteams vom Senckenberg Deutschen Entomologischen Institut Müncheberg (SDEI) und der Technischen Universität (TU) München nachweisen.

Der Perlgrasfalter: eine „anspruchslose“ Insekten-Art, dennoch in Zukunft gefährdet. Foto: Senckenberg/Schmitt

Nicht nur Spezialisten unter den Insekten bedroht

„Bisher sind wir davon ausgegangen, dass besonders die Spezialisten unter den Insekten, also Tiere, die auf einen besonderen Lebensraum angewiesen sind, vom Artensterben bedroht sind“, erklärt Prof. Dr. Thomas Schmitt, Direktor des SDEI. „Doch unsere aktuelle Studie zeigt, dass auch sogenannte ‚Allerweltsarten‘ in Zukunft massiv gefährdet sind.“

Als Gründe für den Rückgang dieser „Generalisten“ nennt das Forscherteam eine Verinselung von Lebensräumen sowie die Intensivierung der Landwirtschaft. Die Studie zeigt, dass Arten mit geringen Ansprüchen an ihr Habitat auf den Austausch zwischen verschiedenen Populationen angewiesen sind. Denn weit verbreitete Arten hätten einen deutlich vielfältigeren innerartlichen Genpool als Arten, die sich auf einen speziellen Lebensraum angepasst haben.

Kleine, isolierte Schutzgebiete reichen künftig nicht mehr

Die Folgen für den praktischen Naturschutz: Es wird zukünftig nicht mehr ausreichen, kleine, isolierte Schutzgebiete zu erhalten. Diese sind zwar ein Gewinn für spezialisierte Arten mit einfacher genetischer Struktur, doch die Masse an Arten, die auf einen Austausch zwischen lokalen Populationen angewiesen ist, geht mittel- oder langfristig verloren.

Das führt zu einem weiteren Rückgang von zahlreichen Insektenarten – mit dramatischen Auswirkungen auf ganze Nahrungsnetze und Ökosysteme.

Größeres Nahrungsangebot für Bienen

Unter anderem durch die Aussaat von Wildblumen will das „Versmolder Blüten-Mehr“ dem abnehmenden Nahrungsangebot für Bienen entgegenwirken. Der Imker Friedrich-Wilhelm Brinkmann stellte das seit 2011 bestehende Projekt beim Kongress „Grüne Stadt – Biologische Vielfalt im privaten und öffentlichen Grün von Kommunen“ auf der IPM vor.

„Im ersten Schritt ging es darum, das Interesse vor Ort zu wecken und einen möglichst breiten Konsens herzustellen. Wir haben mit dem Bürgermeister und der Verwaltung gesprochen, aber auch Multiplikatoren aus Heimatvereinen, Siedlerbünden, lokalen Stiftungen und interessierten Bürgerinnen und Bürgern gesucht. Dann galt es, gemeinsam mit der Verwaltung Flächen in der Stadt zu finden, die Böden vorzubereiten und spezielle Blütenmischungen auszusäen“, so Brinkmann.

„Versmolder Blüten-Mehr“ begeistert für öffentlichen Raum

Schon im ersten Jahr standen so in der Stadt viele nektar- und pollenspendende Blüten zur Verfügung; die Ästhetik der bunten Flächen entwickelte auch eine wachsende Sensibilität und sogar Begeisterung für den öffentlichen Raum. Mehr und mehr Bürger und lokale Unternehmen engagierten sich – heute ist das „Versmolder Blüten-Mehr“ fest etabliert und hat der Stadt auch überregional Aufmerksamkeit verschafft.